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Alltagsdeutsch – Podcast

Hochzeit

Wenn man unter die Haube kommt, dann heiratet man in der Regel. Doch haben sich schon einige beim Versuch, in den Hafen der Ehe einzulaufen, ordentlich versteuert. Manch einer bleibt da lieber gleich Junggeselle ...

Angelika Krüger:

Als Standesbeamtin des Amtes Mönchgut Granitz möchte ich Sie und Ihre Gäste recht herzlich auf unserer Selliner Seebrücke begrüßen. Ich freue mich natürlich ganz besonders, dass Ihre Hochzeit heute hier auf der Insel Rügen stattfindet. Herr Sven Scholz, ich frage Sie: Ist es Ihr Wille, die Ehe mit Frau Sabine Studnicka einzugehen?" / "Ja." / "Danke. Frau Sabine Studnicka, ich frage Sie: Ist es Ihr Wille, die Ehe mit Herrn Sven Scholz einzugehen?" / "Ja." / "Dankeschön. Sie dürfen die Braut jetzt küssen."

Sprecher:

Wieder zwei unter der Haube.

Sprecherin:

Still, die Standesbeamtin will noch etwas sagen:

Angelika Krüger:

"Hat der Standesbeamte heute für Sie eine Garantieurkunde vorbereitet oder empfiehlt er Ihnen die Anwendung einer Zauberformel? Nein, Patentrezepte für eine Ehe, die gibt es nicht. Ein altes Sprichwort sagt: Wenn zwei Herzen sich in Liebe finden, wird am Firmament ein Stern geboren. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Stern nie erlischt. Trotzen Sie gemeinsam jedem Sturm, halten Sie das Ruder beide fest in der Hand, hören Sie nicht auf das Geschrei zänkischer und neidischer Möwen, halten Sie den Kurs Ihrer Wahl, und der Hafen der Ehe wird Ihnen das erhoffte Glück bringen."

O-Töne:

"Das war so eine schöne Hochzeit auf der Seebrücke. Also, es war richtig, ja, sehr bewegend. Ich wünsche denen sehr, sehr schöne Flitterwochen." / "Ich war tatsächlich am selben Tag auf zwei Festen eingeladen, aber ich erinnerte mich gleich an meine Mutter, die immer sagte: 'Kind, du kannst nicht immer auf zwei Hochzeiten tanzen', und dann hab' ich mich natürlich für meine alte Freundin entschieden." / "Ich bin die Mutter von der Braut, ja. Und jetzt geht sie aus dem Haus sozusagen, und jetzt beginnt ein neuer Lebensweg, und man muss sich doch erst mal damit ’nen bisschen damit abfinden." / "Ich bin die Mutter des Bräutigams, und die kleine Schwiegertochter, die hab’ ich schon vom ersten Tag an ganz, ganz, ganz lieb gehabt." / "Die Braut war wunderschön, ich kam mir dagegen vor wie so ein kleines Mauerblümchen." / "Und ich wünsche den Brautleuten natürlich Glück und Segen auf all ihren Wegen, Gesundheit und Frohsinn seien auch mit dabei."

Sprecherin:

Diesem Wunsch schließen wir uns natürlich an und nutzen die Gelegenheit, ein paar Formulierungen unter die Lupe zu nehmen, sie ganz genau zu betrachten. Eltern wollen ihre Töchter unter die Haube bringen, also verheiraten. Nach germanischem Brauch durften verheiratete Frauen früher ihr Haar nicht mehr offen tragen, sondern mussten es unter einer Haube verbergen. Am Hochzeitstag setzte die Frau die neue Kopfbedeckung zum ersten Mal auf und ging dann ihrer täglichen Arbeit nach. Damals hatten nur reiche Leute Geld für Flitterwochen. Wer in die Flitterwochen fährt, geht auf Hochzeitsreise. Die Bezeichnung hat nichts mit "Flitter", also "Glanz" zu tun, sondern leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort "vlittern" ab: "kichern", "flüstern", "liebkosen". Wenig Gelegenheit zum Flirten hat ein Mauerblümchen. So bezeichnet man ein Mädchen, das recht unscheinbar aussieht und zurückgezogen lebt, weshalb es keinen Verehrer findet – ähnlich wie das Blümchen, das in den Ritzen einer Steinmauer blüht, wo es leicht übersehen werden kann. Aber man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

Musik:

"Jedes Töpfchen find' sein Deckelchen, jeder Kater find’ die Katz, jedes Knöpfchen find’ sein Fleckelchen, jedes Mädel seinen Schatz."

