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Hingucker

Es steckt nicht immer drin, was draufsteht, bei Aufklebern auf dem Auto. Allemal geben sie Anlass zum Nachdenken, zum Ärgern, zum Schmunzeln – oder auch zur Kontaktaufnahme. Besonders an Ampeln oder im Stau.

Mit der mobilen Gesellschaft ist es so eine Sache – vor allem mit der automobilen. Längst dauern die Verkehrsmeldungen länger als die Kurznachrichten. Oft Staus ohne Ende. Blechlawinen. Stoßstange an Stoßstange. Wer mittendrin steckt, braucht Geduld. Und hat Zeit, sich umzuschauen.

Bekenntnisse

Dabei findet man meist was zu lesen: "Nicht hupen. Fahrer träumt vom FC Bayern München." Ein Aufkleber. An der Heckscheibe oder dem Kofferraumdeckel. Aha. Ein Fußballfan. Ob männlich oder weiblich; keine Ahnung. Ein anderer hat das Schalke-Symbol aufgeklebt. Bekennende Sportfreunde tun ihre Liebe und Leidenschaft mit Aufklebern kund. Schaut her: "I like TuS Neudorf"; wobei an der Stelle von "like" häufig ein feuerrotes Herzchen prangt.

Jeder Aufkleber enthält eine Botschaft. Die kleinen Hingucker sagen etwas über den oder die aus, von denen sie angebracht wurden. "Freiwillige Feuerwehr". Klarer Fall. Da sitzt jemand am Steuer, der uns sagen will: "Junge, wenn"s brennt, wir sind schon da!". Logo. Coole Typen, die von der Feuerwehr, auch noch freiwillig.

Klare Sprache

Ebenso lobenswert, was am Auto nebenan mit Ausrufezeichen versehen, gewissermaßen als Aufforderung und zur Nachahmung empfohlen, mitgeteilt wird: "Ich bremse auch für Tiere!" Ja, wir doch eigentlich auch, aber offensichtlich muss das so deutlich gesagt werden. Oder eben krasser: "Fleisch ist Mord". Nur: Was heißt da "gesagt"? Welche Sprache sprechen Aufkleber? Sie sind Aufforderungen: "Fahren Sie mir ruhig rein, ich kann das Geld gebrauchen!" Das ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten.

Weniger klar ist "Just Do It!" Ist das ein kleiner harmloser Hinweis auf den, der das angebracht hat? Schaut her, das mach ich und ist das nicht toll? Doch würde der Typ mit dem "Just Do It"-Aufkleber nicht ziemlich verdutzt dreinschauen, wenn er an der Ampel gefragt würde: "Hey Mann, was soll ich denn nun machen, was machst Du denn?"

Auch wortlos geht's

Was auch immer sie mitteilen, ein Kommunikationsmittel im eigentlichen Sinn sind Aufkleber nicht. Eher Feststellungen: "Ich spende Blut. Und Du?". Oder: "Mein Freund ist Ausländer". Solche Aufkleber öffnen ein Fensterchen, aber über den Raum dahinter lässt sich nur mutmaßen. Anders dagegen der Aufkleber "Corsica Ferries". Diese Aussage duldet keinen Widerspruch. Basta. Dieses Auto mit eben diesem Aufkleber war schon in Korsika und die Menschen, die in diesem Auto gefahren sind, finden Korsika samt den "Corsica Ferries" ganz toll. Nicht mehr und nicht weniger.

Manche Aufkleber kommen gänzlich ohne Worte aus. Die Dame im Cabrio, die sich gerade die Lippen nachzieht und konzentriert in den Kosmetikspiegel schaut, was hat die wohl hinten drauf? Richtig. Es ist der meist in metallisch schimmernder Folie dargestellte Umriss jener deutschen Insel, die mit keiner anderen verwechselt werden kann und deshalb auch keinen Text braucht: Sylt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Häppchen statt Currywurst.

Weit gereist und "on tour"

Nicht zu vergessen sind die politischen Aufkleber. "Arsch huh, Zäng ussenander!" Die Übersetzung aus dem Kölschen lautet "Hintern hoch, Zähne auseinander". Eine Aufforderung, aufzustehen und den Mund aufzumachen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Ein Spruch übrigens, der aus einem Lied der Kölner Gruppe BAP stammt und als Aufkleber tausendfach zu sehen war. Aber das nur nebenbei.

Immer noch gibt es die inzwischen fast nostalgisch anmutenden Aufkleber von dort, wo man war. Die Rückseiten der Wohnmobile und Wohnanhänger sind gepflastert mit diesen wappenähnlichen Beweisen für Weitgereiste. Schaut her, da waren wir überall schon gewesen und wir sind schon wieder unterwegs! "On tour" sind für alle, die es wissen, oder auch nicht wissen wollen, auch "Lara und Niklas"! Eben "Babies an Bord". Wahrscheinlich wäre lieber der Papa auf großer Tour, aber seit dem ersten Kind, das jetzt schon in die Schule geht, steht die alte E-Gitarre halt im Keller. Nix mit Band und "on stage".

Langweiler und Witzbolde

Wir überholen einen Pferdetransporter. "Achtung Turnierpferde" steht da groß drauf. Wie langweilig. Witziger ist da schon der Spruch: "Wenn Sie das hier lesen können, sind Sie schon zu dicht aufgefahren". Wie gut, dass wir im Stau stehen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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