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Europa

Hoffnung auf Überlebende schwindet

Bei dem Erdbeben in Mittelitalien sind mehr als 270 Menschen ums Leben gekommen. Tausende leben in Zeltlagern. Sie sollen sich vorstellen, ein "Camping-Wochenende" zu verbringen, rät Ministerpräsident Berlusconi.

Helfer und Feuerwehrleute holen einen Menschen aus den Trümmern (Foto: dpa)

Die Zeit wird knapp: Spürhunde helfen den Rettern bei ihrer gefährlichen Arbeit

Drei Tage nach der Katastrophe haben die Rettungskräfte in der Nacht zum Donnerstag in der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila zwei weitere Todesopfer geborgen. Sie lagen, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete, unter den Trümmern eines Studentenheims begraben, das am Montag wie ein Kartenhaus eingestürzt war. Damit stieg die Zahl der Toten auf mindestens 274, unter ihnen 16 Kinder. Annähernd 12.000 Personen sollen verletzt worden sein. Auch in der Nacht auf Donnerstag (09.04.2009) erschwerten wieder mehrere Nachbeben, das schwerste erreichte eine Stärke von 5,2, die Arbeit der Retter und versetzte viele Menschen erneut in Angst und Schrecken.

Suche soll bis Ostern weitergehen

Knapp 500 Menschen gelten nach Medienberichten noch als vermisst. Zuletzt waren rund 8500 Helfer im Einsatz, um nach ihnen zu suchen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Teilweise mit bloßen Händen graben sich die Retter durch die riesigen Trümmerberge. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, wird von Stunde zu Stunde geringer.

Feuerwehrleute und Helfer suchen in den Trümmern Überlebende (Foto: AP)

Mit bloßen Händen graben Feuerwehrleute nach Verschütteten

Aber es gab auch gute Nachrichten: 42 Stunden nach der Katastrophe konnten die Retter eine 20-jährige Studentin aus den Trümmern in der Regionalhauptstadt L'Aquila befreien. Sie hatte trotz kalter Nächte und nur mit einem Pyjama bekleidet in einem Hohlraum eines eingestürzten Hauses leicht verletzt überlebt.

Bis Ostern soll die Suche nach den Verschütteten weitergehen. "Dann werden die zerstörten und beschädigten Häuser gesichert, und der Wiederaufbau wird beginnen", kündigte Italiens Innenminister Roberto Maroni am Mittwoch an.

Unmut über Berlusconi

Tausende Menschen sind obdachlos - ihre Wohnungen und Häuser sind durch das Erdbeben am Montagabend zerstört worden. Rund 17.000 von ihnen sind in Zeltlagern in der Nähe der schwer zerstörten Stadt L'Aquila untergebracht.

Eine Frau steht in einem der Sammellager für Obdachlose, hinter ihr bauen Helfer Zelte auf(Foto: AP)

Tausende müssen vorläufig in Zeltlagern leben

Natürlich sei das "absolut provisorisch", sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi dem Fernsehsender NTV, nachdem er eine der Sammelstellen für Betroffene des Abruzzen-Erdbebens besucht hatte. "Aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende", fügte er hinzu. Es fehle an nichts, es gebe Medikamente, warmes Essen und Decken für nachts. Berlusconis Worte sorgten in Italien und im Ausland für Unmut.

Berlusconi war bereits in der Vergangenheit für umstrittene Äußerungen kritisiert worden. Am Dienstag hatte er in L'Aquila den Betroffenen eine "Auszeit" an der Adria-Küste auf Staatskosten empfohlen, während der Staat eine Liste der beschädigten Häuser anlege. Etwa 3000 Obdachlose sind an der nahen Küste bereits in Hotels und Pensionen untergebracht.

Papst will Katastrophenregion besuchen

Eine Karte zeigt die Region an, in der sich das Erdbeben in Italien ereignete (Karte: DW)

Hier bebte die Erde

Papst Benedikt XVI. will den Opfern Trost spenden - aber erst nach Ostern: "So bald es möglich ist, hoffe ich, dass ich zu euch kommen kann", sagte er am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem römischen Petersplatz.

Unterdessen kritisieren Italiens Medien, dass tausende Gebäude, darunter auffällig viele neuerer Bauart, durch das mit einer Stärke von 5,8 bis 6,2 nicht sehr extreme Beben wie Kartenhäuser in sich zusammenfielen. Millionen Italiener leben in erdbebengefährdeten Häusern, obwohl das Land über ein anerkanntes Erdbebeninstitut verfügt. (heb/gri/dpa/ap/kna)

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