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Alltagsdeutsch – Podcast

Himmel und Hölle

"Liebe Kinder kommen in den Himmel, böse in die Hölle": Ein bekannter Elternspruch. Um den Himmel und die Hölle ranken sich viele Redensarten. Da werden etwa Teufel an die Wand gemalt – Himmel hängen voller Geigen.

Sprecher:

Im Mittelalter hat die Vorstellung von Himmel und Hölle eine große Rolle gespielt. Während den Frommen nach dem Tod himmlische Freuden bevorstanden, mussten die Gottlosen damit rechnen, in der Hölle zu enden. Die mittelalterliche Kirche hatte in diesem Weltbild eine wichtige Funktion. Sie war das Tor zu einem gottgefälligen Leben, und damit zu der Aussicht, in den Himmel zu kommen. Verweigerte sich der Gläubige ihren Vorschriften, dann waren ihm ewige Höllenqualen sicher. Durch grelle Schilderungen der Unterwelt versuchten die Geistlichen auf die Menschen einzuwirken. Besonders den Sterbenden wurden noch einmal in aller Lebendigkeit die Marter der Hölle vor Augen geführt. Die Priester machten ihnen die Hölle heiß.

Sprecherin:

Heute erschrecken uns die Geistlichen zum Glück nicht mehr mit grausigen Beschreibungen der Hölle, aber viele Redewendungen über Himmel und Hölle haben sich bis heute erhalten und Leute, die Anderen die Hölle heiß machen, gibt es immer noch, wie ich bei meiner Umfrage festgestellt habe.

O-Töne:

"Wenn ich jemandem die Hölle heiß machen will, dann bedeutet das für mich jemanden wirklich unter Druck zu etwas zu bringen, was er bis jetzt noch nicht getan hat. / Wenn man zeitlich bei einer Sache unter Druck gesetzt wird, etwas ganz dringend zu machen, dass man auch richtig ins Schwitzen kommt, und sich dann vorkommt, als wenn man in der Hölle wäre, wo man ja gebraten wird. Kommt sicherlich vor. / Ich mach selbst jemandem gern die Hölle heiß./ Ich mach ihm solange… Ich verärgere ihn solange bis er richtig sauer wird und ausrastet und das …, eventuell dann das tut, was ich will."

Sprecherin:

Wie einst der mittelalterliche Geistliche, so setzen auch heute manche Leute Anderen heftig zu, sie machen Anderen die Hölle heiß. Das ist zwar nicht mehr ganz so furchterregend wie noch im Mittelalter, kann aber doch immer noch sehr unangenehm sein. Die zuletzt befragte Dame hat die Erfahrung gemacht, dass Leute mitunter richtig sauer werden und ausrasten, wenn ihnen die Hölle heiß gemacht wird.

Sprecher:

Der Ausdruck sauer werden spielt auf Lebensmittel an, die viel Säure enthalten. Jemand, der sauer ist, macht ein Gesicht, als ob er gerade beispielsweise in einen sauren Apfel gebissen hätte. Er ist also ärgerlich und verdrießlich. Jemand, der ausrastet, ist dagegen schon richtig wütend und verliert in seiner Wut die Kontrolle über sich. Mit dem Ausrasten ist ursprünglich ein technischer Vorgang gemeint, nämlich ein Gegenstand, der sich aus seiner Halterung löst, wie beispielsweise ein Schalthebel. Wie dieser jeden Halt verliert, wenn er ausrastet, so verliert ein Mensch, der ausrastet seine Fassung. Er wird vermutlich laut schreien und Dinge sagen und tun, die ihm hinterher Leid tun.

Sprecherin:

Aber die Aussicht, dass jemand anderes ausrastet, weil sie ihn zu sehr ärgert, scheint die befragte Dame nicht sonderlich zu stören. Sie ist ein richtiger Teufelsbraten, eine launenhafte Natur, die ihren Mitmenschen ganz schön zusetzen kann. Und wo wir schon beim Braten sind: Sie muss aufpassen, dass sie mit dieser Art nicht doch mal in Teufels Küche kommt.

