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Asien

Hochgiftiges Plutonium im Boden entdeckt

Auf dem Gelände des japanischen Katastrophen-AKW Fukushima sind Spuren von Plutonium gefunden worden. Die Regierung räumte ein, dass in einem der Reaktoren zeitweise eine Kernschmelze stattgefunden hat.

Fukushima (Foto: Kyodo News/dapd)

Das hochgiftige Schwermetall Plutonium wurde in Reaktor 3 verwendet

Rund um das beschädigte Kernkraftwerk Fukushima im Nordosten Japans sind im Boden Spuren von hochgiftigem Plutonium entdeckt worden, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag (28.03.2011). Das äußerst gefährliche Schwermetall sei an insgesamt fünf Stellen nachgewiesen worden. Dem Kraftwerksbetreiber Tepco zufolge stamme das Plutonium aus Brennstäben der Anlage, die bei dem schweren Erdbeben am 11. März und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt wurde. Gesundheitsgefahr soll aber nicht bestehen.

Arbeiter bemühen sich weiter um die Kühlung des AKWs (Foto: Kyodo News/dapd)

Arbeiter bemühen sich weiter um die Kühlung des AKWs Fukushima

Tepco hatte Bodenproben vom Gelände der havarierten Anlage von unabhängigen Spezialisten auf das hochgiftige Plutonium untersuchen lassen. Der Betreiber teilte mit, die Proben seien bereits vor einer Woche genommen worden. Zuvor hatte Tepco mitgeteilt, dass erstmals außerhalb der Reaktorgebäude stark radioaktiv verseuchtes Wasser entdeckt worden sei und ins Meer gelangt sein könnte.

In Fukushima gilt Block 3 als besonders gefährlich, weil es sich bei dessen Brennelementen um Plutonium-Uran-Mischoxide (MOX) handelt. Das radioaktive Plutonium bleibt auch nach Tausenden von Jahren gefährlich. Gerät der Stoff in den Körper, kann Krebs entstehen. Dringt Plutonium in Wunden ein, verbindet es sich mit Eiweißen des Blutplasmas und lagert sich in Leber und Knochenmark ab. Dort kann Plutonium Leukämie auslösen.

Japans Regierung vermutet Kernschmelze

Regierungssprecher Yukio Edano(Foto: dpa)

Regierungssprecher Yukio Edano räumte "partielle Kernschmelze" ein

Die Wahrheit über die Atomkatastrophe kommt nur peu à peu ans Licht. Was genau im Inneren der Problem-Meiler abläuft, ist immer noch unklar. Die Lage bleibt weiter extrem gefährlich. Die Regierung in Tokio räumte am Montag ein, dass im Reaktor 2 in den vergangenen zwei Wochen vermutlich eine teilweise Kernschmelze eingesetzt hatte. Das schließe man aus der extrem erhöhten Radioaktivität. Man glaube aber, dass der Prozess gestoppt sei, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.

Nach Tepco-Angaben wurde an dem Reaktor am Sonntagnachmittag eine Strahlendosis von 1000 Millisievert pro Stunde in einem Wassergraben gemessen, der zum benachbarten Turbinengebäude führt. Zum Vergleich: Die natürliche Radioaktivität in Deutschland liegt laut der Gesellschaft für Reaktorsicherheit bei etwa 2,1 Millisievert – und zwar pro Jahr.

Genaue Informationen bleiben aus

Die japanische Regierung machte keine Angaben zum genauen Zeitpunkt der vermuteten Kernschmelze. Sowohl Fachleute als auch Tepco hatten in den ersten Tagen nach dem verheerenden Erdbeben und anschließenden Tsunami schon einmal von einer möglichen "partiellen Kernschmelze" gesprochen. Tepco hatte das aber wieder zurückgenommen. Fukushima Eins hat sechs Reaktoren. Mehrere davon sind nach Explosionen stark zerstört.

Regierungssprecher Yukio Edano kritisierte am Montag den Umgang des Betreibers Tepco mit den Strahlungs-Messwerten am AKW. Das Vorgehen sei "inakzeptabel". Das Unternehmen hatte am Wochenende widersprüchliche Angaben zur Höhe der Strahlung gemacht. Das sorgte international für Aufregung. Die japanische Atomaufsichtsbehörde wies den AKW-Betreiber jetzt an, solche Irrtümer in Zukunft zu vermeiden.

Menschen kehren trotz Gefahr zurück

AKW Fukushima (Foto:Kyodo News/dapd)

Trotz des ernomen Risikos in der Zone um Fukushima kehren verzweifelte Menschen zurück

Auch die Lage in der Gefahrenzone um das AKW bietet zunehmend Anlass zur Sorge: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk kontaminiert ist, und es gibt derzeit ein großes Risiko für die Gesundheit", sagte Edano der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte zuvor eine Ausweitung der Evakuierungszone rund um das Atomwrack gefordert.

Die Regierung appellierte an die Anwohner, nicht in ihre Häuser im 20-Kilometer-Evakuierungsradius um das AKW zurückzukehren. Sie sollten die Evakuierungszone auf keinen Fall betreten, bevor die Regierung grünes Licht gebe.

Doch viele der Flüchtlinge kehren trotz der Warnungen in ihre Häuser zurück, berichtete der staatliche Fernsehsender NHK. Vor allem ältere Menschen ignorierten die Warnungen. Die Menschen seien erschöpft vom Leben in den Notlagern. Sie wollten wieder nach Hause, erklärte die Provinzregierung von Fukushima.

Rettungsaktion hält an

Die Arbeiter und Techniker in der Atomruine setzten ihre Bemühungen weiter fort, das hoch radioaktive Wasser aus den Gebäuden zu pumpen sowie Strom- und Wasserversorgung für die Kühlung der havarierten Reaktoren wiederherzustellen. Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) wird der kritische Block 2 seit dem Wochenende wieder mit Frischwasser gekühlt und nicht mehr mit salzigem Meerwasser.

Bisher wurden 19 Arbeiter bei der Rettungsaktion stärker verstrahlt – sie waren einer Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt. Drei Arbeiter, die am vergangenen Donnerstag einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt waren, wurden nach Angaben von Kyodo am Montag aus dem Krankenhaus entlassen.

Weitere Beben in der Region

Evakuierungszentrum in Kesennuma im Norden Japans (Foto: Kyodo News(dapd)

Zehntausende Menschen sind in Notunterkünften untergebracht

Unterdessen erschütterten weitere Beben die Katastrophenregion. Am Montagmorgen bebte die Erde nach japanischen Angaben mit einer Stärke von 6,5. Kurz danach gab es ein weiteres Nachbeben. Von dem Kernkraftwerk wurden jedoch keine weiteren Schäden gemeldet.

Die Region war am 11. März von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 9 sowie Tsunami schwer zerstört worden. Mehr als 11.000 Menschen verloren im Nordosten Japans ihr Leben, über 17.000 Menschen werden noch vermisst. 190.000 Menschen sind in Notunterkünften untergebracht.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, rtr, afp)

Redaktion: Ursula Kissel

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