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Politik

Hillary Clinton - Der Phönix aus der Asche

In der Außenpolitik waren sie kürzlich noch Feinde. Clintons Vorwurf an Obama: naiv und unerfahren. Obamas Konter: ihre Erfahrung beschränke sich auf Kaffeekränzchen mit Staatsoberhäuptern. Das ist Schnee von gestern.

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Etwas einsam saß die ehemalige First Lady bei der Anhörung hinter einem großen schwarzen Tisch einer Horde von Senatoren gegenüber, die sie mit Fragen zum Gaza-Konflikt, Irans Streben nach Atomwaffen oder zur politischen Lage in Georgien bombardierten. Doch keine Sekunde bestand Zweifel daran: Dort vorne sitzt keine Wahlverliererin. Gestärkt durch die Anwesenheit ihrer Tochter Chelsea, die im schicken lilafarbenen Kleid hinter ihrer Mutter saß, aber ohne Rückendeckung ihres Mannes Bill, beantwortete Clinton kompetent und selbstsicher alle Fragen und stellte erneut ihren scharfen Intellekt unter Beweis.

Wie immer hatte Clinton ihre Hausaufgaben gemacht. Mit der ihr eigenen eisernen Disziplin und Ausdauer hatte sie sich auf die Außenpolitik gestürzt, war zwischen Außenministerium, dem Sitz von Obamas Übergangsteam und ihrem Senatsbüro hin- und hergependelt und hatte sich mit jedem Mitglied des Außenpolitik-Ausschusses persönlich getroffen. Nicht allen ist diese Strebsamkeit und Clintons unbedingter Wille zur Macht sympathisch – nicht zuletzt deshalb polarisiert die ehemalige Senatorin New Yorks wie kaum ein anderer Politiker die amerikanische Bevölkerung.

Hillarys Durchmarsch

Von ihren Senatskollegen wird ihre Kompetenz nicht angezweifelt. Die Anhörung glich denn auch mehr einer Laudatio auf Clinton und weniger einem Verhör. Schon zuvor war klar, dass die Anhörung zur Bestätigung als Außenministerin ein Durchmarsch für Hillary Clinton werden würde. Der Außenpolitik-Ausschuss jedenfalls war sich ihrer fachlichen Eignung so sicher, dass er für die Anhörung nur einen Tag angesetzt hatte – einige ihrer Vorgänger mussten dem Komitee dagegen bis zu fünf Tage lang Rede und Antwort stehen. Ihre Samthandschuhe zogen die Senatoren in Clintons Anhörung nur kurz aus, als es um ihren Ehemann Bill und seine Stiftung ging. Die Politiker befürchten, dass ausländische Staaten durch Spenden an die Clinton-Stiftung versuchen könnten, Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik zu gewinnen.

Das Alphaweibchen muss sich unterordnen

Mit Spannung war erwartet worden, ob sich das Alphaweibchen Clinton ihrem ehemaligen Konkurrenten Obama würde unterordnen können. Doch auch diese Hürde meisterte sie mit Leichtigkeit. Immer wieder war zu hören: "Der gewählte Präsident und ich sind uns einig". Fast schien es, als hätte die designierte Außenministerin Kreide gefressen.

Clintons Nominierung gilt als der beste Beleg für Obamas Willen, ein "Team of Rivals" aufzustellen. Nicht alle unterstellen Obama jedoch gänzlich uneigennützige Motive. "Er gibt ihr einen Posten, damit sie stillhält", spekuliert etwa der Kommentator eines US-Fernsehsenders. Andere wiederum weisen darauf hin, dass Clintons Macht in dem "außenpolitischen Triumvirat" der ehemaligen Senatoren Obama, Joe Biden und ihr selbst äußerst beschränkt sei. Denn Vizepräsident Biden ist als langjähriger Vorsitzender des Außenpolitik-Ausschusses des Senats ein ausgesprochener Auslandsexperte. Und auch John Kerry, der selbst gerne Außenminister geworden wäre und nun dem Außenpolitik-Ausschuss des Senats vorsitzt, wird in vielen internationalen Fragen ein Wörtchen mitreden wollen. Damit wird sich die künftige Außenministerin abfinden. Das politische Stehaufmännchen Hillary Clinton weiß nicht nur von Colin Powell, dass beim Präsidenten in Ungnade gefallene Außenminister selten wieder aufstehen. Und sie wird sich immer wieder an die Worte eines früheren Beraters von Bill erinnern, der voraussagte: "Wenn Hillary diesen Job gut macht, hat sie die besten Voraussetzungen, um erneut für die Präsidentschaft zu kandidieren."