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Aktuell Kultur

Historischer Stoff: Kinostart "Wolfskinder"

Ihr dramatisches Schicksal war lange unbekannt. Als "Wolfskinder" schlugen sich Tausende von Minderjährigen in den Kriegswirren 1945 durch - ohne Eltern, ohne Familie. Regisseur Ostermann widmet ihnen seinen Debüt-Film.

Nach dem Krieg wurde nicht darüber gesprochen, es blieb auch lange ein Tabu-Thema in der Bundesrepublik. Kaum jemand interessierte sich für das Schicksal tausender von Flüchtlingskindern, die sich in den letzen Kriegsmonaten in Ostpreußen alleine durchschlagen mussten. Oft unter Lebensgefahr, schutzlos und ohne Eltern den nachrückenden roten Armee oder den versprengten Einheiten der SS oder der Wehrmacht ausgeliefert. Der deutsche Regisseur Rick Ostermann widmet diesen mutigen Kindern seinen aktuellen Film, der jetzt in die Kinos kommt.

Weltpremiere in Venedig

Er erzählt von den erschütternden Erlebnissen zweier Brüder: der 14-jährige Hans und Fritz, erst neun Jahre alt, sind nach dem Hungertod ihrer Mutter ganz allein auf sich gestellt. Auf der Flucht geht der kleinere Bruder verloren, Hans macht sich verzweifelt auf die Suche und gerät in lebensgefährliche Situationen. Für sein Überleben muss er sogar töten: ein Hund, der ihn bedroht, wird einfach erschlagen. Damit ist seine Kindheit mit einem Schlag vorbei. Der 35-jährige Regisseur, der bislang als Regieassistent gearbeitet hat, legt damit einen vielbeachteten Debütfilm vor. Die realen historischen Ereignisse erzählt er für die Zuschauer allerdings nur in abgeschwächter Form. "Die Schicksale waren so schlimm und ergreifend, dass sie für die Kinoleinwand zu hart gewesen wären," räumt Ostermann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa ein. Für das Drehbuch hat er überlebende "Wolfskinder" interviewt und ihre Geschichte dafür verarbeitet.

Viele der überlebenden "Wolfskinder" flüchteten nach Ost-Europa und in die damalige Sowjetunion. Erst nach der Auflösung des Sowjetreiches kam ihre Geschichte ans Tageslicht. Auch wenn der Film historische Ereignisse aufarbeitet, will der Regisseur bewusst Bezüge herstellen zur Lebenssituation von Flüchtlingskindern in den aktuellen Krisenregionen der Welt. "Ich denke, dass Kinder leider viel zu oft zu unschuldigen Opfern von Auseinandersetzungen und Kriegen werden," sagt Ostermann dazu. " Im Großen und Ganzen soll der Film exemplarisch sein für viele, viele Schicksale von Kindern, die sich täglich und stündlich auf der Welt ereignen." Beim Filmfest Venedig feierte der Film im vergangenen Jahr Weltpremiere.

hm/pg (dpa/IMDb)