Sprecher:

Jedes Töpfchen hat ein Deckelchen, für jeden gibt es also den passenden Partner. Auch unsere Braut ist glücklich unter die Haube gekommen. Der Ausdruck auf zwei Hochzeiten tanzen hat übrigens nichts mit der eigentlichen Heirat zu tun, sondern bedeutet, dass man zwei Dinge gleichzeitig tun will, die sich aber gegenseitig ausschließen. So kann man nicht gleichzeitig an zwei Orten sein. Die Standesbeamtin vergleicht Hochzeit und Ehe mit einem Schiff auf hoher See. Man läuft zum Beispiel in den Hafen der Ehe ein, man heiratet. Dann muss man das Ruder fest in der Hand halten, wie ein Seemann darf man sich nicht vom richtigen Kurs abbringen lassen, man muss den Kurs halten. Wenn man diese Ratschläge beherzigt, müsste eigentlich alles gut laufen, doch ein Patentrezept für eine gute Ehe gibt es nicht – es gibt keine allgemeingültige Regel, die sich auf jede Lebenslage anwenden lässt.

Gabriele Schosst:

"Ich habe ein wunderschönes Gedicht, und das ist so ziemlich mein Patentrezept für alle Eheleute."

Zitat: Das Eherezept

"Der Herr im Haus, wie man's versteht,

ist der wohl, der die Hosen trägt.

Doch ist es heute schwer zu sagen,

da beide ja jetzt Hosen tragen.

Um eine Ehe zu erhalten,

um sie harmonisch zu gestalten,

geb' ich der Frau den guten Rat,

mit Vorsicht: Sei ein Diplomat ..

Und bist du klug, verstehst du's dann,

durch List zu fesseln deinen Mann.

Nimm Anteil dann an seiner Klage

und unterlasse nie die Frage,

wie er den Arbeitstag verbracht

und dass du oft an ihn gedacht.

Lass ihn erkennen durch 'ne List,

dass er der Herr im Hause ist.

Sei nie bestrebt in dem Gelingen,

den Mann stets in die Knie zu zwingen.

Eins willst du nicht um alle Welt,

'n Mann dann als Pantoffelheld.

Nun Mann, lass auch der Frau ihr Recht,

da sie gehört zum schwachen G'schlecht.

Vermeide jeglichen Verdruss,

leb' mit der Frau auf gutem Fuß.

Und dass es auf die Dauer hält,

erhöhe ihr das Haushaltsgeld.

Sag nie, dass faltig ihr Gesicht,

ja, so etwas verzeiht sie nicht.

Wird deine Frau auch älter dann,

treu bleib ihr stets als Ehemann.

Nun, das Rezept wird sich bewähren,

bei dem, der es gebraucht in Ehren,

da Eheglück und Einigkeit

stets beruht auf Gegenseitigkeit!"

O-Töne:

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich’s Herz zum Herzen findet." / "Als ich um die Hand meiner Freundin angehalten habe, hatte ich total Angst, dass ich einen Korb bekomme." / "Wie sagt der Volksmund: verliebt, verlobt, verheiratet. Ich bin jetzt allerdings schon drei Jahre verlobt und warte immer noch auf ’nen Antrag." / "'Ne Freundin von mir war lange Single, aber jetzt kriegt sie langsam Torschlusspanik." / "Da gibt's doch noch diesen Kinofilm, wo die Braut vor dem Altar immer so kalte Füße bekommt und abhaut und wegläuft. Der heißt: 'Die Braut, die sich nicht traut' – genau."

Sprecher:

Tja, nicht umsonst hat der Begriff sich trauen eine doppelte Bedeutung. Zum einen heißt es "heiraten", zum anderen aber auch "ein Wagnis eingehen". Und eine Ehe ist immer ein Risiko, Scheidungen sind heute sehr teuer. Da bin ich eher ein Verfechter der wilden Ehe, also des Zusammenlebens ohne Trauschein.