O-Töne:

"Das heißt, in irgendeine Situation zu geraten, wo ich dann nicht mehr so recht ein und aus weiß. / Aus dem Beruf gibt es eine Menge Möglichkeiten bei mir, in Teufels Küche zu kommen. Wenn ich zum Beispiel als Tischler, der ich bin, Holz falsch auswähle; das ganze Möbel wird krumm und schief; dann kann ich mir vorher schon überlegen, ob ich mit dem Holz nicht vielleicht in Teufels Küche komme. / Wenn ich lüge, wenn ich absichtlich lüge; die Lüge fliegt auf, dann komm' ich bestimmt in Teufels Küche, je nachdem wie hart die Lüge war."

Sprecher:

Nach altem Volksglauben hatte der Teufel eine Küche, in der die Hexen und Zauberer am Werke waren. Teufelsküche ist ein Synonym für die Hölle. Heute ist damit eine schwierige Situation gemeint. Wenn der befragte Tischler das falsche Holz gewählt hat, kommt er in Schwierigkeiten, weil das Möbelstück misslingt und er seinen Auftrag nicht erfüllen kann. Ebenso kann derjenige in eine sehr unangenehme Situation geraten, der beim Lügen ertappt wird.

Sprecherin:

In solchen Fällen sind wir mitunter ratlos, wie die arme Seele, die sich in der Hölle wiederfindet. Wir wissen dann nicht aus noch ein. Dabei ist es meistens schon vorherzusehen, dass wir uns mit einem bestimmten Verhalten in Teufels Küche bringen. Wenn wir zum Beispiel lügen, müssen wir damit rechnen, dass die Lüge entdeckt wird und dass wir dann mit anderen Worten auffliegen. Manche Menschen lügen allerdings so dreist, dass ihnen jeder Glauben schenkt. Sie lügen wie man auch sagen könnte auf Teufel komm' raus.

O-Ton:

"Etwas auf Teufel komm' raus tun kann bedeuten, etwas gegen die Vernunft zu tun. Aber weil ich mir zum Beispiel etwas in den Kopf gesetzt habe, dass es unbedingt gehen muss, versuch' ich alles zu tun, um das durchbringen und achte auch gar nicht darauf, ob das jetzt sinnvoll ist, ob das überhaupt klappen kann, sondern es geht für mich darum, irgendwie etwas zu erreichen, was vielleicht gar nicht zu erreichen ist."

Sprecher:

Den Ausdruck auf Teufel komm' raus lügen liegt die Vorstellung zu Grunde, dass der Mensch auch mit verwerflichen Handlungen den Teufel anlocken kann. Wer lügt nimmt in Kauf, dass der Teufel Macht über ihn gewinnt, denn die Lüge ist sozusagen sein Aufgabengebiet. Im modernen Sprachgebrauch ist die Redensart auch auf andere Lebensbereiche übertragen worden.

Sprecherin:

Der befragte Herr mag manchmal einfach nicht von einem Vorhaben ablassen. Er hat sich das Vorhaben dann, wie er sagt, in den Kopf gesetzt und da sitzt es dann und geht so schnell auch nicht wieder raus. In seinem Eifer überlegt er sich dabei mitunter gar nicht mehr, ob das, was er vorhat, überhaupt gelingen kann, wie geplant, ob es – umgangssprachlich ausgedrückt – überhaupt klappen kann.

Sprecher:

Das Verb klappen steht lautmalerisch für einen Vorgang, der mit einem Geräusch abgeschlossen wird. Das Geräusch des Deckels, der auf einen Topf gesetzt wird, signalisiert beispielsweise, dass der Deckel auf den Topf passt. Etwas, das klappt, ist – mit anderen Worten – geglückt. Es hat funktioniert. Auch als Erdenbürger stand der Mensch des Mittelalters immer in Gefahr, dem Teufel in die Hände zu fallen. Und es war schnell geschehen, denn der Herr der Hölle war ein äußerst hellhöriges Wesen. Nach altem Volksglauben brauchte man nur seinen Namen zu nennen, schon war er da. Wenn man vom Teufel spricht, dann kommt er, sagt man noch heute. Damit ist allerdings nicht mehr der Teufel gemeint. Die angesprochene Person hat mit dem Herrn der Hölle nur noch das gemein, dass sie einen Raum just in dem Moment betritt, in dem über sie gesprochen wird. Die betreffende Person wird quasi wie der Teufel durch ihren Namen herbeigerufen.

