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Welt-AIDS-Tag

HIV-Selbst-Tests taugen nicht für "Morgen danach"

Gesundheitsexperten hoffen, dass neue Schnell-Diagnosemöglichkeiten helfen können, AIDS einzudämmen. Aber Vorsicht: Wer einen HIV-Selbst-Test benutzen will, sollte sich vorher beraten lassen.

Die Vereinten Nationen (UN) haben sich das Ziel gesetzt, das HI-Virus und die dadurch ausgelöste Immunschwächekrankheit AIDS bis zum Jahr 2030 unter Kontrolle zu bekommen. Derzeit leben 37 Millionen Menschen mit HIV.

Daher ist Mitchel Warren von der AIDS Vaccine Advocacy Group (AVAC)  skeptisch. Im Interview mit der Deutschen Welle sagte er: "Die Kosten, die mit dem Ziel für 2030 verbunden sind, liegen jenseits unserer Möglichkeiten." Seine Lobbygruppe möchte die Entwicklung einer Impfung vorantreiben. Dennoch will er keine ungerechtfertigten Hoffnungen wecken: "Ich fürchte, wir verkaufen den Leuten ein Konzept, das gar nicht ausreichend finanziert ist."

HIV self testing (Imperial College London/T. Angus)

Diesen HIV-Selbst-Test haben Forscher am Imperial College London und von DNA Electronics entwickelt.

Ein hohes Ziel: 90-90-90

Was die UN eigentlich anstrebt, wird als 90-90-90-Ziel bezeichnet. 90 Prozent aller Träger des HI-Virus sollen bis 2020 wissen, dass sie infiziert sind. 90 Prozent der Betroffenen sollen Zugang zu Behandlungen mit antioretroviralen Medikamenten haben und bei wiederum 90 Prozent von denen soll die medikamentöse Behandlung das Virus effektiv dauerhaft unterdrücken.

Die Herausforderung fängt schon beim ersten Ziel an: Das Projekt UNAIDS berichtet, dass im Jahr 2015 nur 54 Prozent aller Träger des Virus überhaupt wussten, dass sie infiziert sind - und das 35 Jahre, nachdem die weltweite AIDS-Epidemie ausgebrochen ist. 

Sich selbst testen

Bisher war eines der größten Probleme der mangelhafte Zugang zur Gesundheitsversorgung. Die wachsende Zahl von HIV-Selbst-Tests könnte nun helfen, die erste der drei 90-Zielmarken zu erreichen. Selbst-Tests könnten helfen, Menschen in entlegenen Weltregionen zu erreichen und sogar solche, die nicht zum Arzt gehen wollen.

"Wir haben in Geburtskliniken gute Erfolge erzielt - viele Frauen wurden dort getestet - und in einigen Ländern kennen schon 80 Prozent der Frauen ihren HIV-Status", sagt Rachel Baggaley, die das HIV-Selbst-Test-Programm (HIVST) der WHO leitet. "Aber Männer und andere Menschen, die wir als 'Schlüssel-Bevölkerungsgruppen' bezeichnen, haben sehr viel geringere Test-Raten. Das sind etwa [Schwule, Prostituierte], Transsexuelle, Menschen, die Spritzen benutzen, und Gefängnisinsassen."

Das STAR-Projekt in Afrika

Die WHO hat sich mit UNITAID, einer überstaatlichen Gesundheitsorganisation zur Finanzierung von HIV-Medikamentenprojekten, und der gemeinnützigen Organisation Population Services International (PSI) zusammengetan, um ein HIV-Selbst-Test-Projekt in Afrika zu starten. Es nennt sich STAR.

Das Projekt begann in Malawi, Sambia und Zimbabwe und soll in Südafrika fortgeführt werden. Dabei verteilen die Organisatoren Schnelltest-Geräte in Gemeinden. Das erklärte Ziel dahinter ist "den Markt für Firmen zu bereiten, die Geräte von hoher Qualität produzieren werden".

"Menschen, die in Städten leben und sich schon mit Technik auskennen, können eher die Selbst-Tests anwenden als Menschen in ländlichen Gebieten", sagt Baggaley. "Diese Leute brauchen beim ersten Mal Unterstützung von örtlichen Gruppen, die zeigen, wie die Technik funktioniert, und die Betroffenen unterstützen, falls der Test positiv ausfällt."

Mit Smartphone oder USB-Stick

Eines der Test-Kits im STAR-Projekt ist ein Speicheltest aus den USA, der allerdings in Afrika unter anderem Namen vermarktet wird und auch billiger ist. In den USA heißt er OraQuick und ist in Apotheken erhältlich. Er weist Antikörper gegen das HI-Virus im Speichel nach.

Etwa 14 HIV-Schnelltests wurden seit 2010 in den USA, China, Frankreich, Kanada, Südkorea, Japan, Israel und Irland zugelassen. Weitere sind in Arbeit, darunter ein Smartphone-Aufsatz, den Forscher der Columbia-Universität entwickelt haben. Er hat 2015 erfolgreich einen HIV- und Syphilis-Test in Ruanda absolviert.

Im November 2016 präsentierte das Imperial College London zusammen mit der Firma DNA Electronics einen Selbst-Test in Form eines USB-Sticks. Das Labor auf einem Chip detektiert eine HIV-Infektion in einem Tropfen Blut und kann auch die Viruslast bestimmen. Die Analyse dauert nur eine halbe Stunde. Das Gerät erlaubt Patienten, ihren Behandlungserfolg über längere Zeit zu verfolgen - ähnlich wie ein Diabetes-Messgerät. Denn unter Einnahme von antiretroviralen Medikamenten sollte die Viruslast im Blut abnehmen.

"Wir empfehlen normalerweise, die Viruslast alle sechs Monate zu überprüfen", sagt Graham Cooke vom Imperial College. "Leider steht in vielen Ländern mit einer hohen HIV-Infektionsrate den Patienten die technische Möglichkeit zur Diagnose nicht zur Verfügung. Am besten ist es, wenn der Patient es zu Hause selbst durchführen kann."

Antiretrovirale Versorgung , nach Region, deutsch

Nicht alleine darauf verlassen

Die WHO hat strenge Regeln für  HIV-Selbst-Tests aufgestellt. Ganz wichtig: Auch nach einem positiven Selbst-Test sollte man immer noch ärztlich überwachte Tests durchführen.

Außerdem: Auch ein negativer Test ist noch keine Garantie, dass man nicht infiziert ist. Besonders Personen, die unter einem hohen Infektionsrisiko stehen, oder Menschen, die Grund zur Annahme haben, dass sie möglicherweise innerhalb der letzten sechs Wochen infiziert worden sind, sollten die Tests regelmäßig wiederholen.

Auch empfehlen Ärzte bei begründetem Verdacht die sofortige prophylaktische Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten, da diese in einem sehr frühen Stadium eine Infektion noch abwenden können - auch wenn die Infektion noch gar nicht nachgewiesen wurde.

Für Cooke ist es wichtig, dass die Menschen wissen, was die Tests leisten können und was nicht. "Es gibt Grenzen." Denn nach einer Infektion dauert es zwischen drei und zwölf Wochen, bis solche Tests die Infektion nachweisen können. Für den Morgen danach eignen sich die Tests also kaum. 

Dennoch ist Cooke überzeugt, dass die Vorteile die unbeantworteten Fragen überwiegen. "Wir können jetzt so viele Menschen testen wie nie zuvor", betont er. "Nur wenn die Viren erkannt werden, kann man sie auch gezielt durch Medikamente unterdrücken. Das ist der Weg in die Zukunft."

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