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Reise

Hoch über dem Pott

Klettern am Niederrhein? Das geht im Landschaftspark Duisburg-Nord. Der Alpenverein betreibt hier den größten Kletterpark Deutschlands. DW-Reporter Christoph Ricking hat ihn ausprobiert.

Es sind schon alle da, als ich das Vereinsheim des Deutschen Alpenvereins betrete. Auch in Duisburg hat die weltweit größte Bergsteigervereinigung eine Dependance. Sieben Hobby-Kletterer wollen mit mir heute eine Tour durch den Kletterpark machen. Der liegt im Landschaftspark Duisburg-Nord, einem ehemaligen Eisenhüttenwerk, das in einen Naherholungspark umgewandelt wurde. Wir nehmen den Klettersteig, das heißt, wir klettern nicht einfach nur nach oben, sondern so wie in den Bergen: mal hoch, mal runter, mal seitwärts, immer an einem Drahtseil gesichert.

Die anderen sind deutlich besser vorbereitet als ich. Thomas und Stefan haben Gurte, Karabinerhaken und Helme auf einem Tisch ausgebreitet. "Richtig professionell machen wir das nicht, aber wir sind schon oft geklettert", erklären die Brüder aus Mülheim an der Ruhr. Zusammen mit einem Freund wollen sie hier für eine Tour an der Zugspitze trainieren. Ich hingegen klettere zum ersten Mal und weiß noch nicht, was da auf mich zukommt. Die meisten haben ihre eigene Ausrüstung mitgebracht. Ich werde mir das nötige Equipment vom Alpenverein leihen.

Über 450 Kletterrouten

Kletterpark Duisburg Infos: Klettertour im Duisburger Kletterpark, Übung Copyright: DW/Christoph Ricking

Kletterübungen zum Aufwärmen

Horst und Sonja Neuendorf vom Duisburger Alpenverein sind die Leiter unserer Tour. Obwohl beide sicher schon im Rentenalter sind, sehen sie ziemlich fit und kräftig aus. Ich frage Horst, wie lange er schon klettert. "Seit über dreißig Jahren", antwortet er. Das sieht man.

Horst gibt mir meine Ausrüstung. Einen Helm, einen Klettergurt, in den ich wie in eine Hose hineinsteige, und zwei kurze Seile mit drei Karabinerhaken daran. Er zeigt uns die wichtigsten Knoten: Den Sackstich und den Ankerstich. Damit befestigen wir die Karabinerhaken am Klettergurt - unsere Absicherung gegen einen Absturz.

Der Kletterpark befindet sich in den so genannten Bunkertaschen des alten Stahlwerks. Das sind riesige Behälter aus Beton in denen früher Kohle oder Eisenerz zwischengelagert wurden, etwa 40 Meter lang, 15 Meter breit und zwölf Meter hoch. An den senkrechten Betonwänden kann man klettern. Ganz schön hoch, denke ich. Horst hat den Klettergarten mit aufgebaut. "Als wir das Gelände hier Anfang der 90er bekommen haben, war das Stahlwerk schon seit einigen Jahren stillgelegt. Alles war mit Pflanzen überwuchert. Das war ganz schön viel Arbeit", sagt er. Mittlerweile gibt es hier über 450 Routen in neun verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Und es kommen immer noch Neue dazu.

Ganz schön hoch

Blick von oben über den Kletterpark Duisburg

Höhe ist auch eine Frage der Perspektive

Wir gehen in eine der Bunkertaschen hinein. Auf einer Höhe von etwa eineinhalb Metern ist ein Drahtseil gespannt und in der Betonwand verankert. Das ist der Übungsklettersteig. Hier zeigt uns Horst, wie man in die Wand steigt. Am Drahtseil festhalten, die beiden Karabinerhaken daran festmachen und mit den Füßen in winzige Löcher oder auf kleine Vorsprünge treten. Sieht einfach aus, geht aber ganz schön in die Arme.

