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Aktuell Europa

Historiker Arno Lustiger gestorben

Er galt als wichtige akademische Instanz für die Geschichte der Juden in der Nazi-Zeit und überlebte selbst sechs Konzentrationslager. Jetzt ist der Historiker und Publizist Arno Lustiger 88-jährig verstorben.

Nicht zuletzt das eigene Schicksal hatte Arno Lustiger dazu bewegt, sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Holocaust und der Juden zu befassen. Er wollte unter anderem die These widerlegen, dass die Juden in der Nazi-Zeit willenlose Opfer waren. So leistete er wesentliche Beiträge zur Erforschung und Aufarbeitung des jüdischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus.

Todesmärsche und Konzentrationslager überlebt

Geboren wurde Lustiger am 7. Mai 1924 im oberschlesischen Bedzin im heutigen Polen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen im Jahr 1939 ging er in den Widerstand und wurde später verhaftet. In sechs verschiedenen Konzentrationslagern wurde Lustiger interniert, unter anderem im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und im KZ Buchenwald. Er überlebte außerdem zwei sogenannte Todesmärsche. Dies war eine spezielle Form der Deportation im Nationalsozialismus, bei der nicht die Überführung der Gefangenen, sondern vielmehr deren Ableben im Vordergrund stand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Lustiger in Frankfurt am Main und war maßgeblich am Aufbau der dortigen jüdischen Gemeinde beteiligt. Als Textilfabrikant baute er ein erfolgreiches Modeunternehmen auf. Später begann er seine Forschungen zur deutsch-jüdischen Geschichte. Bekannt wurde Lustiger mit Werken wie "Zum Kampf auf Leben und Tod" und "Rotbuch - Stalin und die Juden". In seinen Büchern belegte er, dass es in den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten einen starken jüdischen Widerstand gab. "Es gab beispielsweise tausende jüdische Partisanen im Osten", sagte Lustiger.

kis/se (dpa)