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Nahost

Hochzeitsfotos zwischen Trümmern - Propaganda für Assad?

Ein festlich gekleidetes Brautpaar in den Trümmern der Stadt Homs - die Bilder des Syrers Jafar Meray sind beeindruckend. Aber: Der Bräutigam ist Mitglied der Regierungstruppen, die Homs in Schutt und Asche gelegt haben.

Die Fotos von Jafar Meray sind ein Hingucker: Ein frisch vermähltes, innig umschlungenes Hochzeitspaar inmitten der zerstörten Innenstadt von Homs. Es ist ein starkes Zeichen, das von diesem Bildern ausgeht. Ein pazifistischer Appell gegen den Krieg sind die Fotos nicht.

Denn der Bräutigam in Uniform ist Mitglied der Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad. Die gelten als hauptverantwortlich für die Zerstörung von Homs im fast sechs Jahre andauernden Krieg zwischen Aufständischen und Armee. Die Stadt galt lange als "Hauptstadt der syrischen Revolution". Aus friedlichen Demonstranten dort wurden Kämpfer der Rebellen und damit militärische Gegner von Assad.

Jahrelang belagerten Regierungstruppen deshalb die Stadt und attackierten sie aus der Luft, mit Artilleriefeuer, mit Mörsergranaten und Raketen. Seit Ende Januar steht die zerstörte Stadt wieder vollständig unter Kontrolle der Regierung. Wie viele Menschen dort noch leben, ist unklar.

Ein leidenschaftlicher Anhänger von Assad

Wollte der Fotograf die Rückeroberung von Homs mit den Fotos feiern? Jafar Meray sagte der DW, dass er ein leidenschaftlicher Anhänger von Assad ist. Mit den Bildern wolle er zeigen, "dass wir immer noch in der Lage sind, zu lieben und Liebe zu zeigen." Er habe das Paar vor den zerstörten Gebäuden fotografiert, um Hoffnung zu machen. "Liebe ist entscheidend, um das Land wieder aufzubauen", betonte er. Die Bilder sollten auch zeigen, dass das Leben weitergehe.

Die 18-jährige Studentin Nada Merhi und ihr Bräutigam, der 27 Jahre alte Soldat Hassan Youssef., lassen sich in ihrer Hochzeitskleidung in den Trümmern von Homs fotografieren (Foto: JOSEPH EID/AFP/Getty Images)

Das Brautpaar mit dem Fotografen Jafar Meray

Propaganda für die Regierung?

In den sozialen Netzwerken kam schnell die Frage auf, ob die Bilder als Propagandafotos für die Regierung dienen sollen. Selbst wenn es keine Werbung für Assad sein sollte - auch die Aufmachung der Fotos löste viel Kritik aus. Einige Nutzer beklagen, die Bilder seien geschmacklos und respektlos gegenüber denjenigen, die ihr Leben im Krieg verloren haben.

Auf der englischen Facebook-Seite der Deutschen Welle ist in einem Kommentar zu lesen: "Dieser Soldat dient einer Armee, die für die Ermordung von Zehntausenden unschuldigen Zivilisten verantwortlich ist… Es hat nichts Romantisches oder Schönes, wenn eine 18-Jährige einen möglichen Kriegsverbrecher heiratet."

Die 18-jährige Studentin Nada Merhi und ihr Bräutigam, der 27 Jahre alte Soldat Hassan Youssef., lassen sich in ihrer Hochzeitskleidung in den Trümmern von Homs fotografieren (Foto: JOSEPH EID/AFP/Getty Images)

Militärischer Gruß vor der Braut

Assad-Regierung unterstützt Fotografen

Auf die Frage, ob das Assad-Regime sein Fotoprojekt befürwortet, sagte Fotograf Meray der DW, er habe "viel Unterstützung des syrischen Staats bekommen und sie schätzten meine Idee." Details wollte er auf Nachfrage nicht nennen, außer dass er auch in der Öffentlichkeit breite Zustimmung erhalten habe. "Fünf Prozent der Syrer sind gegen das, was ich tue", sagte der Fotograf. Das sei ihm aber egal. "Am Ende des Tages sind Soldaten ein Teil des syrischen Volkes und ich fotografiere das syrische Volk."

Meray ist nicht der Einzige, der in dem Bürgerkriegsland Aufsehen erregende Hochzeitsfotos macht. Im vergangenen Jahr tauchten Bilder einer Trauung im teilweise zerstörten Sankt-Georgs-Kloster im Gouvernement Homs auf. Das Kloster gehört zur antiochenisch-orthodoxen Kirche. 2013 wurde das Dach bei einem Angriff schwer beschädigt.

Seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien 2011 sind mehr als 260.000 Menschen getötet worden. Millionen Menschen haben ihr Land verlassen. Allein in der Türkei suchen 2,7 Millionen Syrer Zuflucht, Hunderttausende hoffen in Europa auf Schutz.

*Redaktionelle Mitarbeit: Ibitsam Fawsy.

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