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Fußball

Hitzige Debatte über Boykott der Fußball-WM in Russland

Es begann auf Twitter: Ein niederländischer Ex-Nationalkicker ruft zum Boykott der Fußball-WM in Russland auf. Deutsche Politiker stimmen zu, doch Ex-DFB-Präsident Zwanziger winkt ab.

Nach dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine durch prorussische Separatisten stellen mehrere deutsche Politiker die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 durch Russland in Frage. Falls der russische Präsident Wladimir Putin (Artikelbild rechts, neben Fifa-Präsident Joseph Blatter) nicht aktiv an der Aufklärung des Flugzeugabsturzes mitwirke, sei eine Fußball-WM in Russland "unvorstellbar", sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) der "Bild"-Zeitung. Beuth ist zur Zeit Vorsitzender der Sportministerkonferenz der Bundesländer.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), äußerte sich ähnlich. "Sollte Präsident Putin nicht einlenken und die Krise weiter anheizen, darf es auch kein Tabu mehr sein, Russland die Fußball-WM 2018 zu entziehen", sagte Mayer ebenfalls der "Bild"-Zeitung.

"Deutschland kann WM übernehmen"

Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, forderte die Fifa auf, sich Gedanken darüber zu machen, ob Russland ein geeignetes WM-Land sei, "wenn es noch nicht einmal sichere Luftwege garantieren kann". Die Fifa müsse die WM daher neu vergeben, sagte Fuchs dem "Handelsblatt". Deutschland könne zusammen mit Frankreich und Italien "ohne Probleme" das Turnier übernehmen. "Wir haben genügend Stadien, die WM-tauglich sind", so Fuchs. Eine Neuvergabe der WM sei als Strafmaßnahme gegen Russland wesentlich wirkungsvoller als die Verhängung von Wirtschaftssanktionen.

Grünen-Politiker Volker Beck sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", man dürfe eine Fußball-Weltmeisterschaft nicht "in einem Land austragen, das völkerrechtswidrig einen Teil eines anderen Landes annektiert hat". Die Obfrau der Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Marieluise Beck, erinnerte an den umstrittenen WM-Zuschlag an Russland vor dreieinhalb Jahren. Bereits vor der Ukraine-Krise sei die Vergabe fragwürdig gewesen, "weil der Kreml seit Jahren Bürgerrechte immer weiter einschränkt".

"Nicht besonders klug"

SPD-Chef Sigmar Gabriel suchte hingegen die Diskussion einzudämmen. "Jetzt vier Jahre im Voraus eine Debatte über die nächste Fußball-Weltmeisterschaft zu führen, halte ich nicht für besonders klug", sagte der Bundeswirtschaftsminister der Deutschen Presse-Agentur. Er könne aber verstehen, dass gerade die Niederländer mit über 190 Toten nach dem Flugzeugabsturz enorm unter Schock stünden. Der ehemalige niederländische Nationalspieler John van 't Schip hatte am Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter zu einem Boykott der Fußball-WM 2018 in Russland aufgerufen.

Theo Zwanziger, Mitglied im Exekutivkomitee der FIFA und Ex-DFB-Präsident, wies in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Donnerstag) die Forderungen der Politik zurück. "Der Ruf nach einem Einschreiten der FIFA kommt immer sehr schnell. Dabei hat ein Boykott im Sport nur selten etwas gebracht und deshalb halte ich von einem solchen Vorschlag auch nichts», sagte Zwanziger. "Die WM ist nach Russland vergeben worden, es wurden Verträge unterschrieben und Rechte vergeben."

Auch die Fifa hat auf jede politische Einflussnahme und Kritik an ihrem Premiumprodukt WM ablehnend reagiert. Mit dem russischen Energiekonzern Gazprom unterhält die Fifa wirtschaftliche Verbindungen. Die WM-Vergabe an Russland ist allerdings unabhängig von der Ukraine-Krise auch noch Gegenstand einer Untersuchung durch die Fifa-Ethikkommission. Chef-Ermittler Michael Garcia will seinen Bericht zu möglichen Korruptionsfällen Anfang September vorlegen.

jj/det (dpa, afp)

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