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Kultur

Himmlischer Funke der Freude

Ja, es gibt sie: Göttliche Augenblicke der Freude, auch wenn die Fülle des Lebens immer noch bevorsteht – in der Dimension der Unendlichkeit, meint Hans-Peter Hecking im Wort zum Sonntag der katholischen Kirche.

Zeltlager Rückkehrer Juba Südsudan

Zeltlager Rückkehrer Juba Südsudan

„Freude! Menschen schlugen Purzelbäume vor Freude!“ Pater Callistus aus Sri Lanka erinnert sich noch genau an den 9. Juli 2011 in Juba, der Hauptstadt des Südsudan. Es war, als das Land endlich unabhängig wurde. „Freudenlieder, Fahnenschwenken, Freudentränen!“, erzählt Pater Callistus. „Tanzend und mit brennenden Kerzen in der Hand sangen Tausende 'Gott gab uns die Freiheit! Endlich Freiheit!'. Ihre Freude kam aus tiefster Seele.“

Deutsche erinnern sich noch heute an ähnlichen Freudentaumel beim Fall der Mauer in Berlin vor 23 Jahren. In solchen Momenten der Freude erleben wir, meine ich, etwas von dem, was die Bibel „Fülle des Lebens“ nennt. Die Anlässe dafür sind sehr verschieden. Welch ein „göttlicher“ Augenblick erfüllten Lebens war es zum Beispiel, als ich damals unser Neugeborenes zum ersten Mal im Arm hielt. Oder welch „himmlische“ Freude, das harmonische Eins Sein in der Klangfülle beim Chorgesang zu erleben. Andere freuen sich unendlich, wenn ein Treffer ins Tor den Lieblingsverein zum Sieger macht, die geliebte Rockband alte Hits spielt, sie beim Wiener Walzer schier übers Parkett schweben oder sie beim Fest endlich wieder den alten Schulfreund umarmen können.

Vorgeschmack der ewigen Freude

Doch wie flüchtig, wie vergänglich ist dieser himmlische Funke der Freude! Er leuchtet auf und verglüht. „Es wird wohl zu akzeptieren sein“, schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid, „dass ein Mensch in seiner Endlichkeit zwar an der Fülle des Lebens teilhaben kann, die gesamte Fülle aber in einer anderen Dimension, der Dimension der Unendlichkeit, zu finden ist“.[1]

Ja, die Glücksmomente, die wir jetzt schon gelegentlich erleben dürfen, sind nur ein Vorgeschmack der himmlischen Freude, die uns dereinst bei Gott erwartet. „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt Jesus (Joh 10,10). Mit seinen Worten und Taten schärft er unseren Blick dafür, was dieses „Leben in Fülle“ bedeutet. Ostern hat Gott an Jesus gezeigt, dass auch wir die gesamte, die unvergängliche „Fülle des Lebens“ in seinem Reich erwarten dürfen. Die Freude darüber ist sozusagen der ständig schwingende Grundton christlichen Glaubens.

Daran erinnern die Lesungen am dritten Advent morgen, dem Sonntag „Gaudete“. Das heißt übersetzt „Freut euch!“ „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4), schreibt Paulus an seine Gemeinde in Philippi. Und im gleichen Atemzug: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt“ (Phil 4,5). Die Geburt Christi und seine Verheißung des unsterblichen Lebens bei Gott ist für Christen und Christinnender Grund zur Freude. Und der Grund zugleich, diese Welt nach Gottes Willen zum Wohl aller ein Stück besser zu machen. Im Evangelium zum dritten Advent morgen steht, was Johannes der Täufer darunter versteht (Lk 3, 10-14). Auf den Punkt gebracht sagt er: Sorgt für eine gerechte Verteilung zwischen Besitzenden und Besitzlosen, übervorteilt niemanden, achtet die Würde eines jeden Menschen, seid genügsam und nutzt eure Position anderen gegenüber nicht aus!

Solidarität - ein kleiner Tropfen im Ozean

Überall, wo wir so aus der Freude am Glauben an Christus handeln, leisten wir unseren Beitrag für eine andere, eine bessere Welt. So wie etwa die Ordensleute der vielen Gemeinschaften aus aller Welt, die sich zur Initiative „Solidarity with South Sudan“ zusammengeschlossen haben. Gemeinsam leisten sie ihren Beitrag zum Aufbau des neuen Südsudan. Missio unterstützt sie dabei. In dem neuen Land können mehr als drei Viertel der Menschen nicht richtig Lesen und Schreiben. Krieg und Vertreibung führten dazu. Lehrer fehlen. „Solidarity“ hat deshalb bisher schon über 2.100 neue Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet. Oder: Südsudan hat in der Welt die höchste Mütter- und Kindersterblichkeit, das Gesundheitssystem ist miserabel. „Solidarity“ hat darum das erste Ausbildungszentrum für Krankenpflege und Geburtshilfe im Land eingerichtet. „Solidarity“ kümmert sich auch um die Fortbildung der Priester, Schwestern und Laien in den Bistümern. Das ist wichtig, denn die Menschen vertrauen ihrer Kirche, dass sie das Land auch weiter auf dem schwierigen Weg von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden voranbringt. Pater Callistus, der Priester aus Asien, der vom Tag der Unabhängigkeit erzählte, koordiniert die Solidarity-Aktion. „Wir wissen sehr wohl“, sagte er mir strahlend neulich in Juba, „dass unser Beitrag nur wie ein kleiner Tropfen im Ozean ist. Aber wir sind der kleine Tropfen, der mithilft, die Situation dauerhaft zu verändern. Ist das nicht allein schon ein Grund zur Freude?!“

Zum Autor:

Hans-Peter Hecking, Aachen

Hans-Peter Hecking, Aachen

Hans-Peter Hecking, katholischer Diplom Theologe, arbeitet als Länderreferent für missio Aachen. Im Bistum Trier wurde er zum Pastoralreferenten ausgebildet. Zahlreiche Recherche- und Projektreisen führen ihn in asiatische und afrikanische Länder, wo er Projekte begutachtet. Daneben ist er als freier Autor zu aktuellen Länderthemen tätig. Hans-Peter Hecking ist verheiratet und Vater von drei Kindern. In seiner Freizeit engagiert er sich im Aachener Kammerchor "Carmina Mundi".



[1] Wilhelm Schmid, Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist; Frankfurt am Main und Leipzig 2007 (ISBN 978-3-458-17373-1), S. 35

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