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Sport

Hockeyprofi Keller trägt deutsche Fahne

Große Ehre für Hockey-Rekordnationalspielerin Natascha Keller: Bei ihrer fünften und letzten Olympia-Teilnahme darf sie bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen und somit die deutsche Mannschaft anführen.

Natascha Keller wird diese Olympischen Spiele wohl nie vergessen. Es ist das I-Tüpfelchen auf ihrer Karriere: Sie darf die Nachfolge von Basketball-Superstar Dirk Nowitzki antreten und am Freitag (27. August) die deutsche Fahne in das Olympiastadion in London tragen. Somit wird nach zwölf Jahren wieder eine Sportlerin die deutsche Mannschaft anführen. Zuletzt war die Kanutin Birgit Fischer 2000 in Sydney Fahnenträgerin. "Ich habe schon Bedenken, ob ich es so hinkriege wie Dirk Nowitzki, der größer und stärker als ich ist", scherzte "Taschi", wie sie mit Spitznamen heißt. Sie wurde aber sogleich ernst: "Es ist eine große Ehre für mich persönlich, für die Sportart und die ganze Hockey-Familie."

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Olympia 2012: Hockeyspielerin trägt Fahne

Michael Vesper, Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams, begründete die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes so: "Sie hat eine enorme Ausstrahlung. Mit ihrer Art ist sie ein Vorbild für alle. Natascha ist nicht überheblich, leistungsorientiert, bodenständig und erfolgreich." Keller ist die erste Hockeyspielerin, die Deutschland repräsentiert. Und so freuten sich mit ihr auch die deutschen Hockeykollegen. "Oleee – Taschi trägt die deutsche Fahne! Glückwunsch!", twitterte Teamkollegin Nina Hasselmann. Nationalspieler Moritz Fürste schrieb: "Was für eine Ehre. Sehr verdient und eine fantastische Botschafterin für unseren Sport." Auch Bundestrainer Michael Behrmann war begeistert: "Das ist vor allem toll für unsere Sportart und natürlich für Natascha selbst. Hockey steht ja in Deutschland nicht so sehr im Fokus wie beispielsweise in Argentinien, deshalb verschafft uns das einige Aufmerksamkeit."

Berühmte Hockeyfamilie

Zum Hockey kam die Berlinerin quasi durch ihre Geburt: Insgesamt vier Goldmedaillen sammelte sie mit ihrer Familie bei olympischen Hockeyturnieren – allerdings ist sie die einzige Frau, die so erfolgreich war: Opa Erwin Keller gewann bereits 1936 Olympisches Silber, Vater Carsten 1972 Gold. Auch ihre Brüder Andreas (1992) und Florian (2008) holten Olympisches Gold und sorgten mit ihrer Schwester Natascha für das Fortbestehen der Keller-Dynastie in dritter Generation. Natascha Keller selbst ist selbstverständlich auch Olympiasiegerin: 2004 holte sie mit ihrer Mannschaft in Athen Gold. Für Deutschland hat sie einiges erreicht. Keine andere deutsche Spielerin hat so viele Länderspiele wie sie (419) auf dem Buckel und so ist Natascha Keller mit 35 Jahren zum fünften Mal bei den Olympischen Spielen dabei – Hockey-Weltrekord.

Basketballstar Dirk Nowitzki (r) trägt die Fahne beim Einmarsch der deutschen Mannschaft bei der feierlichen Eröffnung der XXIX. Olympischen Spiele in Peking. (Foto: Pat Benic, dpa)

Vor vier Jahren führte Dirk Nowitzki das deutsche Team in Peking an

Keller ebnete den Weg nach London

Noch heute zählt Natascha Keller für ihren Trainer Behrmann zu den besten drei Stürmerinnen auf der Welt. "Sie ist eine Persönlichkeit, die mit ihrer Klasse eine Partie jederzeit entscheiden kann." Aus seiner Nationalmannschaft ist die "Nummer 7" nicht wegzudenken. 1994 debütierte sie mit 17 Jahren in der deutschen Auswahl und erzielte bis heute 209 Tore. Eines der wichtigsten markierte sie bei der EM 2011: Durch ihren Treffer zum 2:1-Halbfinalsieg gegen Spanien sicherte sich die DHB-Auswahl das Ticket für die Olympischen Spiele.

Es werden ihre letzten sein, das hat sie bereits angekündigt. Ob die Betriebswirtin für ihren Verein, den Berliner HC, weiterspielt, ließ sie bislang offen. Keller schaut auf eine beeindruckende Karriere zurück: Weltmeisterin in der Halle 2003 und 2011, Europameisterin in der Halle (2002, 2006, 2008) und auf dem Feld (2007), dazu Siegerin der Champions Trophy (2006) und ein Dutzend deutsche Meistertitel stehen für die Welthockeyspielerin des Jahres 1999 zu Buche. Der 27. August, wenn in London die Olympischen Spiele eröffnet werden, wird für Natascha Keller ein weiterer Karriere-Höhepunkt sein. Und falls es dann auch noch mit der zweiten Gold-Medaille klappen sollte, könnte sie sich zum Karriere-Ende auch noch zum Hockey-Familienoberhaupt krönen. So oder so - eines steht für "Taschi" fest: "Es ist genau der richtige Moment für mich, mit diesem Turnier und den Olympischen Spielen aufzuhören. Ich freue mich auch auf eine Zeit ohne Hockey."

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