Sprecherin:

Sei doch nicht so negativ! Die wilde Ehe setzte sich im Zuge der Emanzipation der Frau durch, als die Jugend gegen die Werte der Eltern rebellierte. Doch mittlerweile ist heiraten wieder in. Und der Trend geht dahin, sich an ungewöhnlichen Orten trauen zu lassen – auf einer Südseeinsel, auf dem Fußballplatz, in der Stammkneipe oder sogar beim Fallschirmspringen. Früher wäre so etwas undenkbar gewesen. Die Heirat war eine Vereinbarung zwischen den Brauteltern, wobei auch finanzielle Interessen und die Höhe der Mitgift im Vordergrund standen. Das Wort Mitgift bezeichnet das Heiratsgut, das die Braut mit in die Ehe bringt. "Gift" bedeutete früher "Gabe". Die Mitgift der Braut ist also eine Mitgabe. Aber auch das Gift, mit dem man jemanden vergiftet, geht auf diesen Wortstamm zurück. Die Redewendung um die Hand anhalten geht auf den alten Brauch zurück, die Tochter ihrem künftigen Mann an der Hand vorzuführen. Man kann auch um die Hand der Tochter bitten. Kalte Füße bekommen, nämlich Bedenken bekommen, einen Rückzieher machen und weglaufen war unter den strengen Augen der Eltern nahezu unmöglich. Diese Redensart entstand am Spieltisch. Es war eine beliebte Ausrede, wenn man das Spiel abbrechen wollte, um seinen Gewinn zu sichern. Wer hingegen mit jemandem auf gutem Fuß steht, der versteht sich bestens mit ihm.

Sprecher:

Wer mit der Angebeteten auf gutem Fuß steht, muss bestimmt nicht befürchten, einen Korb zu bekommen, abgewiesen zu werden. Bei unseren holländischen Nachbarn war es Brauch, dass ein Verehrer seine begehrte Braut umwarb, indem er ihr ein Geschenk in einem geflochtenen Korb mitbrachte. Kam der Verehrer mit dem Korb wieder heim, hatte die Schöne ihn verschmäht. Er hatte einen Korb bekommen. Hatte sie ihm allerdings ihr Ja-Wort gegeben, dann waren die beiden verlobt. Der Ursprung dieses Wortes geht auf eine Zeit zurück, als die Vorzüge und die Mitgift heranwachsender Töchter bei jeder sich bietenden Gelegenheit angepriesen wurden. Da Frauen früher kein Einkommen hatten, wollte man sie rechtzeitig verheiratet wissen. Das Kind wurde also gelobt, weggelobt, verlobt!

Sprecherin:

Wenn er oder sie trotz aller Annäherungsversuche alleine oder auf neudeutsch ein Single bleibt, dann bekommt so mancher Torschlusspanik. Dieser Ausdruck leitet sich aus dem mittelalterlichen Brauch ab, abends die Tore zu schließen. Wer zu spät kam, musste entweder einen "Torgroschen" entrichten oder draußen bleiben.

Sprecher:

Ich bleibe jedenfalls lieber allein, als dass ich mich von einer Frau in die Knie zwingen, also unterjochen lasse. Wäre ja noch schöner, wenn sie die Hosen an hat – wenn sie also in der Partnerschaft das Sagen hat. Früher hatten nur Männer Hosen an, und sie waren auch die Herren im Haus. Das so genannte Weibervolk galt als schwaches Geschlecht. Mit der Emanzipation hat sich das geändert, und so mancher meiner Geschlechtsgenossen ist zum Pantoffelhelden degradiert worden.

Sprecherin:

Beachten Sie die Macho-Sprüche meines Kollegen nicht. Er ist eben ein eingefleischter Junggeselle, ein unverbesserlicher Junggeselle, der partout nichts vom Heiraten hält. Lassen Sie sich lieber von Brauchtumspflegerin Margot Mandelkow erklären, was es mit dem Pantoffelhelden auf sich hat:

Margot Mandelkow:

"Erst nach dem Wechseln der Ringe durfte die Braut auf die rechte Seite wechseln, denn jetzt war sie die rechte Hand des Mannes geworden. Man reichte sich die Hände, wobei jeder versuchte, den Daumen nach oben zu haben, was bedeutete, dass man die Herrschaft im Hause haben möge. Und um sich wirklich zu vergewissern, dass das auch klappt versuchte die Braut, ihren Schuh auf den des Bräutigams zu stellen. Wir brauchen uns nicht zu fragen, woher die Redewendung kommt: Er steht ganz schön unter dem Pantoffel."

