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Top-Thema – Podcast

Hochbegabung als Fluch

Hochbegabte Kinder haben weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und oft auch besondere Interessen. Meistens sind sie den anderen Kindern in ihrem Alter weit voraus. Das bringt häufig Probleme mit sich.

Ein Lehrer unterrichtet eine Gruppe hochbegabter Schüler

Ein Lehrer unterrichtet eine Gruppe hochbegabter Schüler

Wie die meisten hochbegabten Kinder konnte die kleine Ilka schon vor der Einschulung lesen, schreiben und rechnen. Ihre Eltern beschlossen, sie schon mit fünfeinhalb Jahren einzuschulen, doch es war eine schwierige Entscheidung: "Mit fünfeinhalb ist sie eine der Kleinsten, der Jüngsten - auch wenn der Geist vielleicht schon sieben oder acht ist", sagt ihre Mutter Katrin Mattes. "Aber im Kindergarten fühlte sie sich unterfordert."

Die Früheinschulung kann auch zur Enttäuschung werden: wenn ein Kind schon vor Schulbeginn sehr gut lesen und rechnen kann, dann fühlt es sich unterfordert und erlebt den Unterricht als langweilig. Deshalb entscheiden sich manche Eltern dafür, ihr Kind eine oder sogar mehrere Klassen überspringen zu lassen. Eine andere Lösung ist, hochbegabte Kinder in speziellen Förderklassen zu unterrichten. Doch diese Lösung ist umstritten, denn die Schule übernimmt auch eine wichtige soziale Aufgabe: Kinder müssen in der Gemeinschaft lernen, mit verschiedenen Menschen gut auszukommen.

Auch das Spielen bringt für hochbegabte Kinder manchmal Probleme, da sie sich oft für Spiele interessieren, die erst für ältere Kinder geeignet sind. Emma ist vier Jahre alt und interessierte sich schon als Baby für Brettspiele. Mit drei Jahren fing sie an, Monopoly zu spielen, das eigentlich erst für Kinder ab acht Jahren geeignet ist. Für Gleichaltrige sind diese Spiele oft zu schwierig und die Älteren haben keine Lust, mit einem so kleinen Kind zu spielen.

Nicht nur hochbegabte Kinder, sondern auch die Eltern stoßen auf Unverständnis, Vorurteile oder Neid. Manchmal leiden sogar alte Freundschaften darunter. Einige Menschen glauben, dass nicht die Kinder hochbegabt, sondern die Eltern zu ehrgeizig sind. Katrin Mattes kennt solche Vorurteile nur allzu gut. "Ich fördere meine Kinder, weil sie es fordern, weil sie sonst einfach unausgeglichen sind, wenig schlafen, schlecht schlafen, unglücklich und zappelig werden ", sagt sie.


GLOSSAR

Fluch – Unglück, eine schlimme Belastung

hochbegabt sein – außergewöhnlich intelligent oder talentiert

überdurchschnittlich – mehr/ größer als bei den meisten anderen Menschen

jemandem weit voraus sein – viel besser als jemand sein

vor der Einschulung – bevor sie zum ersten Mal in die Schule ging

einschulen – (ein Kind) bei der Schule für die erste Klasse anmelden

Geist, der hier: Verstand, Intelligenz

sich unterfordert fühlen – sich langweilen, weil die Aufgaben zu einfach sind

eine Klasse überspringen ein Schuljahr auslassen und in einer höheren Schulklasse

weiter machen (z.B. von der ersten Klasse direkt in die dritte Klasse)

Förderklasse, die – spezieller Unterricht für Kinder, die sehr begabt oder unbegabt sind

etwas ist umstritten – man ist einer Sache gegenüber sehr kritisch

mit jemandem gut auskommen – sich mit jemandem gut verstehen

geeignet – passend

Brettspiel, das – z.B. Schach, Dame, Mensch ärger dich nicht

Gleichaltrige, der/die – Kind im gleichen Alter

ehrgeizig – zu eifrig; sehr bemüht, etwas zu erreichen

unausgeglichen – unruhig

zappelig – mit hektischen, nervösen Bewegungen

Fragen zum Text

Wenn Eltern sich für eine „Früheinschulung“ entscheiden,

1. …schicken sie ihr Kind schon um 6:00 Uhr morgens in die Schule.

2. …schicken sie ihr Kind schon in die Schule, bevor es 6 Jahre alt ist.

3. …schicken sie ihr Kind ohne Frühstück in die Schule.

Warum haben hochbegabte Kinder manchmal Probleme mit gleichaltrigen Kindern?

1. Weil sie keine Lust zum Spielen haben.

2. Weil sie unfreundlich zu den gleichaltrigen Kindern sind.

3. Weil sie sich oft für andere Spiele interessieren als die Gleichaltrigen.

Welche Möglichkeit, hochbegabte Kinder zu fördern, wird im Text nicht genannt?

1. Privatunterricht zu Hause

2. Spezielle Förderklassen

3. Früheinschulung

Arbeitsauftrag

Sind Sie dafür, hochbegabte Kinder in speziellen Förderklassen zu unterrichten oder sollten alle Kinder gemeinsam lernen? Sammeln Sie Argumente für Ihre Position und diskutieren Sie in der Klasse. Sprechen Sie auch über andere Lösungen.

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