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Deutschland

Hochsaison für Wichtel

46.000 Tonnen Süßigkeiten, 28 Millionen Weihnachtsbäume, 100 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner, 70 Milliarden Umsatz und wie sich der Weihnachtsmann 100 Tage vor Weihnachten fit macht fürs Fest.

Weihnachtsmann, im Hintergrund Sammlungen von Pralinen und Schokolade festmäßig eingepackt (Foto: DW/ Paulyuk Bykowski)

Die Weihnachtszeit beginnt immer früher - zumindest in den Geschäften

Alle Jahre wieder kommen Osterhase, Steuererklärung und der dicke Mann mit dem weißen Bart - der Weihnachtsmann. Während sich der Durchschnittsdeutsche gerade wundert, warum jetzt schon 100 Tage vor Weihnachten im Supermarkt um die Ecke Lebkuchen, Stollen und Spekulatius im Regal liegen, stecken andere schon mitten in der Weihnachtsproduktion und Vorbereitung auf das Fest der Liebe und des Konsums.

Weihnachten, das Fest der himmlischen Zahlen

Bleche mit Weihnachtsstollen (Foto: Karin Jäger)

Verkaufsschlager Stollen - jedes Jahr wieder

Dass Weihnachten nicht mehr nur das Fest der Liebe und Familie ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. In den Tagen von November bis Dezember macht der deutsche Einzelhandel mit dem Verkauf von Süßwaren, Schmuck, Elektroartikeln, Tannenbäumen und zahlreichen anderen Weihnachtsutensilien rund 70 Milliarden Euro Umsatz. Allein Hersteller und Händler von Spielzeug, Uhren und Schmuck machen im Weihnachtsgeschäft 25 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Aber auch der Süßwarenhandel profitiert vom Weihnachtsfest. Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie werden zur Weihnachtszeit 46.000 Tonnen Süßwaren verkauft. Das macht über eine halbe Milliarde Euro Umsatz durch den Verkauf von Weihnachtskalendern, Marzipanbroten und Schoko-Weihnachtsmännern. Und die süßen Herren und teilweise auch Damen gehören zu den Festtagen wie die Kerzen auf die Geburtstagstorte. In Deutschland werden über 100 Millionen Schokomänner verkauft und vernascht, 20 Millionen mehr, als es Bundesbürger gibt.

Aber auch andere Branchen profitieren von Weihnachten: So werden 50 Prozent aller Karpfen im Dezember verkauft, 76 Prozent aller Gänse werden in den letzten drei Monaten des Jahres geschlachtet, und Stromkonzerte freuen sich über einen Verbrauchszuwachs von 120 Millionen Kilowatt Strom - und zwar nur am 25. Dezember, wenn die ganze Familie unter dem beleuchteten Christbaum sitzt.

Die Wichtel des Weihnachtsmannes

Ein Mann wirft einen Weihnachtsbaum in die Luft (Foto: AP)

Schön geschmückt, erhellt er jede Stube: der Weihnachtsbaum

Auch ein großer, frisch geschlagener Weihnachtsbaum darf nicht fehlen. Das denken sich zumindest 28 Millionen Bundesbürger, die alle Jahre wieder zu Nordmanntanne, Blau- oder Rotfichte oder Kiefer greifen. So hat zum Beispiel Hauke Kempe aus Westensee bei Kiel in diesen Tagen von früh bis spät zu arbeiten. Der studierte Förster vermarktet Weihnachtbäume - für acht Weihnachtsbaumbetriebe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, auf deren 120 Hektar Gesamtfläche über 80.000 Weihnachtsbäume wachsen. Diese müssen jetzt Baum für Baum markiert, in Qualitätsgruppen unterteilt, für den Handel vorbereitet und dann ab November auch geschlagen werden.

Während die Masse der Bäume an Einzelhändler, Weihnachtsbaumstände und Baummärkte geht, findet ein Baum immer auch einen besonderen Platz. Seit mehreren Jahren liefert Hauke Kempe eine sechs bis acht Meter hohe, vier Meter breite und perfekt gewachsene Nordmanntanne an das Fünf-Sterne-Hotel "Adlon" am Brandenburger Tor in Berlin. Das Nobelhotel liegt damit im Trend, denn die Nordmanntanne steht mit Abstand am liebsten in deutschen Weihnachtsstuben, auch wenn sie fast doppelt so viel wie eine Blaufichte kostet.

Auch nach 25 Jahren Berufserfahrung wird er teilweise immer noch wehmütig, wenn er mit Kettensäge durch die Baumplantagen geht. "Es tut mir schon leid, manche Bäume abzusägen. Ich hänge an den Bäumen", so Kempe.

Auch Feingebäckspezialist Holger Lembcke aus Schwarzenbek bei Hamburg steckt sein ganzes Herzblut in seine Arbeit. Der Konditormeister, der seit drei Generationen mit knapp 100 Mitarbeitern Schokoplätzchen, Baumkuchen und Schokoweihnachtsbaumschmuck herstellt, produziert in diesen Tagen von früh bis spät Weihnachtsgebäck für Confiserie-Ketten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich - alles aus frischen Zutaten und in Handarbeit.

Der Weihnachtsmann übt schon

Weihnachtsmann in seiner Hütte (Foto: DW)

Er entscheidet, wer welches Geschenk bekommt: der Weihnachtsmann

100 Tage vorm Fest wird auch Sebastian Pesch aus Langwedel bei Kiel langsam nervös. Der hauptberufliche Leiter eines Jugendheimes schlüpft jedes Jahr zur Weihnachtszeit in seine dicken schwarzen Lederstiefel, das rote Kostüm, setzt sich die Grauhaarperücke und die silberglänzende Lesebrille auf, hängt sich den langen grauen Kunsthaarbart um und verwandelt sich damit in einen Hobbyweihnachtsmann.

Lange vor dem Dezember näht er sein Kostüm um, sucht und übt mögliche Texte für Auftritte und organisiert seine ersten Buchungen, die schon eingetroffen sind. Alles fing vor zehn Jahren mit einer Zeitungsanzeige an, auf die er sich bewarb. Mittlerweile hat er in der Weihnachtszeit bis zu neun Auftritte am Tag. Es geht ihm nicht um das kleine Geld, das er damit verdient. Er macht es aus Spaß, Freude am Verkleiden und wegen der vielen glücklichen Kinderaugen.

Autor: Torsten Creutzburg
Redaktion: Nicole Scherschun