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Aktuell Deutschland

Hochwasser-Lage in Deutschland spitzt sich zu

Dramatische Bilder in Deutschland: Wassermassen fluten Städte und Straßen, Teile des Landes versinken im Wasser. Bange Erinnerungen an die "Jahrhundertflut" 2002 werden wach.

Nach tagelangem Dauerregen hat sich die Hochwasserlage im Süden und Osten Deutschlands in der Nacht zum Montag dramatisch zugespitzt. Etliche Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Tausende Menschen sind betroffen. Die Bundeswehr bereitet sich auf Hilfseinsätze vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern "volle Unterstützung" zu.

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Hochwasser-Regionen in Katastrophenstimmung

In Bayern droht nach dem Starkregen der vergangenen Tage ein Hochwasser bisher ungekannten Ausmaßes. Anschwellende Flüsse und Bäche, Evakuierungen und Straßensperrungen stellten bereits im Laufe des Sonntags vielerorts die Einsatzkräfte auf eine schwere Probe. "Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", warnte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

Höchster Pegelstand in Passau seit 1501

Angesichts der dramatischen Hochwasserlage hat die bayerische Regierung einen Krisenstab eingerichtet. Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. An vielen Schulen fällt der Unterricht aus. In der "Drei-Flüsse-Stadt" Passau betrug der Pegelstand des Inn an diesem Montag 9,60 Meter, an der Donau wurde der Wasserstand von 12,20 Meter überschritten. Die Altstadt und andere Stadtteile des Zentrums von Passau (Artikelbild) sind großflächig überspült. Ein Hochwasser dieser Größenordnung wurde dort zuletzt im späten Mittelalter im Jahr 1501 registriert. Beim "Jahrhunderthochwasser" 2002 lag der Wasserstand der Donau bei 10,81 Meter.

Dramatisch ist die Situation auch in Sachsen. Im westlichen Teil des Freistaates riefen die Landkreise Katastrophenalarm aus. Besonders kritisch ist die Lage an der Weißen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. "Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten", teilte der Landkreis Nordsachsen mit. Der Deutsche Wetterdienst kündigte weiteren Regen an.

Die geflutete B95 im Zentrum von Chemnitz (Sachsen), (Foto: dpa)

Die geflutete B95 im Zentrum von Chemnitz (Sachsen)

In Thüringen mussten bereits tausende Menschen in Sicherheit gebracht werden. Bundeswehrsoldaten trafen zur Unterstützung in den überschwemmten Gebieten ein. Die Kleinstadt Gößnitz wurde komplett evakuiert, Teile von Greiz an der Weißen Elster stehen unter Wasser. Die Greizer Neustadt wurde in der Nacht evakuiert und vorsorglich vom Stromnetz getrennt.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt inzwischen wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden Überschwemmungen erwartet, auch wenn die Situation dort nicht so brisant ist wie im Süden und Osten Deutschlands.

Auch die Nachbarn sind betroffen

Betroffen von gefährlichen Wassermassen sind auch Nachbarländer. In Tschechien kamen seit Sonntag fünf Menschen ums Leben. Aus Österreich werden ein Todesopfer und drei Vermisste gemeldet. Im Schweizer Kanton St. Gallen wird ein 72-Jähriger vermisst, den ein Bach mitgerissen hat.

In Prag rief die Regierung den Notstand aus. Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas. In Polen kam es vor allem im Südwesten des Landes zu Überschwemmungen. Auch in weiten Teilen Österreichs spitzte sich die Hochwassersituation weiter zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. Während sich in den westlichen Bundesländern die Lage leicht entspannte, werden für Niederösterreich Pegelstände der Donau vorhergesagt, die über dem "Jahrhunderthochwasser" von 2002 liegen.

Die Europäische Kommission will den Opfern der Überschwemmungen in Österreich, der Tschechischen Republik und Deutschland mit Geldern aus dem europäischen Solidaritätsfonds helfen. Voraussetzung sei eine Antragstellung innerhalb der nächsten zehn Wochen, teilte die Kommission in Brüssel mit. Vorgesehen sind rund 1,8 Milliarden Euro für Österreich, 872 Millionen Euro für die Tschechische Republik und 3,7 Millionen Euro für Deutschland. Der Solidaritätsfonds wurde nach der Flutkatastrophe 2002 gegründet. Er soll beim Wiederaufbau in den geschädigten Regionen helfen.

se/haz/sti/kle (dpa, rtr, kna, afp)

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