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Asien

Historischer Prozess in Kambodscha

In Phnom Penh hat das Tribunal gegen die Verantwortlichen der Massenmorde während der Regentschaft der Roten Khmer begonnen. Fünf Vertreter des kommunistischen Regimes sitzen auf der Anklagebank.

Totenschädel von Opfern der Roten Khmer (Quelle: dpa)

Choeung Ek - Genozid Zentrum in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh

Vor den Toren von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh liegt der Ort Choeung Ek. Ein Name, der weitgehend unbekannt ist. Als "Killing Field" der Roten Khmer hat er jedoch weltweit traurige Berühmtheit erlangt. Zehntausende von Menschen starben hier, auf bestialische Weise mit Äxten und Stangen erschlagen. Ihr angebliches Verbrechen: Die meisten von ihnen waren Intellektuelle, manche nur Brillenträger, Menschen für die es keinen Platz gab in der oft als Steinzeitkommunismus bezeichneten Ideologie der Roten Khmer. An Munition sparten die Henker. Deswegen weisen viele der Schädel, die heute in den Gedenkstätten der Killing Fields an die Massaker erinnern, grauenvolle Verletzungen auf.

Das Vergessen fällt schwer

Kambodschas blutige Vergangenheit liegt zwar dreißig Jahre zurück, doch man begegnet ihr auch heute noch auf Schritt und Tritt. Viele der über Dreißigjährigen erinnern sich nur mit Schrecken an die Regentschaft der Roten Khmer und das Schicksal ihrer Familien. Das Kambodscha-Tribunal, das erst nach jahrelangem Tauziehen seine Tätigkeit aufnehmen konnte, reißt alte Wunden wieder auf, weckt verdrängte Traumata - ein Grund, warum Kambodschaner wie Sun Suy der späten Vergangenheitsbewältigung skeptisch entgegensehen. "Als ich zwölf war, kamen die Roten Khmer, fesselten meine Eltern an den Händen und ermordeten sie vor den Augen meiner Geschwister und mir", berichtet Sun Suy.

Späte Sühne

Kambodschaner vor dem Gerichtsgebäude in Phnom Penh (Quelle: AP)

Kambodschaner vor dem Gerichtsgebäude in Phnom Penh

Fünf Angeklagte müssen sich vor dem Tribunal verantworten: Duch, der Leiter des berüchtigten Foltergefängnisses Toul Sleng, in dem Tausende auf bestialische Weise gefoltert und ermordet wurden; Ieng Sary, der Außenminister Pol Pots, Ieng Thirit, seine Frau und damals Sozialministerin, Bruder Nummer 2 – Pol Pots Vertreter und schließlich Khieu Samphan, das damalige Staatsoberhaupt. Die überlebende Führungsspitze der Roten Khmer sitzt auf der Anklagebank. Tausende, die ihr blutiges Handwerk verrichteten, müssen sich nicht dafür verantworten. Dennoch sehen viele Kambodschaner in dem Tribunal eine späte Sühne, wie Sok Chi Vanny, die ebenfalls Familienmitglieder verlor. Nach ihrer Meinung sind fünf Angeklagte genug. Mehr Verurteilungen würden die Dinge nur komplizieren.

Historischer Prozess

Es hat lange gedauert, bis das Tribunal zustande kam. 28 lange Jahre blieben die Chefideologen Pol Pots in Kambodscha unbehelligt, einige behielten sogar ihre politischen Positionen. Selbst der heutige Premier Hun Sen ist ein ehemaliger Khmer-Soldat, der sich allerdings von Pol Pot losgesagt hatte. Das Tribunal ist ein Kompromiss, seine symbolische Wirkung ist jedoch nicht zu unterschätzen - auch für die Opfer. Sie dürfen als Nebenkläger auftreten. Keat Bophal, ihre Sprecherin, ist eine von ihnen. Sie sagt, dass die Opfergruppe beim Tribunal eingerichtet wurde, damit die Opfer an dem juristischen Verfahren teilhaben können. "So können sie selbst die Verbrechen, die ihnen angetan wurden, aufdecken", so Bophal. Das werde ihren Schmerz lindern.

Die Suche nach dem Warum

Kambodschaner im Erinnerungszentrum in Choeung Ek (Quelle: AP)

Kambodschaner im Erinnerungszentrum in Choeung Ek

Auch wenn die fünf Angeklagten verurteilt werden, bleiben viele Fragen offen. So auch die, wie die Roten Khmer unter den Augen der Weltöffentlichkeit ihr mörderisches Regime errichten konnten. Warum galt Pol Pot, nachdem er vor den einmarschierenden Truppen Vietnams in den Urwald geflohen war, noch Jahre für die UNO und die internationale Gemeinschaft als einzig legitimer Repräsentant des Landes? Die blutige Geschichte der Roten Khmer in Kambodscha ist auch ein Kapitel des Ost-West-Konflikts in Indochina. Das Tribunal bietet Gelegenheit, auch diesen geschichtlichen Hintergrund in Erinnerung zu rufen.

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