Sprecherin:

Früher wurde das Brautpaar der Kirchengemeinde vom Pfarrer vorgestellt. Wenn die jungen Leute dann mit ihren derben Schuhen von der Holzkanzel stiegen, polterte es laut – daher könnte der Ausdruck Polterabend stammen. Eine andere Deutung bezieht sich auf den Vorabend der Hochzeit, wenn Freunde des Paares Geschirr zerschlugen, um angebliche Poltergeister zu vertreiben.

Sprecherin:

Damit die Ehe glücklich wird, muss die Braut dem Brauch nach am Hochzeitstag etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen: etwas Altes, zum Beispiel alter Familienschmuck, symbolisiert das hinter ihr liegende, das ledige Leben. Etwas Neues, wie der Ehering, weist auf das vor ihr liegende, verheiratete Leben hin. Etwas Geliehenes, wie das Haarband einer Cousine, symbolisiert die Freundschaft. Etwas Blaues steht für die ewige Treue, wie zum Beispiel ein Strumpfband.

Sprecher:

Das hier offensichtlich gerade unter den männlichen Hochzeitsgästen versteigert wird:

O-Ton:

" … hier sehe ich noch Geld, zum Zweiten und zum Dritten: Junger Mann, kommen Sie mal mit. Liebe Gäste: Und dem Brauch nach ist das natürlich jetzt so, dass diese Tat des Abstreifen des Strumpfbandes offiziell das letzte Mal ist, dass ein fremder Mann ihre Frau unterm Rock berühren darf."

Sprecher:

Wie haben die beiden sich eigentlich kennengelernt?

Sven Scholz:

"Wir haben uns also auf der Arbeit kennengelernt in der Stadt Leipzig, Stadtverwaltung Leipzig, ja, und da hat’s ganz schön geblitzt."

Sabine Studnicka:

"Bei mir kam das erst später eigentlich, das hat ’ne Weile gedauert, bis der Blitz eingeschlagen hat. Na, schon ein bisschen werben musste er schon."

Sprecherin:

Und wenn zwei Herzen zueinander gefunden haben, dann gibt es wahrscheinlich nichts Schöneres, als immer zusammen zu bleiben. So wie dieses Paar, dass nach 50 Jahren goldene Hochzeit feiert:

O-Töne:

"Also, es gab Höhen und Tiefen, also, nicht irgendwie hier, würde ich sagen, dass nu' alles immer Sonnenschein war, das wäre gelogen." / "Ich habe schon so oft gesagt, zwei Menschen, also Mann und Frau, sind wie zwei Mühlsteine, und wenn die sich abgerieben haben, dann sind 50 Jahre rum." / "Und ich denke, wir trinken erst mal auf unsere besonderen Gäste hier. Zum Wohl." / "Auf die nächsten 50!"


Fragen zum Text:

Der Ausdruck unter die Haube bringen bezog sich ursprünglich darauf, dass …

1. das Brautpaar im gemeinsamen Haus gut behütet sein

sollte.

2. verheiratete Frauen ihr Haar früher nicht offen tragen

durften.

3. jedes Töpfchen sein Deckelchen findet.

Was macht – einer alten Redewendung nach – ein Mann, der eine Frau heiraten will?

1. Er hält um ihre Hand an

2. Er gibt ihr die Hand

3. Er nimmt sie in den Arm

Ein Paar, das 50 Jahre verheiratet ist, feiert …

1. silberne Hochzeit.

2. eiserne Hochzeit.

3. goldene Hochzeit.

Arbeitsauftrag:

Andere Länder, andere Sitten: Beschreiben Sie, wie eine Hochzeit in Ihrem Land gefeiert wird!

Autorin: Suzanne Cords

Redaktion: Ingo Pickel

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