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Wirtschaft

Hoffen auf weitere Konjunkturprogramme

Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben auf ihrer Jahrestagung in Istanbul davor gewarnt, nach der Überwindung der Rezession zu früh zur Normalität zurückzukehren. Die Gefahr von Rückschlägen sei groß.

Robert Zoellick (Foto: AP)

Weltbank-Präsident Robert Zoellick verspricht Entwicklungsländern mehr Geld

Dominique Strauss-Kahn (Foto: AP)

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn: Arbeitslosigkeit wirft langen Schatten auf die Weltwirtschaft

Die weltweite Rezession ist überwunden, doch nun offenbaren sich die Folgen der Krise. Weltweit nimmt die Arbeitslosigkeit zu, was nach den Worten von IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn einen langen Schatten auf die Erholung der Weltwirtschaft wirft. Strauss-Kahn prognostizierte am Freitag (02.10.2009) für 2010 einen weiteren Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung, aber auch anhaltende Risiken.

Das derzeit größte Risiko sieht der IWF-Chef in Übereinstimmung mit dem Präsidenten der Weltbank in einer zu frühen Rückkehr zur Normalität. Sie warnten die Regierungen davor, demnächst die Konjunkturprogramme auslaufen zu lassen. An die Zentralbanken ging Strauss-Kahns Mahnung, die Zügel der Geldpolitik noch nicht zu straffen und damit zu früh von den derzeitigen Niedrigstzinsen abzugehen.

Weltbank will Katastrophen-Opfern schnell helfen

Weltbank-Präsident Robert Zoellick wies darauf hin, dass die Entwicklungsländer erst mit einer gewissen Zeitverzögerung von der Rezession erfasst wurden. Die meisten der armen Länder hätten weiterhin mit den Folgen der Krise zu kämpfen, also mit rückläufigen Exporten, gesunkenen Einnahmen aus dem Tourismus sowie stark verringerten Überweisungen ihrer Bürger, die im Ausland arbeiten. Zoellick kündigte an, die Weltbank werde ihre Programme zur Ernährungssicherung verstärken. Dafür benötige sie allerdings zusätzliche Finanzmittel.

Vom Tsunami verwüstetes Küstengebiet auf Samoa (Foto: AP)

Die vom Tsunami in der Südsee betroffenen Gebiete sollen schnelle Hilfe bekommen

Auch den von einem Tsunami überrollten Ländern in Asien und in der Südsee will die Weltbank mit schneller und großzügiger Hilfe beistehen. Für Strauss-Kahn ist vor allem Afrika ein unschuldiges Opfer der Krise, dem massiv geholfen werden muss. Der Währungsfonds ist dazu bereit und hat eine gesonderte Finanzierungsmöglichkeit eingerichtet, nämlich für unverschuldet in Not geratene Länder zinslose Kredite ohne Auflagen. Bis 2014 stehen 17 Milliarden Dollar zur Verfügung, von denen der Großteil nach Afrika fließen soll.

Kooperation half Krise zu überwinden

Strauss-Kahn und Zoellick sind sich einig in der Feststellung, dass die großen Industriestaaten und die großen Schwellenländer vor allem dank der internationalen Kooperation die Rezession so schnell überwunden haben. Die Treffen der Staats- und Regierungschefs im Rahmen der G20 hätten sich bewährt. Diesem Format gehöre die Zukunft, erklärte IWF-Direktor Strauss-Kahn. Dabei werde auch der Internationale Währungsfonds eine wichtige Rolle spielen, denn bei den G7-Treffen der Vergangenheit sei die Ausführung der Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs nicht organisiert und überwacht worden. Hier sieht Strauss-Kahn eine zusätzliche Aufgabe für den Währungsfonds.

Schwellenländer auch Gewinner der Krise

Zumindest in einer Hinsicht zählen für Strauss-Kahn und Zoellick die großen Schwellenländer sowie die Entwicklungsländer zu den Gewinnern der Krise: sie werden ihre Einflussmöglichkeiten im Währungsfonds und in der Weltbank ausbauen. Die Zeit geht zu Ende, in der kleine Industriestaaten in den beiden Institutionen mehr Stimmrechte ausüben können als große Schwellenländer, die wie China, Indien und Brasilien mittlerweile zu den Schwergewichten in der Weltwirtschaft zählen.

Bereits in Kürze können die Schwellen- und Entwicklungsländer ihren Kapitalanteil zum Beispiel an der Weltbank auf insgesamt 47 Prozent erhöhen. Für Weltbank-Präsident Zoellick ist absehbar, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer die Mehrheit an der Weltbank erhalten. Dies freilich nicht kostenlos, sondern verbunden mit einer erhöhten Kapitaleinlage. Das gibt der Weltbank die Möglichkeit, mehr zinsgünstige oder gar zinslose Kredite an Entwicklungsländer zu vergeben.

Schuh-Attacke? Pas de problème!

Dominique Strauss-Kahn spricht in der Bilgi-Universität Istanbul vor Studenten (Foto: dpa)

Bei diesem Vortrag vor Studenten der Bilgi-Universität Istanbul wurde ein Schuh auf den IWF-Direktor geworfen

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn reagierte vor der Presse mit Humor auf die Tumulte und Attacken, denen er sich am Donnerstag bei einer Diskussion mit Studenten einer Universität in Istanbul ausgesetzt sah. Den Wurf eines Studenten mit einem Schuh auf ihn kommentierte er lachend mit den Worten, als ehemaliger Universitätsprofessor in Frankreich sei er auch unkonventionelle Demonstrationen von jungen Leuten gewohnt.

Der türkische Student hatte "IWF, hau ab!" gerufen, während er Strauss-Kahn mit einem weißen Turnschuh attackierte. Der Wurf verfehlte sein Ziel. Sicherheitsbeamte überwältigten den Demonstranten und führten ihn ab. Mehrere Unterstützer hatten im Publikum ebenfalls gegen den IWF protestiert, dem Kritiker vorwerfen, mit knallharten Sanierungsprogrammen die Armut in vielen Ländern verschlimmert zu haben. Vor der Universität nahm die Polizei rund 20 Studenten fest. Der Schuhwerfer wurde wenig später nach Zahlung einer Geldbuße wieder freigelassen, wie türkische Fernsehsender berichteten.

Autor: Karl Zawadzky
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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