Dann wird es ernst: Wir klettern die Wand hoch. Vor mir Hannah, die mit ihrem Vater für einen Kletterurlaub in den Alpen trainiert. "Glaubst Du, das geht mit deinen Schuhen", fragt sie mich und zeigt auf meine Turnschuhe. "Ist bestimmt kein Problem", antworte ich, bin mir aber nicht so sicher.

Kletterpark Duisburg Infos: Totale vom Klettersteig. Copyright: DW/Christoph Ricking

In der Wand

Es kann eigentlich nichts schief gehen. Ich bin doppelt gesichert, aber trotzdem habe ich ein etwas flaues Gefühl in der Magengegend. Von unten sah die Wand gar nicht so hoch aus, doch nun von oben wirkt die Höhe ziemlich bedrohlich. Horst scheint meine Gedanken zu lesen. "Da kann gar nichts passieren", beruhigt er mich. "Schau einfach nicht runter." Also starre ich die Wand an und klettere mit nassen Händen weiter. Den ersten Karabinerhaken lösen und wieder einhaken, dann den zweiten und weiter. Eigentlich wollte ich beim Klettern Fotos machen, aber ich traue mich nicht, die Kamera rauszuholen und mich nur mit einer Hand festzuhalten. Das Ganze geht ziemlich in die Arme, aber noch viel mehr in die Füße. Hannah hatte Recht, meine Schuhe sind fürs Klettern überhaupt nicht geeignet. Die Sohle hat zu wenig Profil und ich muss aufpassen, dass ich am glatten Beton nicht abrutsche. Überhaupt findet man an der Wand nur auf wenigen Zentimeter Halt. Irgendwann fühlen sich meine Zehen taub an.

Beispiel für Strukturwandel

Kletterpark Duisburg

Höhenluft und Aussicht

Nach einer Weile bin ich in zwölf Metern Höhe ganz oben an der Wand angekommen. Sie ist ungefähr einen halben Meter breit, so dass man darauf laufen kann, wenn auch mit einem sehr mulmigen Gefühl. Der Ausblick hier ist sensationell, weit über den Ruhrpott bis zum Rhein. Erstaunlich grün für eine industriell geprägte Region. Schornsteine und alte Hochöfen ragen in den Himmel. In der Ferne dreht sich ein Windrad. Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist ein Beispiel für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, Deutschlands traditionelles Schwerindustriezentrum. Bis 1985 wurde hier Roheisen gekocht. Heute finden Konzerte, Sportveranstaltungen oder Ausstellungen statt. Der alte Gasometer ist nun mit Wasser gefüllt. Darin kann man sogar tauchen. Hier ist immer etwas los: Von einem Festival am Fuße der Hochöfen schallt Musik herüber.

Balancieren über dem Abgrund

Es bleibt kaum Zeit, den Ausblick zu genießen. Inzwischen sind alle anderen auch oben angekommen und wir müssen weiter. Bei der nächsten Station wird mir schwindelig. Zwischen den zwölf Meter hohen Wänden sind zwei Drahtseile gespannt, darunter der Abgrund. An einem Seil müssen wir uns einhaken, auf dem anderen müssen wir auf die andere Seite balancieren.

Kletterpark Duisburg Infos: Klettersteig, Gang auf Drahtseil über den Abgrund. Copyright: DW/Christoph Ricking

Es geht wieder abwärts - endlich!

Alle gehen nacheinander, damit das Drahtseil nicht zu sehr schwingt. Erst Horst, danach Hannah, beide sind recht zügig auf der anderen Seite. Dann bin ich dran, hake mich ein und gehe ganz langsam, Schritt für Schritt über den Abgrund. Das Seil schaukelt ganz schön, denn der Wind weht hier oben ziemlich stark. Trotzdem komme ich gut rüber.

Mittlerweile habe ich mich ganz gut an die Höhe gewöhnt. Runter schauen macht mir nichts mehr aus. Nur meine Schuhe bleiben ein Problem. Weil ich oft keinen Halt finde, muss ich viel mit den Armen arbeiten. Besonders die tun mir am Ende ganz schön weh, als ich nach zwei Stunden wieder unten bin. Trotzdem ein großer Spaß, das Klettern. Vielleicht probiere ich das irgendwann auch mal in den Bergen aus.

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