Sprecherin:

Aber nicht nur sein Name, sondern auch sein Bild konnte den Teufel herbeizaubern. Es ist darum einer anderen Redensart nach nicht gut, den Teufel an die Wand zu malen. Davon wurde mir auch bei meiner Umfrage abgeraten.

O-Töne:

"Man soll nicht das Unglück voraussagen, also man soll nicht den Teufel schon an die Wand malen, dass es kommen kann. / Was vorhersehen, schwarz sehen in die Zukunft hinein. Irgendetwas, was wahrscheinlich gar nicht eintreffen muss, aber eintreffen könnte. In jedem Fall was Düsteres. / Eine schlechte Sache irgendwie vorausahnen oder so, oder voraussagen. Oder wenn man unkt, also sagen wir was schlechter macht, als man es in Wirklichkeit vielleicht denkt."

Sprecher:

Ursprünglich waren mit dem Teufel an der Wand die Zeichen gemeint, die man sich über die Tür malte. Wer sich statt des Segenszeichens, die Zeichen des Teufels über die Tür malte, holte sich den Herrn der Hölle selbst ins Haus. Heute steht der Teufel für das Unheil schlechthin. Wer den Teufel an die Wand malt, beschwört durch leichtsinniges Gerede ein Unglück herauf, für das es an sich gar keine Anzeichen gibt. Dabei kann es sein, dass der Betreffende selbst gar nicht an das Unglück glaubt, sondern nur mit dem Gedanken spielt, dass es eintreffen könnte. Es kann aber auch sein, dass er ein ausgemachter Pessimist ist, der schon bei blauem Himmel ein Unwetter heraufziehen sieht. Ein solcher Pessimist sieht die Zukunft in düsteren Farben. Er sieht schwarz oder, wie man auch sagen könnte, er unkt. Der Ausdruck unken führt uns wieder zu einer abergläubischen Vorstellung. Danach kündigten die Unke, die Kröte ebenso wie Kauz und Eule ein Unglück an. Allen Unkenrufen zum Trotz sagt man auch, wenn ein Unternehmen trotz schlechter Vorraussagen geglückt ist.

Sprecherin:

Während die Hölle im Mittelalter als Ort ewiger Qualen gedacht wird, ist der Himmel natürlich der Ort der Glückseligkeit, hier thront Gott mit seinem Hofstaat, den Engeln, und die Seelen haben ihren Frieden. Manch einer träumt auch heutzutage noch davon, in den Himmel zu kommen.

Musik: Max Raabe und Orchester "Ich tanze mit dir in den Himmel hinein"

"Ich tanze mit dir in den Himmel hinein,

in den siebenten Himmel der Liebe…"

Sprecher:

Aus der jüdischen Tradition wurde die Vorstellung übernommen, dass der Himmel in verschiedene Himmelsphären aufgeteilt ist. Gott hatte seinen Sitz hiernach im obersten und heiligsten, nämlich im siebten Himmel. Im siebten Himmel sein gilt auch heute noch als absolute Glückseligkeit.

O-Töne:

"Wenn man heiratet, dann ist man im siebten Himmel. Oder wenn man im Lotto gewonnen hätte oder hat, ist man im siebten Himmel. Es gibt mehrere Situationen, wo man im siebten Himmel ist vor Glück oder Freude. / Natürlich war ich in meinem Alter schon öfter mal im siebten Himmel. Ja, und es hat dann immer was mit einem Mann zu tun gehabt. Oder auch mit der Geburt meiner Kinder, das waren auch so himmlische Augenblicke."

Sprecher:

In der Vorfreude auf den Himmel haben sich die Menschen immer schon ausgemalt, wie es dort wohl zugehen könnte. Und diese Vorstellungen fielen je nach Jahrhundert natürlich ganz unterschiedlich aus. In der Malerei der späten Gotik und Frührenaissance wurde der Himmel mit musizierenden Engeln bevölkert. Jemandem hängt der Himmel voller Geigen, sagt man darum auch über jemanden, der überglücklich ist.

Sprecherin:

Mit dem Glück ist das ja immer so eine Sache. Wer im siebten Himmel schwebt, kann tief fallen. Aber man muss nicht im siebten Himmel schweben, um aus allen Wolken zu fallen. Jemand, der aus allen Wolken fällt, wird mit anderen Worten unvorbereitet mit einer unangenehmen Tatsache konfrontiert. Wir können himmlische Momente in unserem Leben nicht herbeizaubern, aber wir können versuchen das, was uns besonders wichtig ist, auch zu erreichen. Dafür müssen wir manchmal Himmel und Erde in Bewegung setzen.

