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Sport

Historischer Erfolg auf schwedischem Sand

Aller guten Dinge sind drei. Als im Dezember 1988 zum dritten Mal ein deutsches Tennisteam im Davis-Cup-Finale stand, wurde der Traum vom Sieg endlich wahr.

TENNIS: DavisCup Finale 1988 in Goeteburg: Schweden - Deutschland: Deutsches Team mit Davis Cup v.li.: Boris BECKER, Patrick KUEHNEN, Niki PILIC, Eric JELEN, Carl-Uwe STEEB, QF

Die Davis Cup-Sieger von 1988: Becker, Steeb, Jelen, Kühnen und Coach Niki Pilic

Zweimal hatte die deutsche Davis-Cup-Tennismannschaft vergeblich nach dem Pokal gegriffen. 1970 verloren Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke das Endspiel in den USA deutlich mit 0:5. Im Boris-Becker-Jahr 1985 unterlag man in München gegen Schweden mit 2:3. Doch da aller guten Dinge drei sind, klappte es 1988 dann doch.

Nach dem 1987 spektakulär in den USA abgewendeten Abstieg aus der Weltgruppe lief es im Jahr darauf besser. Nach 5:0-Siegen gegen Brasilien, Dänemark und das damalige Jugoslawien standen Boris Becker, Eric Jelen, Carl-Uwe Steeb und Ersatzmann Patrik Kühnen im Finale gegen Schweden. So bot sich am vierten Adventswochenende die Chance zur Revanche für die Niederlage drei Jahre zuvor.

Als Außenseiter extrem motiviert

Die Auslosung bescherte dem 21-jährigen Carl-Uwe Steeb, damals Nummer 74 der Welt, das Auftakteinzel im ausverkauften Göteborger Scandinavium gegen den Weltranglisten-Ersten Mats Wilander. Steeb war vor dem Match total nervös: „Die Anspannung war groß, schließlich war es mein erstes Davis-Cup-Finale. Aber als Außenseiter waren wir alle extrem motiviert. Wir wussten, wir haben auf jeden Fall eine Chance.“

Der deutsche Tennisprofi Carl-Uwe Steeb (M,l) umarmt Trainer Niki Pilic. Der Stuttgarter gewinnt am 16.12.1988 in Göteborg im Endspiel des Daviscup gegen Gastgeber Schweden das erste Einzel gegen Mats Wilander im fünften Satz mit 8:6 und legt dafür den Grundstein für den ersten deutschen Endspielsieg, der schon nach dem Doppel am nächsten Tag feststeht. Steebs Teamgefährten Patrick Kühnen (l, hinten) und Eric Jelen (r, hinten) applaudieren. Das deutsche Team war in den Endspielen 1970 (gegen die USA) und 1985 (gegen Schweden) gescheitert. Foto: Wolfgang Eilmes

Carl-Uwe Steeb und Niki Pilic nach dem Auftaktsieg

Dass „Charly“ Steeb diese Chance nutzen würde, glaubten aber nur kühnste Optimisten. Erst recht, als er nach den ersten beiden Sätzen 0:2 zurücklag. Doch der Schwabe fand ins Spiel zurück. Auch, weil er nun aggressiver spielte: „Ich wusste, ich bin nicht chancenlos. Als ich den dritten Satz gewonnen hatte, bekam ich plötzlich wieder Selbstvertrauen. Im fünften Satz war dann alles wieder offen und ich habe gemerkt, dass Wilander anfing zu wackeln.“

Steeb legt den Grundstein zum Triumph

Wilander wackelte nicht nur, er fiel. Der Schwede konnte einen Matchball nicht nutzen, Steeb seinen dagegen schon. So ging nach über fünf Stunden Spielzeit der letzte Satz mit 8:6 an den Deutschen. Steeb wird diesen Moment nie vergessen: „Mein Erfolg war der Grundstein zum ersten deutschen Davis-Cup-Sieg. Im Rückblick war es das emotionalste und bedeutendste Match, das ich je gespielt habe.“ Er profitierte auch davon, dass die Schweden als Bodenbelag Sand gewählt hatten: „Sie wollten Boris so schwach wie möglich machen. Aber sie haben nicht bedacht, dass ich dann so stark spielen und sie gefährden konnte.“

German tennis star Boris Becker, right, listens to his coach Ion Tiriac at the Roland Garros tennis stadium in Paris May 18, 1988. German investigators have raided about 30 locations linked to Boris Becker on suspicion that he and his former manager Tiriac evaded taxes on millions of dollars of Becker's earnings from 1990 to 1993 German newspapers reported Tuesday, July 28, 1998. (AP Photo/Laurent Rebours)

Boris Becker

Boris Becker legte nach Steebs Vorlage nach und schlug Stefan Edberg klar in drei Sätzen. Am folgenden Tag, dem 17. Dezember 1988, wurde es dann zuerst dramatisch und danach historisch. Im Doppel lagen Boris Becker und Eric Jelen gegen Stefan Edberg und Anders Jarryd schon mit 0:2-Sätzen in Rückstand. Doch auch sie kamen mit einer Energieleistung ins Match zurück.

Im fünften Satz verwandelte Boris Becker nach zwei Stunden und 50 Minuten den Matchball. Was folgte, war Jubel pur, eine durchgefeierte Nacht und ein Empfang beim damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Vier Freunde und ein harter Hund

Nikola Pilic Tennistrainer

Niki Pilic - der Mann im Hintergrund

Die vier Tennis-Freunde Becker, Steeb, Jelen und Kühnen durften sich gewiss sein, ein bedeutendes Kapitel deutscher Tennisgeschichte geschrieben zu haben. An diesem Kapitel hat auch der damalige Teamchef Niki Pilic großen Anteil, betont Carl-Uwe Steeb: „Niki war für uns eine große Respektsperson. Er hat es verstanden, jeden einzelnen so zu motivieren, dass er sein bestes Tennis spielt. Er war ein harter Hund, aber er wusste, dass wir mitziehen, und insofern gab es nie Probleme. Im Gegenteil: Wir hatten alle zusammen immer viel Spaß.“

Nach dem Erfolg in Göteborg folgte ein Jahr darauf der zweite deutsche Davis-Cup-Sieg. 1993 konnte Deutschland den Pokal ein drittes und bisher letztes Mal gewinnen.

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