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Nationalsozialismus

"Hitler-Glocke" soll nicht mehr läuten

Seit Monaten wird darüber gestritten, was mit der historischen Glocke im rheinland-pfälzischen Herxheim am Berg geschehen soll. Jetzt hat die Kirchengemeinde beschlossen, sie nicht mehr für liturgische Zwecke zu nutzen.

Damit soll verhindert werden, "dass rechtsradikale Kräfte angesprochen werden und dass das Geläut zu einer Belastung für die Menschen wird", heißt es in einer Stellungnahme, die die Evangelische Kirche der Pfalz verbreitete. Auch der Gemeinderat sprach sich dafür aus, das viertelstündige Schlagen des 240 Kilogramm schweren Bronzegeläuts einzustellen. Ob die so genannte Hitler-Glocke auch abgehängt wird, ist noch nicht entschieden.

Im Besitz der Ortsgemeinde

Die 1934 gegossene Glocke mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift "Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler" erregt seit Monaten die Gemüter in dem rund 750 Einwohner zählenden Herzheim am Berg in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. Eine pensionierte Lehrerin hatte in einem Zeitungsbericht kritisiert, dass die Glocke immer noch genutzt wird, aber nichts auf ihre Geschichte hinweist. Pikant daran ist, dass die Glocke zwar im Turm der Kirche Sankt Jakob hängt, aber der Ortsgemeinde gehört.

Herxheim Jakobskirche (Getty Images/T. Lohne)

Das beschauliche Örtchen Herxheim am Berg soll nicht zum Pilgerort für Nazis werden

Diese hatte zunächst erwogen, den Kirchturm zu schließen, um den Zugang zu der Glocke zu verhindern. Der Gemeinderat beschloss später, zunächst ein Gutachten in Auftrag zu geben, das alle gesetzlichen und denkmalschützerischen Anforderungen berücksichtigt. Auf dessen Grundlage soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist dafür, die Glocke abzuhängen und ins Museum zu stellen.

Bürgermeister gab sein Amt nach Kritik auf

Den ehrenamtlichen Bürgermeister, Ronald Becker, kostete die Debatte derweil sein Amt. Nach relativierenden Aussagen über die NS-Zeit und die seit 1934 in der Herxheimer Kirche hängende Glocke war der 54-Jährige öffentlich in die Kritik geraten. Auch seine Partei, die Freien Wähler, hat er inzwischen verlassen. Er habe seine Mitgliedschaft mit einem Schreiben vom 6. September beendet, teilte der Landesverband der Partei mit.

Die umstrittene Glocke hängt zusammen mit zwei kirchlichen Glocken im Turm der Jakobskirche. Bis auf Weiteres will die Kirchengemeinde nur noch mit diesen Klangkörpern zum Gottesdienst einladen.

uh/jj (dpa, epd)

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