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Kultur

Himmel, Hölle, Doppel-Gold

Dem Schock folgte Doppel-Gold: Die 41-jährige Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy feierte nach einem unglaublichen Wechselbad der Gefühle einen zweifachen olympischen Triumph mit der Mannschaft und im Einzelwettbewerb.

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Bettina Hoy mit zweimal Gold

Nach einem Wechselbad der Gefühle zwischen Himmel und Hölle gab es für die deutschen "Buschreiter" ein doppeltes Happy End in Gold. 2:40 Stunden nach dem Sieg in der Mannschaft, der erst am grünen Tisch bestätigt wurde, triumphierte Bettina Hoy auch in der Einzelwertung. Es war das erste deutsche Doppel-Gold nach 68 Jahren. 1936 in Berlin hatten Ludwig Stubbendorff und die Equipe ebenfalls gewonnen.

In Athen erfolgte der Ritt ins Glück allerdings mit Verspätung. Denn das "Team Germany" war zunächst wegen eines vermeintlichen Regelverstoßes von Bettina Hoy nach dem Protest der Technischen Kommission der Olympiasieg aberkannt worden. Die deutsche Mannschaftsleitung legte gegen das Urteil der Ground Jury unter Vorsitz des Deutschen Christoph Hess ihrerseits Einspruch ein. Diesem gab schließlich die Berufungskommission nach Ansicht der Videobilder statt und revidierte damit die zunächst getroffene Entscheidung.

Demnach sollte Bettina Hoy als letzte deutsche Reiterin mit Ringwood Cockatoo nachträglich zwölf Fehlerpunkte für Zeitüberschreitung erhalten. Der Protest basierte darauf, dass Hoy nach Anklingeln der Vorbereitungszeit (45 Sekunden), in der der Start erfolgen muss, bei einer Volte über die Startlinie geritten sei, die Zeitnahme aber nicht auslöst habe. Erst beim richtigen Anreiten sei die Zeit angelaufen.

"Wie ein verstopftes Klo"

"Nach dem Hin und Her fühlt man sich wie ein verstopftes Klo. Wir haben dann erstmal die Regelbücher gewälzt, aber die Stimmung war im Arsch. Nach der Anhörung ist herausgekommen, dass der Fehler nicht zu Lasten der Reiterin ausgelegt werden konnte", sagte Reinhardt Wendt, Chef d'Equipe der Reiter.

Unglaubliche Jubelszenen spielten sich ab, als Hoy mit Ringwood Cockatoo, Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius, Frank Ostholt (Warendorf) mit Air Jordan, Andreas Dibowski (Döhle) mit Little Lemon und Ingrid Klimke (Münster) mit Sleep Late doch wieder die großen Gewinner waren.

Mit 133,80 Punkten lag man deutlich vor Weltmeister Frankreich (140,40) und Großbritannien (143,00). Auch die deutschen Spring- und Dressurreiter feierten mit Hoy und Co. Für die 41-Jährige galt es nach den Nerven aufreibenden Stunden anschließend, noch einmal über sich hinauszuwachsen. Denn auch im Einzelwettbewerb ging sie wieder als Zweite - und nicht als Achte wie nach der Bestrafung - ins abschließende Springen.

Am Abend in der Einzelentscheidung bewies Hoy ihre enorme Nervenstärke, als sie sich nach dem ganzen Hickhack um das Mannschafts-Gold nur einen Abwurf und zwei Fehlerpunkte für Zeitüberschreitung leistete und davon profitierte, dass der in Führung liegende Franzose Nicolas Touzaint als Schlussreiter mehrfach patzte. Silber gewann die Britin Leslie Law, Dritte wurde Kimberly Severson aus den USA. "So was kann man sich in den wildesten Träumen nicht vorstellen", sagte Hoy nach dem Doppellerfolg tränenüberströmt. "Das ist einfach unglaublich."

Allerdings kündigte der Trainer der viertplatzierten US-Mannschaft an, das drei Teams einen Protest gegen die Wertung erwägen. Der Ausgang ist bekannt ...

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