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Sport

Hoffen auf ein deutsches Wintermärchen

An diesem Freitag werden in Vancouver die Olympischen Winterspiele eröffnet. Bis zum 28. Februar gehen 2700 Sportler aus 82 Nationen auf Medaillenjagd. Ziel des deutschen Teams: Platz 1 in der Nationenwertung.

Zwei kanadische Flaggen im Wind von Vancouver. (Foto: dpa)

Flaggenparade für Olympia

Die Strecken für Biathlon und Skilanglauf in Whistler Mountain bei Vancouver

Die Strecken für Biathlon und Skilanglauf

Die deutsche Olympia-Mannschaft kann in Vancouver die Nummer eins der Winterspiel-Geschichte werden. Zwar liegt noch Russland (einschließlich UdSSR) mit 121:119 Goldmedaillen in Führung, doch dem deutschen Team werden bei den 21. Olympischen Winterspielen deutlich mehr Siegchancen eingeräumt. Trotzdem wird es für das rund 150 Athleten starke Team des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) schwer, zum vierten Mal nach Albertville 1992, Nagano 1998 und Turin 2006 die Nationenwertung zu gewinnen. DOSB-Präsident Thomas Bach erwartet ein engeres Rennen als je zuvor und sieht fünf Konkurrenten: "Kanada hat riesige Anstrengungen unternommen, um als Gastgeberland zu glänzen. Da will natürlich der große Nachbar USA nicht zurückstehen. Norwegen hat sein Tief von Turin erkennbar überwunden. Die Österreicher sind enorm stark. Und Russland ist in vielen Disziplinen zurück", so Bachs Einschätzung.

Insgesamt hatte das deutsche Team in Turin 11 Gold-, 12 Silber- und 6 Bronzemedaillen gewonnen und damit für Platz eins in der Nationenwertung gesorgt. Ski-Legende Christian Neureuther aus Garmisch-Partenkirchen fordert, nicht zu stark auf den Medaillenspiegel zu schauen: "Man sollte sehen, dass sich die Mannschaft insgesamt gut präsentiert und wir im gesamten Wintersportbereich vorne dabei sind."

Garanten für Medaillen

Magdalena Neuner mit Langlaufskieren vor Deutschlandfahne (Foto: AP)

Lächeln für Olympia: Magdalena Neuner

Eine Medaillenbank könnten einmal mehr die Biathleten werden. In Turin räumten sie elf Medaillen ab, darunter fünf Goldene. Erwartungsvoll geht die sechsfache Weltmeisterin Magdalena Neuner in Vancouver an den Start. "Ich will dahin fahren, und Olympiasiegerin werden", kündigt die 22-Jährige an. Medaillendruck sieht Neuner eher nicht: "Ich versuche, das für mich zu machen, die Wettkämpfe zu genießen und wirklich für mich erfolgreich zu sein. Und was andere dazu sagen, ist deren Sache."

Angeführt von Tatjana Hüfner wollen auch die deutschen Rodler jede Menge olympisches Edelmetall einfahren. Seit der Aufnahme des Rodel-Sports ins Olympia-Programm 1964 konnten die deutschen Kufen-Spezialisten 25 der 36 Goldmedaillen holen. Als aussichtsreiche Medaillenkandidaten gelten zudem die deutschen Bobpiloten. Andre Lange etwa kann als erster Pilot im Viererbob den olympischen Hattrick schaffen und zudem seinen Doppelsieg von Turin wiederholen, was vor ihm noch kein Bob-Athlet schaffte. "Olympia hat seine eigenen Gesetze, mit diesem Druck und dem ganzen Drumherum muss man erst einmal klarkommen", räumte der dreimalige Olympiasieger ein. Goldchancen haben zudem die Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy sowie Eissprinterin Jenny Wolf.

Ende der alpinen Durststrecke?

Slalom-Spezialist Felix Neureuther nach seinem Weltcupsieg in Kitzbühel (Foto: AP)

Felix Neureuther hofft auf eine Medaille

Nach acht Jahren wollen auch die deutschen Alpinen endlich wieder nach einer Medaille greifen. Christian Neureuther sieht vor allem für die Schwestern Maria und Susanne Riesch sowie Weltmeisterin Kathrin Hölzl beste Chancen: "Was unsere Mädels dieses Jahr geleistet haben, da ist ein enormes Medaillenpotential", sagt Neureuther. Überschaubar ist das alpine Skiteam der Herren. Abfahrer Stephan Keppler dürfte nur geringe Siegchancen haben, umso mehr aber Slalomspezialist Felix Neureuther, der jüngst erst in Kitzbühel seinen ersten Weltcupsieg einfuhr. Von dessen Fähigkeiten ist auch der frühere Ski-Nationaltrainer Heinz Mohr überzeugt. "Felix Neureuther ist mein Patenkind und deshalb kann ich ihn gut einschätzen: Wenn er seine volle Leistung bringt, ist er für mich ein absoluter Medaillenkandidat."

Nicht mehr dabei ist die mit fünfmal Gold erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin Claudia Pechstein. Die Eisschnellläuferin wurde wegen Blut-Dopings nicht zugelassen.

Winterspiele auf Meeresniveau

Das olympische Eisschnelllaufstadion von Vancouver bei Nacht

Das Eisschnelllaufstadion von Vancouver

Insgesamt werden an Kanadas Westküste 86 Goldmedaillen in 15 Sportarten vergeben. Zuwachs erhält das olympische Programm durch zwei Konkurrenzen im Ski-Cross und umfasst nun 86 Disziplinen. Vancouver ist dabei die erste auf Meereshöhe gelegene Stadt, die Winterspiele ausrichtet. "Die Besonderheit ist natürlich, dass Winterspiele am Wasser stattfinden", sagt die frühere Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katharina Witt. "Und es ist ja doch eher ungewöhnlich, dass man vom Hotel aus aufs Wasser schaut und im Hintergrund die Berge hat." In Vancouver selbst und dem Vorort Richmond werden die Hallenwettbewerbe ausgetragen. Im nahegelegenen und derzeit schneearmen Cypress Mountain fallen die Snowboard- und Freestyle-Entscheidungen. Im rund 125 Kilometer entfernten Wintersportort Whistler schließlich finden die alpinen und nordischen Ski-Wettbewerbe sowie die Wettkämpfe im Bob und Rodel statt.

Explodierende Kosten

Die Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Vancouver

Die Maskottchen der Olympischen Winterspiele

Das Budget der Spiele beträgt 1,09 Milliarden Euro. Allein für die Sicherheitsmaßnahmen wurden 665 Millionen Euro veranschlagt, fast sechsmal so hoch wie ursprünglich geplant. 15.000 Polizisten, Soldaten und Mitarbeiter privater Sicherheits-Dienste sind im Einsatz. Im Anti-Doping-Kampf hat das IOC seine Anstrengungen verstärkt. Insgesamt sind 1600 Urin- und über 400 Bluttests geplant. Alle Testergebnisse sollen acht Jahre lang eingefroren werden. Eine neue Rekordmarke an Dopingfällen befürchtet IOC-Chef Jacques Rogge nicht. "Wir hatten je sieben Fälle in Salt Lake City und Turin. In Vancouver erwarte ich vier bis fünf Dopingfälle", prognostizierte der Belgier.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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