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Deutschland

Historische Niederlage

Die 35-Stunden-Woche wird es für die ostdeutschen Metaller vorerst nicht geben. Nach ergebnislosen Verhandlungen kündigte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel das Ende des vierwöchigen Streiks an.

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Wieder an der Arbeit: Arbeiter der Getriebe GmbH in Brandenburg

Bei der IG-Metall standen am Wochenende (29. und 30.6.2003) Krisensitzungen auf dem Terminkalender. Der 40-köpfige Vorstand traf sich bereits am Sonntag in Berlin. Dort waren am Vortag die letzten Versuche gescheitert, im Streit um die 35-Stunden-Woche für die 300.000 Angestellten und Arbeiter der Metall- und Elektrobranche Ostdeutschlands zu einem Ergebnis zu kommen. Die Arbeitgeber blieben hart, die Gewerkschaft gab auf. "Der Streik in der Metall- und Elektroindustrie in den Tarifbezirken Berlin-Brandenburg und Sachsen ist gescheitert", verkündete IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel daraufhin mit dünner Stimme, das sei "die bittere Wahrheit". Nur einmal bisher, in den 1950er-Jahren in Bayern, erlitt die mächtige IG-Metall eine solch schlimme Niederlage.

Wenig Druck aus dem Osten

Gescheitert ist die IG-Metall vor allem an sich selbst. In einer Zeit schwacher Konjunktur war vielen Beschäftigten nicht klar, warum die Forderung, künftig im Osten 35 statt 38,5 Stunden in der Woche zu arbeiten, so wichtig sein sollte. Der Organisationsgrad der Gewerkschaft im Osten ist schwach, zuletzt verloren die Verhandlungsführer den Glauben daran, den Druck auf die Unternehmerseite weiter ausüben zu können.

Kritik aus dem Westen

Zahlreiche Betriebsräte großer Autokonzerne aus dem Westen, die von ihren ostdeutschen Zulieferern abhängig sind und teilweise Produktionsstopps hinnehmen mussten, kritisierten die Gewerkschaft zudem scharf. Schelte hagelte es vor allem für den Stellvertreter und designierten Nachfolger Zwickels, Jürgen Peters, der als Hardliner und treibende Kraft hinter dem Streik galt. Zuletzt bot die IG-Metall an, einen Zeitkorridor zwischen 35 und 40 Stunden zu akzeptieren, in dem die Arbeitzeit je nach Betrieb schwanken konnte. Ihre Ursprungsforderung – 35 Stunden bis 2009 oder 2011 je nach Betrieb – blieb utopisch. Jetzt sollen, entsprechend der Forderungen der Arbeitgeber, Hausverträge mit den Unternehmen ausgehandelt werden.

Rücktrittsforderung an Peters

Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich am Sonntag "sehr froh" über das Ende des Streiks, dessen "Auswirkungen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eher vergrößert" hätten. IG-Metall Verhandlungsführer Hasso Düvel übernahm auf der Krisensitzung die Verantwortung für das Desaster, kritisierte aber erneut die Betriebsräte der Autokonzerne, die der Streikleitung in den Rücken gefallen seien. Erste Forderungen, Jürgen Peters solle auf die Kandidatur für den Vorsitz im Herbst 2003 verzichten, wies der Vorstand zurück. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser, versicherte, die Unternehmen würden die Niederlage nicht ausnutzen, um nun auch im Westen zur 38,5-Stunden-Woche zurückzukehren.

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