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Wissen & Umwelt

HIV-Forschung: Schutz durch Antikörper

US-Wissenschaftler haben Affen HIV-Antikörper verabreicht. Danach waren die Tiere fast ein halbes Jahr vor dem Aids-Virus geschützt. Das ist keine Sensation aber ein großer Fortschritt in der Aids-Forschung.

Symbolbild - HI Virus - Aids

Animation HI-Virus

Forscher vom Nationalinstitut für Allergie und Infektionskrankheiten in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland) haben Makaken passiv gegen das HI-Virus immunisiert.

Dabei werden Antikörper gegen das Virus direkt in den Körper gespritzt. Die Affen mussten also nicht erst Antikörper bilden; sie hatten diese bereits im Blut, bevor sie dem HI-Virus ausgesetzt wurden.

Anders ist der Ablauf bei einer Impfung, etwa gegen Masern oder Grippe: Das ist eine aktive Immunisierung. Dem Menschen wird ein Teil des Virus gespritzt. Daraufhin baut der Körper eine Immunantwort gegen das Virus auf und bildet Antikörper.

Vielversprechender Ansatz

Die Antikörper, die in die Blutbahn gegeben werden, baut der Körper wieder ab - damit entfällt der Schutz. Die Antikörper müssten also immer wieder gegeben werden, um die Wirkung aufrecht zu erhalten.

Bei den Versuchen in den USA haben die Wissenschaftler den Affen die Antikörper nur einmal verabreicht. Trotzdem dauerte der Schutz 23 Wochen an. Denn die Forscher haben die Antikörper so verändert, dass sie eine längere Halbwertzeit haben.

"Ein Ziel ist derzeit, die HIV-Antikörper so verändern zu können, dass sie nur alle drei Monate oder alle sechs Monate gespritzt werden müssen und dann über eine Periode von drei bis sechs Monaten Schutz bieten", erklärt Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg. Die US-Studie sei ein "großer Forschritt", so der Wissenschaftler - wenn auch kein unerwarteter. "Man hat gezeigt, dass sich durch eine Veränderung der Antikörper die Zeitspanne vergrößert, in der sie im Blut bleiben."

Auf den Menschen übertragbar?

Antikörper gegen HIV sind laut Altfeld im letzten Jahr bereits bei HIV-infizierten Menschen getestet worden: "Man konnte zeigen, dass durch die Infusion dieser Antikörper die Viruslast abfällt, solange der Antikörper da ist." Es fanden sich also weniger HI-Viren im Blut der Patienten.

"Aber der Körper baut diese Antikörper ab. Wenn sie dann verschwunden waren, kam die Viruslast wieder zurück." Das heißt, Antikörper müssten in regelmäßigen Abständen immer wieder neu gegeben werden. Langfristiges Ziel ist es, Antikörper zu entwickeln, die sich lange halten. Die amerikanischen Forscher schafften es zum ersten Mal, den Schutz länger aufrechtzuerhalten: bis zu 23 Wochen in einem der Affen.

Makaken Affen (©Gong Xiaoyong/VCG)

Die Versuche mit Antikörpern wurden an Makaken - einer Primatengattung - durchgeführt

Sind die Versuche mit Affen erfolgreich, könnte es dann erste klinische Studien mit Menschen geben: "Als Prophylaxe würde man die Methode bei HIV-negativen Personen anwenden, die ein erhöhtes Risiko für eine HIV-Infektion haben", so Altfeld. Zu diesen Gruppen gehören beispielsweise Paare, bei denen einer mit HIV infiziert ist.

Drei Ansätze

Zurzeit gibt es drei verschiedene Ansätze, HIV-Infektionen zu verhindern. Der erste: Die Entwicklung eines Impfstoffes. "Das schreitet langsam voran", sagt Altfeld. "Da müssen wir noch ein paar Jahre warten."

Der zweite Ansatz: Die Gabe von Antikörpern, wie sie die Forscher aus den USA jetzt getestet haben. "Diese Affenexperimente sind vielversprechend, aber man muss natürlich erst einmal die Studien beim Menschen abwarten", fasst der Hamburger Wissenschaftler zusammen.

Der dritte Ansatz: Medikamente, die die Infektion verhindern. "Diese Methode wird auch immer häufiger in Europa angewendet."

Alle drei Ansätze lassen Altfeld zufolge hoffen. "Man muss sehen, welche letztendlich die besten Möglichkeiten zeigt."

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