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Europa

Hintergrund: Pestizide im Gemüse

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Obst und Gemüse sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Wie gesundheitsschädlich diese aber tatsächlich sind, darüber streiten Verbraucherschützer und Landwirtschafts-Verbände.

Ampullen mit Gemüseextrakten in einem Labor in Almería

Ampullen mit Gemüseextrakten in einem Labor in Almería

In Deutschland werden nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace jedes Jahr 268.000 Tonnen Obst und Gemüse verkauft, dessen Pestizidbelastung über den gesetzlichen Grenzwerten liegt. Damit verzehre jeder deutsche Verbraucher pro Jahr durchschnittlich mehr als drei Kilogramm belastetes Obst und Gemüse.

Landwirte und Händler halten die Studien von Greenpeace für unseriös. Greenpeace wende eigene Kriterien an, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Allerdings räumt auch der Landesverband Baden-Württemberg des Früchte-Import und -Großhandels ein, dass Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau oft mehr Pflanzenschutzmittel als erlaubt enthalte. Demnach würden die Grenzwerte in etwa zehn Prozent der Fälle überschritten.

Was ist giftig?

Zu hohe Grenzwerte bedeuteten aber nicht unbedingt, dass die Produkte "akut gesundheitsschädlich" seien, betont Manfred Edelhäuser, Lebensmittelexperte im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Stuttgart. Um mögliche toxische Risiken abzuschätzen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die so genannte akute Referenzdosis (ARfD) definiert.

Sie ist "diejenige Substanzmenge pro Kilogramm Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares Risiko für den Verbraucher aufgenommen werden kann". Sie wird nur für solche Stoffe festgelegt, die aufgrund ihrer Giftigkeit schon bei einmaliger oder kurzzeitiger Exposition gesundheitliche Schädigungen hervorrufen können. Wird die ARfD überschritten, bedeute das nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung. "Es heißt nur, dass ein mögliches Risiko mit der geforderten Sicherheit nicht mehr auszuschließen ist", sagt Edelhäuser.

Pestizide in Paprikas

Als besonders belastet gelten rote Paprika. Lieferländer sind vor allem die Türkei und Spanien. Das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart fand im Herbst 2006 in mehreren Versuchsreihen das in der EU nicht zugelassene Insektizid Isofenphos-Methyl sowie weitere nicht zugelassene Pestizide. Isofenphos-Methyl ist ein Nervengift, das ähnlich wirkt wie E 605. Es führt in höherer Dosierung zu Muskelkrämpfen, zu Zittern, sogar zum Tod. Die verbotene Substanz ist offenbar aus China eingeschmuggelt worden.

Für die Landwirte bedeuten die Nachrichten über verbotene Pestizide und überschrittene Grenzwerte ein wirtschaftliches Desaster. Nach dem Fund von Isofenphos-Methyl beispielsweise brach der Paprika-Preis ein. Der wirtschaftliche Schaden für die Bauern wird auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Reaktion auf Lebensmittel-Skandale

Dementsprechend hart griffen die Behörden durch, weitere schlechte Nachrichten kann sich die Region um Almería nicht leisten. Insgesamt wurden über 40 Gewächshäuser geschlossen, 50.000 Euro Strafe drohen den Landwirten, die das Gift versprüht haben. Auch die großen Supermärkte haben inzwischen reagiert. Lidl, Aldi, die Rewe- und Metro-Gruppe haben Grenzwerte für ihre Produkte eingeführt, die noch unter den gesetzlichen Höchstwerten liegen.

Unterschiedliche Grenzwerte

Ungelöst bleibt das grundsätzliche Problem der uneinheitlichen Lebensmittelstandards in den Mitgliedstaaten der EU. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) arbeitet derzeit an einer europaweiten Angleichung der Grenzwerte und kommt nur mühsam voran. Ein Zeitpunkt für die Harmonisierung konnte noch nicht festgelegt werden. (stl)

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