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Politik

Hinrichtung trotz massiver Proteste

In den USA ist erstmals seit fünf Jahren wieder eine zum Tode verurteilte Frau hingerichtet worden. Gegen die Exekution gab es weltweit Proteste. Hintergrund war unter anderem die geringe Intelligenz der 41-Jährigen.

Teresa Lewis (Foto: AP)

Mit der Giftspritze hingerichtet: Teresa Lewis

Nach Ansicht ihrer Anwälte grenzte der Geisteszustand von Teresa Lewis an eine Behinderung. Ihr Intelligenzquotienten lag laut einem Gutachten bei maximal 72 - und damit nur knapp über dem Wert, ab dem in den USA die Todesstrafe ausgeschlossen ist.

Dennoch starb die 41-Jährige am Donnerstagabend (23.09.2010) im Hochsicherheitsgefängnis von Greensville im US-Bundesstaat Virginia durch eine Giftspritze.

Motiv Habgier

Teresa Lewis war wegen Mordes an ihrem Ehemann und ihrem Stiefsohn verurteilt worden. Sie hatte gestanden, im Oktober 2002 zwei junge Männer für die Tat angeheuert zu haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte sie die beiden durch Manipulation und sexuelle Gefälligkeiten davon überzeugt, die Tat zu begehen. Als die Schüsse fielen und ihr Mann langsam verblutete, wartete sie im Nebenraum seinen Tod ab.

Als Motiv für die Tat sah das Gericht Habgier an. Die Frau habe eine Lebensversicherung in Höhe von einer Viertelmillion Dollar kassieren wollen.

Keine Gnade

Demonstranten mit Plakaten vor dem Gefängnis von Greensville im US-Bundesstaat Virginia (Foto: AP)

Demonstranten protestierten vor dem Gefängnis

Das Todesurteil gegen Teresa Lewis wird auch deshalb kritisiert, weil ihre beiden Komplizen, die den Mord letztlich ausführten, mit lebenslangen Haftstrafen davonkamen. Einer der beiden Täter hat sich im Gefängnis das Leben genommen.

Trotz heftiger öffentlicher Proteste und zahlreicher Anträge wurde die Vollstreckung weder von Virginias Gouverneur Bob McDonnell noch vom Obersten Gerichtshof der USA gestoppt. Die Europäische Union hatte mehrfach versucht, die Hinrichtung der jungen Großmutter aufzuhalten.

Zum Zeitpunkt der Exekution protestierten mehrere Dutzend Demonstranten vor dem Gefängnis. Die Familienmitglieder der Opfer verfolgten die Hinrichtung als Zeugen.

Große Reue

Teresa Lewis hatte ihre Mitwirkung an dem Mord nie bestritten und wiederholt große Reue bekundet. Auch in den Minuten vor der Exekution bat sie nach Medienberichten nochmals um Verzeihung.

Es war die erste Hinrichtung einer Frau in Virginia seit fast 100 Jahren. Im Jahr 1912 wurde die 17-jährige Afro-Amerikanerin Virginia Christian auf dem elektrischen Stuhl getötet. Unter den über 1200 Straftätern, die seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 in den USA hingerichtet wurden, waren nur elf Frauen.

Autor: Thomas Grimmer (dpa, epd, dapd)
Redaktion: Martin Muno

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