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Europa

HIV in der Ukraine: Tödliche Ignoranz

Auch in diesem Jahr stellt die Ukraine einen traurigen Rekord auf: Die Weltgesundheitsbehörde bescheinigt dem Land die höchste HIV-Infektionsrate Europas. Zwischen 350.000 und 550.000 Menschen sollen iinfiziert sein.

Eine Frau in hält eine Aidsschleife in ihrer Hand (Illustration vom 29.11.2006/dpa)

Am 1. Dezemeber ist Welt-Aids-Tag

Die WHO befürchtet, dass die Zahl der Virusträger in den kommenden fünf Jahren auf 820.000 steigen könnte und fordert deshalb umfassendere und effektivere Maßnahmen vom Staat.

Darauf drängen auch Anti-Aids Aktivisten wie der 32-jährige Dmitri. Er glaubt, dass die Regierung die Eigendynamik der Virus-Verbreitung immer noch unterschätzt. Sie müsse sich klar machen, was für ein globales Problem entstehe, wenn die Schwelle der Unumkehrbarkeit überschritten werde. "Wenn die Zahl der Infizierten in der Ukraine zu groß wird, kann keine Technologie dieser Welt diesen Prozess mehr stoppen", warnt er. Die Ukraine stehe am Scheideweg: Entweder sie gehe den Weg einiger afrikanischer Staaten mit einer kaum noch zu kontrollierenden Ausbreitung des Virus oder sie wähle den Weg Europas und stoppe die Epidemie.

"Die Krankheit trifft nicht alle"

Doktorandin Simone Kaiser zeigt am Montag, 16. Februar 2004, im HIV-Labor des Universitaetsklinikums Eppendorf in Hamburg HIV-positives Blut, das sich in weisse und rote Blutkoerperchen abgesetzt hat. (AP Photo/Christof Stache)

Aufschluss gibt nur ein Test: Längst nicht alle HIV-Infektionen werden frühzeitig erkannt

Das Eindämmen oder Stoppen der Ausbreitung erfordere nicht nur mehr Geld, sondern vor allem auch ein Umdenken in der Gesellschaft: "In meinem Land herrscht die Meinung vor, dass sich nur schlechte Menschen anstecken", erzählt er, "Leute aus der Unterschicht, Leute mit einer niedrigen Moral: Leute, die eigentlich keine Menschen sind, Prostituierte, Drogenabhängige."

Nicht selten würden Drogenabhängige mit der Diagnose Aids einfach nach Hause, bzw. zurück auf die Straße geschickt. Ein qualvolles Sterben auf Raten – in Kellern und Absteigen, außer Sichtweite der Gesellschaft, die das Problem nur zu gern ignoriert. Eine solche Haltung innerhalb einer Gesellschaft ist tödlich für die menschlichen Beziehungen.

Die Kliniken und Praxen haben oft weder Kapazitäten noch Mittel und Medikamente, um allen Infizierten eine angemessene Behandlung zukommen zu lassen. Dmitri selbst hatte Glück: Er bekam nicht nur die Diagnose, sondern auch eine Therapie. Er weiß nicht, wie er sich angesteckt hat, habe Drogen genommen, ein ausschweifendes Sexual-Leben geführt.

Jedes Jahr der gleiche Ruf

Ein Drogensüchtiger spritzt sich Heroin (14.10.1998/AP Photo/Bernd Kammerer)

Unsauberes Spritzbesteck ist nur einer der möglichen Ansteckungswege

Eine durchdachte staatliche Anti-Drogen-Politik ist für ihn einer der Schlüssel zum erfolgreichen Kampf gegen das HI-Virus. 70 Prozent der Drogenabhängigen seien mit dem HI-Virus infiziert und "solange man dieses Problem nicht unter Kontrolle bekäme, auf menschlicher, medizinischer und sozialer Ebene, solange wird sich die Epidemie weiter ausbreiten", so Dmitri.

Mehr Aufklärung und Prävention für Gesunde, mehr Behandlungskapazitäten für Erkrankte, Hospize für ein würdiges Sterben, wenn keine Hoffnung mehr besteht: Jedes Jahr um diese Zeit erkling derselbe Appell – ein schlagender Erfolg lässt weiter auf sich warten.

Autorin: Christina Nagel
Redaktion: Mareike Röwekamp

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