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Fußball

Hoffen auf den großen Zuschauer-Schub

Die Stadien werden voll sein im Sommer bei der Frauenfußball-WM in Deutschland. Und danach? Warum kommen nur so wenig Zuschauer zu den Bundesligaspielen? Was fehlt dem deutschen Frauenfußball? Ein Erklärungsversuch.

Die deutsche Nationalmannschaft trainiert vor leeren Rängen (Foto: AP)

"Die Bundesliga ist die Henne, und die Nationalmannschaft ist das Ei. Wenn wir keine Henne haben, die Eier legt, gibt es auch keine gute Nationalmannschaft." Welch ein Plädoyer für die Frauenbundesliga! Gehalten hat es Bernd Schröder, der seit über 30 Jahren Trainer der Fußballerinnen vom aktuellen deutschen Meister Turbine Potsdam ist. Mittlerweile spielt ein Großteil der Nationalspielerinnen dort. Und das hält wiederum ein anderer Pionier des Frauenfußballs, der ehemalige Bundestrainer Gero Bisanz, für das größte Problem der Liga. "In welchem Verein, der an sechster, siebter oder achter Stelle steht, spielen Nationalspielerinnen?" Bei den Frauen konzentriere sich leider alles auf wenige Mannschaften, und das sei noch ein Manko.

Potsdam, Duisburg und Frankfurt dominieren

Drei Vereine führen regelmäßig die Liga an: Meister Turbine, der FCR Duisburg und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt. Danach kommt lange nichts. In dieser Saison lagen 13 Punkte zwischen dem Dritten Duisburg und dem Vierten Hamburger SV. Dennoch sieht die dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz vom FFC Frankfurt durchaus einen positiven Trend, denn sie hat noch vor 100 Zuschauern gespielt. "Jetzt sind es bei Spitzenspielen schon 3000 bis 5000 Zuschauer. Aber man kann nicht erwarten, dass sich von heute auf morgen die Welt ändert und alle Männerfußballfans auf einmal zum Frauenfußball kommen."

Potsdams Trainer Bernd Schröder freut sich mit einem DFB-Wimpel in den Händen über den Gewinn der Meisterschaft - Turbine gewinnt zum dritten Mal die Deutsche Meisterschaft in Folge (Foto: dpa)

Immer wieder dieselben Sieger: Turbine-Trainer Schröder feiert den Meistertitel

Deutsche Teams sind auch international Spitzenklasse: Simone Laudehr ist mit ihrem Verein FCR Duisburg erst im Halbfinale der Champions League am Ligarivalen Potsdam gescheitert. Auch sie will die Zuschauerzahlen in der Männer- und Frauenbundesliga erst gar nicht vergleichen, aber: "Die Förderung von Mädchen ist gestiegen und es gibt immer mehr Mädels, die auch Fußball spielen wollen."

Frauenvereine an Bundesligaklubs koppeln

Inka Grings feiert den EM-Gewinn auf dem Frankfurter Balkon mit Tausenden Fans. (Foto: AP)

Würde gern immer mit so vielen Fans feiern: Grings

Ihre Teamkollegin Inka Grings, Torgarantin sowohl bei Duisburg als auch im Nationalteam, ist auch schon eine halbe Ewigkeit dabei und hat einen konkreten Lösungsansatz: Frauenmannschaften sollen sich an Herrenmannschaften binden. "In der Frauenbundesliga hast Du immer noch extreme Vereinsunterschiede, auch finanziell. Es wird darauf hinauslaufen."

Der FCR Duisburg hat sich nicht an eine Männermannschaft gebunden, das Vereinsheim wirkt unscheinbar - wie bei einem unterklassigen Dorfverein. Herren-Bundesligaclubs verfügen dagegen über professionelle Strukturen, allein das Angebot an Trainingsplätzen und Hallen sowie medizinischer Versorgungsmöglichkeiten ist nicht vergleichbar mit dem Standard vieler Frauen-Bundesligaclubs.

FC Bayern hinkt hinterher

Doch obwohl mittlerweile fast jeder Bundesligaverein eine Frauenabteilung hat, kommen weder der Hamburger SV noch Bayer Leverkusen und nur manchmal der FC Bayern München mit ihren Frauenbundesligateams an das Spitzentrio der Liga heran. Und so bleibt für Duisburgs Nesthäkchen Alexandra Popp, die mit der U20 im letzten Jahr den WM-Titel holte, nur eine Lösung: Den Titel holen! "Ich hoffe natürlich, dass nach der WM etwas geschieht, wenn wir hoffentlich den WM-Titel holen, um einen Schub in den Frauenfußball zu bringen."

Die deutschen Nationalspielerinnen Silvia Neid, Anouschka Bernhard und Bundestrainer Gero Bisanz (von links) führen auf dem Balkon des Frankfurter Römers eine 'La ola'-Welle auf; die Vizeweltmeisterinnen im Frauenfußball wurden nach ihrer Rückkehr aus Stockholm empfangen, wo sie im WM-Finale der Mannschaft von Norwegen unterlagen (Foto: COLORplus)

Bisanz trainierte einst Bundestrainerin Neid (l.)

Gero Bisanz stimmt Alexandra Popp zu. Was immer noch fehle, seien Sponsoren. Sponsoren wollten Medienaufmerksamkeit, und die gebe es vor allem beim Titelgewinn. Und auch der Nachwuchs werde zusätzlich motiviert. "Wenn die Frauen wieder Weltmeister werden, wird es sicherlich wieder einen großen Schub geben für viele junge Spielerinnen. Und je mehr junge Spielerinnen sich anbieten, desto breiter wird das höhere Niveau." Und genau das sei eine Voraussetzung für einen guten Vereinsfußball.

Doch bei aller Euphorie bleibt Bisanz Realist. Zu lang verfolgt er schon den Frauenfußball. Und auch wenn er sich über die positive Entwicklung freut, schätzt er, dass die Frauen niemals 60.000 Zuschauer bei einem Bundesligaspiel erleben werden. Dafür muss schon eine WM her.

Autorin: Olivia Fritz

Redaktion: Arnulf Boettcher

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