O-Töne:

"Ja, das ist mir sehr vertraut. Also ich bin wahrscheinlich so ein Typ, der das macht. Wenn ich irgendwas will, dann versuch ich es auch mit viel Energie durchzusetzen. Also auch dann andere Leute einzuspannen, wenn ich es irgend kann. Also ja, zu meinem Ziel zu kommen. / Wenn ich auf Diät bin und sehe ein Riesenstück Torte im Schaufenster oder ein Steak, das ist noch viel besser, dann mach ich alles, damit ich das Steak bekomme. Ich ändere meine Kalorientabelle, ich sag', ab morgen mach' ich weiter. Aber ich tu' wirkliche alles, damit ich das bekomme, was ich begehre."

Sprecher:

Der Ausdruck Himmel und Erde in Bewegung setzen geht ursprünglich auf die Propheten des Alten Testaments zurück. Sie drohten nämlich dem Volk Israel damit, dass der Herr Zebaot Himmel und Erde, Meer und Land in Bewegung setzen werde, wenn sein Volk weiterhin die Gebote übertreten sollte. Gott scheute – mit anderen Worten – keinen Aufwand, um sein Volk für sich zu gewinnen.

Sprecherin:

Diese Bedeutung ist schon einigermaßen verblasst. Wie wir sehen gibt es Leute, die schon für ein Steak Himmel und Erde setzen. Wenn wir etwas wirklich erreichen wollen, dann dürfen wir – wie der Gott Israels – keinen Aufwand scheuen. Und dazu gehört auch, dass wir die Hilfe Anderer in Anspruch nehmen, dass wir Andere für unsere Pläne einspannen.

Sprecher:

Das Einspannen bezieht sich ursprünglich auf Kutschpferde, die vor den Wagen gespannt werden. Wie der Kutscher seine Pferde für sich arbeiten lässt, indem er sie vor seinen Wagen spannt, so können wir, bildlich gesehen, andere Menschen für uns arbeiten lassen. Wir können sie für unsere Pläne einspannen.

Sprecherin:

Gott ist dem ein oder anderen von uns aus Kindertagen noch als der gütige alte Herr mit dem weißen Rauschebart in Erinnerung. Dieses Bild sollte den lieben Gott darstellen, der weder Strenge noch Strafe kennt. An den lieben Gott glaubt als Erwachsener keiner mehr, aber manche Erwachsene lassen noch ab und zu den lieben Gott einen guten Mann sein.

O-Ton:

"Den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, heißt für mich einfach etwas zu tun, was vielleicht dem lieben Gott nicht gefällt, was ich aber trotzdem tue, zum Beispiel mal einen Tag lang zu faulenzen; oder mich um etwas nicht zu kümmern, was ich ja vielleicht morgen auch noch machen kann, Dinge auf morgen zu verschieben, mir einfach eine schöne Zeit machen."

Sprecher:

Wer den lieben Gott einen guten Mann sein lässt, kann unbekümmert und sorglos leben, denn er hat keine Strafe zu befürchten. Er kann sich beispielsweise mal einen schönen Tag machen statt zu arbeiten, ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu haben.

Fragen zum Text

Jemandem die Hölle heiß machen bedeutet,

1. den Backofen vorzuwärmen.

2. für jemanden zu schwärmen.

3. jemandem heftig zuzusetzen.

Wer im siebten Himmel schwebt, der ...

1. ist sehr glücklich.

2. befindet sich in einer Höhe von mehr als zehn Kilometern.

3. ist sieben Tage lang in der Luft.

Der Herr Zebaot sollte der Prophezeiung nach … in Bewegung setzen.

1. Luft und Erde, Wasser und Land

2. Himmel und Erde, Meer und Land

3. Land und Wasser, Himmel und Luft

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie eine Geschichte über jemanden, für den der Himmel voller Geigen hängt. Verwenden Sie dabei möglichst viele Redewendungen aus dieser Alltagsdeutsch-Folge.

Autorin: Annette Schmidt

Redaktion: Beatrice Warken

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