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Amerika

Hillary Clintons neues Leben

Zum ersten Mal seit 34 Jahren steht die bisherige US-Außenministerin bald nicht mehr im Rampenlicht. Doch alles, was Hillary Clinton sagt und tut, wird wohl auch künftig genauestens beobachtet werden.

In der Zeit von 1979 bist 2001 war Hillary Clinton - mit nur zwei Jahren Unterbrechung - durchgängig eine "First Lady": zuerst für den Bundesstaat Arkansas, dann für die USA. Noch während der zweiten Amtszeit ihres Mannes als US-Präsident kandidierte sie erfolgreich für den US-Senat, wo sie als Senatorin von 2001 bis 2009 den Bundesstaat New York repräsentierte. Vor Ablauf dieses Mandats startete sie ihre Kampagne für die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Und Mitte November 2008 verhandelte sie dann mit dem Mann über den Posten der Außenministerin, gegen den sie das Rennen verloren hatte: mit dem designierten US-Präsidenten Barack Obama.

Bill Clinton (R) und Hillary Rodham Clinton (Foto: picture-alliance/dpa)

Bill Clinton rät seiner Frau, sich Zeit für eine Entscheidung zu nehmen

Jetzt räumt sie ihren Schreibtisch im State Department: Mit einer Rekordbilanz - 112 besuchte Länder in nur einer Amtsperiode hat keiner ihrer Vorgänger geschafft - und einem Blutgerinnsel im Kopf nach einem Sturz wegen eines Ohnmachtsanfalls. Sie wird nun mit einem Zustand konfrontiert werden, der ungewohnt ist für eine Frau, die mehr als dreißig Jahre lang im Zentrum des öffentlichen Interesses gestanden hat: Ruhe.

"Ich rate ihr, sich erstmal auszuruhen und dann zu entscheiden, was sie mit dem Rest ihres Lebens machen will", sagte ihr Mann Bill kürzlich in einem Fernsehinterview anlässlich der Jahreskonferenz der Clinton-Stiftung. "Und wenn sie dann zu dem Schluss kommt, eine Präsidentschaftskandidatur könnte das richtige sein für sie, für Amerika und für die Welt, dann sollte sie es machen. Wenn nicht, sollte sie es lassen."

Spagat zwischen Idealismus und Realismus

"Jeder, der Hillary Clinton beobachtet hat, wird erkennen, dass sie sehr gerne Präsidentin der Vereinigten Staaten geworden wäre", sagt Nicole Krassas, Professorin für Politikwissenschaft an der Eastern Connecticut State University und Co-Autorin des Buches "Hillary Clinton: A Biography" im DW-Interview. Gleichwohl dürfte sich ihr Kalkül geändert haben, meint Krassas. Während einige Beobachter bei Clinton eine Art moralischer Verpflichtung für eine Präsidentschaftskandidatur sehen - sei es wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für Sozialfürsorge, Frauenrechte, Kinder und Erziehung oder einfach, weil die Demokraten momentan keinen aussichtsreicheren Kandidaten haben - ist Krassas überzeugt, dass Clinton anders rechnet.

US-Außenministerin Hillary Clinton (L) und ihr chinesischer Amtskollege Yang Jiechi in Beijing (Foto: Reuters)

Clinton legte in den vier Jahren ihrer Amtszeit rund 1,5 Millionen Kilometer zurück (Foto: Reuters)

"Wenn sie erwarten würde zu verlieren, oder dass auch nur die Möglichkeit besteht, die Nominierung oder die Präsidentschaftswahl zu verlieren, würde sie ihren Hut nicht in den Ring werfen. Sie ist eine sehr pragmatische Persönlichkeit und hat in ihrem Leben genügend Kampagnen mitgemacht um zu wissen, wann sie gewinnen kann und wann nicht."

Den Stachel der Niederlage gegen Barack Obama bei den Vorwahlen der Demokraten 2008 spüre Clinton noch immer, glaubt die Politikwissenschaftlerin. Es gebe aber noch einen weiteren Aspekt: "2016 wird sie 69 Jahre alt sein. Bei John McCain und Bob Dole war das ein Thema. Deshalb wird sie sich auch darüber Gedanken machen", sagt Krassas.

Republikaner sind besorgt

Während die demokratischen Strategen sich darüber Gedanken machen, ob Clinton sich für das Präsidentenamt bewerben wird oder nicht, bereiten sich die Republikaner schon auf das Unausweichliche vor: "Die republikanische Partei ist unfähig zu einem Wettkampf auf solchem Niveau", warnte der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, in Anspielung auf das große politische und wirtschaftliche Potenzial der Clintons.

Mike Murphy, der so bekannte Republikaner wie Arnold Schwarzenegger und John McCain bei ihren Kandidaturen beraten hat, hält Gingrichs Aussage für eine Übertreibung: "Frau Clinton wäre eine sehr starke Kandidatin", sagt er im Gespräch mit der DW. "Aber kein Kandidat ist unausweichlich, wie wir aus Clintons verlorenem Duell gegen Barack Obama 2008 gelernt haben."

Der designierte US-Außenminister John Kerry (Foto: Reuters)

Der designierte US-Außenminister Kerry tritt in große Fußstapfen

Während der kommenden drei Jahre werden Clintons Worte und Taten sehr genau beobachtet werden. Doch wie rational sie in den Jahren im politischen Geschäft auch geworden sein mag - ihre Entscheidung wird am Ende möglicherweise doch nicht allein von praktischen Überlegungen geleitet sein. In ihrer Autobiografie erzählt sie von ihrer Entscheidung, ihrem damaligen Freund Bill Clinton nach Arkansas zu folgen - in einen Staat, der wesentlich geringere politische Perspektiven bot als Washington DC. "Ich beschloss, meinem Herzen zu folgen, nicht meinem Verstand", heißt es dort.

Auch das Alter könnte am Ende nicht der ausschlaggebenden Grund gegen eine Kandidatur Clintons sein. Als 22-Jährige beendete sie 1969 ihre Rede bei der Abschlussfeier am Wellesley College - ein Auftritt, der ihr landesweit Beachtung bescherte - mit einem Gedicht ihrer Kommilitonin Nancy Scheibner: "Wir sollen in jedem Moment unseres Lebens nach unseren Grenzen trachten. Und wenn wir die Grenzen erkannt haben, sollen wir erkennen, dass keine Begrenzungen mehr existieren." Es könnte auch eine Zusammenfassung von Clintons bisheriger Karriere sein.

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