1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Hoffen, Bangen und viel Frust - Start der Wahl-Woche in Nigeria

Auftakt einer spannenden Wahl-Woche in Nigeria. Zunächst standen die Gouverneure der 36 Bundesstaaten zur Wahl. Am Ende soll auch ein neuer Präsident feststehen.

Poster des Präsidentschaftskandidaten Yar'Adua

Umaru Yar'Adua gilt als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat

Der Holzmarkt von Deidei, eine Autostunde nördlich der Hauptstadt Abuja: Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, das Atmen fällt schwer, nicht nur wegen der großen Hitze: Zum Hammatan, dem für diese Jahreszeit typischen feinen Wüstensand in der Luft, kommen die Sägespäne. Eine dicke Staubschicht liegt auch über dem Schreibtisch von Marktleiter Obinna Obi. In einer der kleinen Gassen zwischen den Baumstämmen und Brettern hat er sein provisorisch überdachtes Büro - in seiner Mittagspause fachsimpelt er gerne über die bevorstehenden Wahlen: "Wir erwarten von der neuen Regierung, dass sie sich um die Menschen kümmert - die kleinen Unternehmer wie wir müssen bedacht werden, aber auch die Massen, die nichts haben."

Ein frommer Wunsch, und Obinna weiß das. Denn die nigerianische Politik ist durchsetzt von Korruption. Die Gouverneure, die gewählt werden, verwalten große Mengen an öffentlichen Geldern. 24 der insgesamt 36 Chefs der nigerianischen Bundesstaaten sollen so korrupt sein, dass man sie sofort verhaften könnte. Obinna zuckt mit den Achseln: "Im Moment erwarten wir nicht, dass sich irgendwas verbessert. Aber wenn der neue Präsident erstmal seinen Amtseid abgelegt hat, dann wird sich etwas tun. Das hoffen wir sehr."

Freie und faire Wahlen?

Aber soweit ist es noch lange nicht. Freie und faire Wahlen hat der scheidende Präsident Obasanjo versprochen - Bedenken gibt es aber, dass nicht alles friedlich, geschweige denn mit rechten Dingen zugehen könnte. So war in Zeitungen zu lesen, dass in Häusern von Politikern Maschinen zur Wählerregistrierung gefunden worden seien; auf den Listen der Wähler hätten sich am Ende sogar Namen von Kindern befunden. Nicht alle Ecken des Landes - das in etwa so groß ist wie Frankreich und Großbritannien zusammen - können bis in die letzten Winkel kontrolliert werden.

Trotz der Vielzahl an Kandidaten für das Präsidentenamt rechnet auch Obinna damit, dass es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Obasanjo-Freund Umaru Yar-Adua und seinem Konkurrenten, dem Ex-General Muhammad Buhari, kommen wird. Der hatte sich in den 1980er Jahren schon einmal an die Macht geputscht. 2003 verlor er allerdings gegen Obasanjo.

"Wenn zwei Elefanten kämpfen, dann leidet das Gras"

Oberstes Gericht in Abuja

Oberstes Gericht in Abuja

Auch Obinna vom Holzmarkt in Deidei befürchtet, dass es Massenproteste gibt, wenn Buhari verlieren sollte. Aber die größte Sorge bereitet ihm der Streit zwischen dem Noch-Präsidenten Obasanjo und seinem Stellvertreter und Erz-Rivalen, Abubakar Atiku, der einer anderen Partei angehört als sein Chef. Wegen Betrugsvorwürfen hat die gar nicht so unabhängige Wahlkommission Atiku von der Kandidatenliste gestrichen - dagegen klagt Atiku gerade vor dem Obersten Gericht, und das kostet Zeit. Das wiederum kommt Obasanjo sehr gelegen, denn der will seinen Parteifreund Yar-Adua in den Präsidentensessel hieven - und hinter den Kulissen selbst weiterregieren. "Wenn zwei Elefanten kämpfen, dann leidet das Gras", zitiert Obinna ein afrikanisches Sprichwort. So sei das auch mit den beiden Kontrahenten.

Was die Menschen draußen vor den Toren der Hauptstadt noch mehr beschäftigt, ist der so genannte Master Plan Abuja. Der Plan für die künstlich angelegte Hauptstadt Nigerias sieht vor, dass Motorräder und Straßenverkäufer aus dem Zentrum verbannt werden, die Häuser der einfachen Leute und Arbeiter sollen abgerissen werden. In einer Art Zwangsenteignung übernimmt die Regierung die Grundstücke und baut teure Büro- und Apartmentkomplexe - das macht Eindruck für die Bewerbung um die Commonwealth Spiele 2008, aber die Mieten sind unbezahlbar für die kleinen Leute."

"Mister Demolition" und "Jonathan Goodluck"

20 Kilometer vom Holzmarkt entfernt liegt das Dorf Gwagwa - oder das, was davon übrig geblieben ist, seit Nasir Ahmad el-Rufai, der "Mister Demolition“ genannte Minister des Federal Capital Territory von Abuja, auch hier die Bagger hat auffahren lassen. Soweit das Auge reicht, stehen hier nur noch Ruinen und kleine, handgezimmerte Hütten. Es sieht aus wie nach einem Krieg.

Im nächsten Dorf, in Karimu, sieht es nicht besser aus. Zerstörte Häuser, kein fließendes Wasser, kein Strom. Nur ein paar Marktstände entlang der staubigen Hauptstraße. Was würden die Menschen hier dem Mann sagen, der Präsident werden will? "Wir würden ihm sagen, dass wir eine Lösung für unser Problem hier draußen verlangen", meint ein Marktverkäufer. "Wo sind die Alternativen? Wo sollen die Leute hinziehen? Warum sollen sie überhaupt ihre Häuser für die Regierung verlassen?"

Ein Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten trägt übrigens den schönen Namen "Jonathan Goodluck“ - nach Meinung vieler Experten ist er einer der korruptesten. Dabei ist vor allem Glück das, was die Menschen in Nigeria brauchen - nicht nur hier, am verwüsteten Stadtrand von Abuja.

Die Redaktion empfiehlt