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Aktuell Nahost

Hisbollah ruft zu Demonstrationen auf

Unmittelbar nach dem Ende des Papst-Besuchs im Libanon hat die radikale Hisbollah zu Demonstrationen gegen das Anti-Islam-Video aufgerufen.Deutschland zieht Diplomaten aus dem Sudan ab.

Der Führer der radikalen libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah, Hassan Nasrallah (Artikelbild), hat für diesen Montag zu einer großen Demonstration in Beirut gegen das islamfeindliche Video aufgerufen, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. Danach solle auch an anderen Orten des Libanon demonstriert werden, sagte Nasrallah in einer Fernsehansprache.

Der Hisbollah-Chef nannte die Schmähungen des aus den USA stammenden Videos "gefährlich und beispiellos". Ziel des Films sei es, Zwist zwischen Muslimen und Christen zu stiften. Der Zorn der arabischen Demonstranten richte sich gegen die Vereinigten Staaten und Israel, nicht gegen Christen, sagte Nasrallah. Die US-Regierung nutze die Redefreiheit als Rechtfertigung für die Ausstrahlung des Films.

Video ansehen 01:50

Libanon: Papstbesuch endet mit Friedensappell

Kurz vor der Ansprache Nasrallahs hatte Papst Benedikt XVI. seinen dreitägigen Besuch im Libanon beendet. Zum Abschluss hatte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche vor Hunderttausenden von Gläubigen aus dem Libanon und dem gesamten Nahen Osten zu Frieden und Versöhnung in der Region aufgerufen. Mit Blick auf die Unruhen wegen des Anti-Mohammed-Films betonte der Papst: "In einer Welt, wo die Gewalt ihren Todes- und Vernichtungszug unaufhörlich ausweitet, ist es eine Dringlichkeit, sich für eine brüderliche Gesellschaft, für den Aufbau der Gemeinschaft einzusetzen."

Insgesamt flauen die vor knapp einer Woche wegen des Schmähvideos in der islamischen Welt begonnenen Unruhen allmählich ab. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo, wo die Massendemonstrationen am Dienstagabend ihren Anfang genommen hatten, räumten Sicherheitskräfte den zentralen Tahrir-Platz. In Pakistan gab es bei Demonstrationen mehrere Verletzte. In der Hafenstadt Karachi ging die Polizei vor dem US-Konsulat mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa tausend Demonstranten vor. In Kabul protestierten mehr als tausend Menschen. Einige zündeten Autos an und riefen "Tod für Amerika". Andere Demonstranten schossen aus der Menge heraus auf Polizisten. Die erwiderten das Feuer jedoch nicht.

Demonstranten vor der brennenden deutschen Botschaft in Khartum (Foto: Reuters)

Demonstranten vor der brennenden deutschen Botschaft in Khartum

Wie die USA hat auch Deutschland als Reaktion auf die Ausschreitungen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum Mitarbeiter aus der Botschaft abgezogen und gleichzeitig zusätzliche Sicherheitskräfte entsandt. Zudem verschärfte das Auswärtige Amt seine Reisehinweise: Touristen sollten besonders vorsichtig sein und den Bereich um die Botschaft meiden. Die ist zurzeit geschlossen. Am Freitag hatten Demonstranten das Botschaftsgelände gestürmt und Feuer gelegt. Nach Medienberichten soll der Angriff eine Racheaktion für Demonstrationen deutscher Rechtsextremisten vor Moscheen in Berlin gewesen sein.

wl/cd (dpa, rtrr, afp)

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