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Europa

"Historischer" Großeinsatz gegen die ETA

Die baskische Separatistenorganisation wird immer schwächer: Am Sonntag (3.10.) wurden der mutmaßliche ETA-Chef Mikel Albisu Iriarte und seine Freundin festgenommen und ein unterirdisches Waffenlager ausgehoben.

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Hier hatten sich "Mikel Antza" und "Amboto" verschanzt


Der 43-jährige Mikel Albisu Iriarte war kein typischer ETA-Anführer: Er hatte sich nicht mit Anschlägen an die Spitze der Organisation gebombt; ihm wird keine direkte Beteiligung an einem Attentat zur Last gelegt. Als junger Mann und Student hatte er Theaterstücke inszeniert, Literaturkritiken und Erzählungen geschrieben. 1982 gewann er den Literaturpreis der Stadt Irún. Mit dem Gesetz geriet er in Konflikt, als er 1985 Häftlingen zum Ausbruch aus dem Gefängnis verhalf.

Doppelspitze festgesetzt

Seit sich Albisu Iriarte als "Mikel Antza" 1992 nach der Festnahme der gesamten damaligen ETA-Führung an die Spitze der Organisation setzte, wurden bei Anschlägen der Organisation 120 Menschen getötet. Der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón legt ihm zur Last, als Chef der ETA für die Morde mitverantwortlich zu sein. In den vergangenen Jahren nahm die Polizei immer wieder die verschiedenen Militärchefs der ETA fest. Nur Antza, der als der Führer des politischen Apparats gilt, blieb unauffindbar.

Gemeinsam mit ihm wurde im südwestfranzösischen Salies de Bearn auch Antzas Freundin und langjährige ETA-Führungskraft Soledad Iparragirre Genetxea alias "Anboto" verhaftet, hieß es in französischen Polizeikreisen. Sie ist spanischen Angaben zufolge die höchstrangige Frau in der Organisation und war wegen der Beteiligung an mindestens 14 Morden eines der meistgesuchten ETA-Mitglieder. Außerdem war sie spanischen Angaben zufolge für das Eintreiben und die Verteilung der so genannten "Revolutionssteuer" verantwortlich, die die Organisation von baskischen Unternehmen und Geschäftsleuten "erhoben" hat.

ETA geschwächt

Niemand wagt aber zu behaupten, dass der Terror im Baskenland nun besiegt sei. Die ETA gilt seit dem Friedensprozess in Nordirland - und abgesehen von islamistischen Gruppen - als die gefährlichste Terror- Organisation in Westeuropa. Sie kämpft seit 1968 für die Unabhängigkeit des Baskenlandes im Südwesten Frankreichs sowie im Norden Spaniens und wird von der Europäischen Union (EU) und den USA als terroristische Organisation betrachtet. Bei ihren Anschlägen wurden mehr als 800 Menschen getötet. Durch die Festnahmen der letzten Zeit wurde die ETA jedoch so geschwächt wie nie zuvor.

Monatelang gab es überhaupt keine Anschläge. Im vorigen Sommer meldete sie sich mit einer Serie von kleineren Bombenexplosionen in Nordspanien zurück. "Damit wollte die ETA zeigen, dass sie jederzeit zuschlagen kann", schrieb die Zeitung "El Mundo". Zur militärischen Schwächung kommt bei der ETA eine zunehmende politische Orientierungslosigkeit hinzu. Die autonome Regierung des Baskenlands strebt für die Region einen Status an, der dem eines unabhängigen Staates sehr nahe käme. Die ETA-Separatisten zeigten mal Sympathien für das Vorhaben, mal verurteilten sie den Plan als einen "historischen Irrtum".

Großes Waffenversteck ausgehoben

Bei ihrer Razzia gegen die ETA im Südwesten Frankreichs hat die Polizei außerdem drei große unterirdische Waffenverstecke entdeckt. In den mit ausgefeilten Zugangssystemen ausgestatteten Verstecken seien vor allem Chlorat, Waffen, Sprengstoff und Raketenwerfer gefunden worden, teilte die Polizei am Sonntag in Bayonne mit. "Wir haben alle Schubladen der ETA in Frankreich leer geräumt", sagte ein Polizist. Die Lager befanden sich in Häusern an drei Orten im französischen Baskenland, Saint-Pierre d'Irrube, Urrugne und Briscous. "Alle durchsuchten Häuser liegen in schwer zugänglichen ländlichen Regionen", hieß in einer Mitteilung des spanischen Innenministeriums. Mehr als tausend Kilogramm an Sprengstoff verschiedener Bauarten seien sichergestellt worden, dazu Dutzende von Maschinengewehren, Granaten, Granatenwerfern, Zündern und Kugeln, sagte der spanische Innenminister Jose Antonio Alonso. "Dieser Einsatz ist historisch." (arn)

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  • Datum 04.10.2004
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