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Kultur

Hitler-Serie unter Beschuss

In den USA wird der Fernsehsender CBS heftig für eine geplante Serie über das Leben von Adolf Hitler kritisiert. Der Vorwurf der Gegner: Die fiktionale Darstellung verhindere die Wahrnehmung des Bösen.

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Der passende Held einer Unterhaltungsserie?

Eine vom US-amerikanischen Sender CBS geplante vierteilige Unterhaltungsserie über Adolf Hitlers Jugend und seinen Aufstieg zur Macht hat in den USA eine Kontroverse ausgelöst. Noch bevor in den kommenden Monaten in München und Prag mit den Dreharbeiten begonnen wird, fragen Kritiker, ob man Hitlers Leben überhaupt in einer Unterhaltungssendung darstellen darf.

Dass sich das 20-Millionen-Dollar-Projekt auf die Zeit bis 1936 beschränkt, ist der Hauptgrund für die Diskussion. So monierte Rabbi Marvin Hier, Dekan des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles gegenüber der New York Times, dass der Verzicht auf eine Auseinandersetzung mit dem zweiten Teil von Hitlers Leben - Zweiter Weltkrieg und Holocaust - den Zuschauern das volle Ausmaß von Hitlers Handlungen vorenthalte. Der Direktor der amerikanischen "Liga gegen Verleumdung", Abraham H. Foxman, äußerte seine Sorge darüber, dass "dieses Monster menschlich" gemacht werde.

Respektierte Vorlage

Die ausführende kanadische Film- und Fernsehproduktion Alliance Atlantis will das Projekt trotz der Proteste realisieren. Für die Hauptrolle ist der britische "Trainspotting"- und "Krieg der Sterne"-Star Ewan McGregor im Gespräch. Ein früher Drehbuchentwurf stellt den jungen Hitler als aufbrausenden Jugendlichen dar, "der seine Mutter anbetete und seinen Vater verachtete". In seinen 20ern wird Hitler als um Anerkennung kämpfender Künstler und Opportunist porträtiert, der gerne in der Öffentlichkeit Reden hält. Als Vorlage der Serie dient "Hitler 1889-1936", der erste Band der zweiteiligen, weithin respektierten Hitler-Biografie des britischen Historikers Ian Kershaw. Dies könnte einige Bedenken zerstreuen.

In Deutschland schlägt das Thema bislang wenig Wellen. Ob und wann die US-Produktion hier zu Lande überhaupt zu sehen ist, steht noch nicht fest. Zudem ist in Deutschland - bei allen Diskussionen um Möllemann und Walser - zumindest das öffentliche Bild Hitlers als Verkörperung des Bösen gefestigt und, meist in dokumentarischen Formen, ständig in den Medien präsent. Auch ein Spielfilm wie Aleksandr Sokurovs "Moloch", der Hitler als neurotischen Hypochonder ins Groteske zog, lief hier ohne Kontroversen im Kino.

"Zeitloses Thema"

In den USA dagegen ist die "Hitler"-Serie auch im Kontext des 11. Septembers und der geplanten militärischen Entmachtung Saddam Husseins im Irak zu sehen: "Wie Gauner an die Macht kommen und wie das den Rest der Welt betrifft, das ist ein sehr zeitloses Thema", meinte Nancy Tellem, die Chefin von CBS Entertainment.

Bislang baut die mediale Aufarbeitung der Nazi-Zeit mit der Befragung von Zeitzeugen auf eine dokumentarische Darstellung. Dennoch ist nicht zu verhindern, dass Hitler eines Tages Thema von Unterhaltungssendungen werden würde, nicht nur in den USA. Den Umgang mit der Fiktionalisierung muss man deshalb wohl auch in Deutschland üben. Denn die nächste Generation wird sich ihr Bild dieser Zeit anhand solcher Filme machen.