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Europa

Hilfstransporte aus Deutschland für die Flutopfer in Bosnien

Sie sammeln Spenden und fahren mitunter sogar persönlich in die überschwemmten Gebiete: Deutsche und Bosnier, die in der Bundesrepublik leben, engagieren sich für die Opfer des Hochwassers in Bosnien.

Enes Sinanovic und Kasim Hodzic aus Köln vor dem Minibus, mit dem sie Hilfsgüter nach Bosnien transportieren werden (Foto: DW/Smajic)

Startklar: Enes Sinanovic (r.) und Kasim Hodzic aus Köln

Bald geht es los: Die beiden Kölner Enes Sinanovic und Kasim Hodzic packen Reis, Dosengerichte, Kleider und Waschpulver in einen Minibus. Mindestens 20 Stunden lang werden sie unterwegs sein, bevor sie ihr Geburtsland Bosnien-Herzegowina erreichen. Dort wollen sie die Hilfsgüter an Opfer der verheerenden Überschwemmungen verteilen - in den kleinen Dörfern Paraci, Horozovina, Seljublje und Hrasno im Kanton Tuzla. "Diese abgelegenen Dörfer sind schwer zu erreichen, über sie wird in den Medien kaum berichtet und sie erhalten auch wenig humanitäre Hilfe", erklärt Enes Sinanovic. Deshalb wollen die beiden Freunde aus Köln diese Lücke füllen. Die Straßen zu den Dörfern sind in den letzten Tagen durch Erdrutsche zerstört worden. Trotzdem verlieren die beiden Freunde aus Köln nicht den Mut. "Durch einen starken Willen und Motivation - Eigenschaften, die wir auch an den Deutschen sehr bewundern - werden wir es schaffen, die Spenden dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden."

Die Idee zu diesem Hilfstransport stamme ursprünglich von seinem deutschem Chef, so Sinanovic. Theodor Josef Greif, Immobilienmakler und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Köln, habe per E-mail die Mitarbeiter seiner Immobilienfirma zu Geld- und Sachspenden für Flutopfer in Bosnien aufgerufen und Enes Sinanovic als Ansprechpartner benannt. "Am Montag (19.05.2014) hat er mich in sein Büro gebeten und gesagt: Wir müssen handeln. Er erklärte sich dazu bereit, mich für einige Zeit von der Arbeit zu beurlauben, damit ich Sachspenden nach Bosnien bringen könnte."

Pakte mit Hilfsgütern für Flutopfer in Bosnien, die Amira Djember in Düsseldorf vorbereitet hat (Foto: Help Bosnia)

Hilfspakete für Flutopfer - gesammelt von Amira Djember aus Düsseldorf

Von dem gesammelten Betrag wurden inzwischen weitere Hilfsgüter gekauft. Enes Sinanovic und Kasim Hodzic haben alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungen für die Reise. Ständig klingelt Sinanovics Handy - meistens sind es deutsche Bekannte und Freunde, die wissen möchten, wann und wo sie weitere Sachspenden für den Transport nach Bosnien abgeben können.

In Deutschland gibt es viele private Spendenaktionen für die Flutopfer in Bosnien, Serbien und Kroatien. Am Mittwoch teilte das Auswärtige Amt mit, dass die deutsche Hilfe für die Krisenregion von staatlicher Seite auf insgesamt eine Million Euro aufgestockt wird.

Angst vor Missbrauch von Spenden

Viele private Hilfsaktionen werden über Soziale Netzwerke koordiniert: zum Beispiel von Amira Djember, Leiterin einer Agentur für Kinderbetreuung in Düsseldorf. Die gebürtige Bosnierin hat über Facebook Spendenaktionen in Düsseldorf und Mettmann gestartet. Die Bereitschaft zu spenden sei in Deutschland zwar groß: "Doch viele Menschen haben Angst, dass ihre Spenden in die falschen Hände geraten", sagt sie. Daher würden sich viele lieber direkt ins Auto setzen und Hilfsgüter nach Bosnien bringen, als sie Organisationen anzuvertrauen.

Timo Stegelmann, Projektkoordinator für Südosteuropa bei der humanitären Organisation Help (Foto: Help)

Stegelmann: "Es gibt Gerüchte, dass Hilfsgüter weiterverkauft wurden"

Dass diese Sorge manchmal berechtigt ist, bestätigt Timo Stegelmann, Projektbetreuer für Südosteuropa bei der humanitären Organisation "Help - Hilfe zur Selbsthilfe". Von Bonn aus koordiniert er Einsätze im Katastrophengebiet. "Es gibt Gerüchte, dass einige Spenden für Flutopfer in Bosnien tatsächlich weiterverkauft wurden." Seine Organisation kontrolliere deshalb sehr aufmerksam, dass die Spenden auch wirklich bei den Bedürftigen ankommen würden. Misstrauen gebe es immer, doch man solle dadurch nicht seine Hilfsbereitschaft verlieren, sagt Edin Dilberovic, der bosnische Botschafter in Berlin im DW-Gespräch: "Wir sollten daran denken, wie wir den Menschen in Bosnien-Herzegowina helfen können. Es ist nicht unsere Aufgabe zu verfolgen, wer eventuell unrechtmäßig von den Spenden profitiert. Wir sollten viel mehr Wert darauf legen, den Menschen so schnell wie möglich zu helfen."

"Zum zweiten Mal alles verloren"

Genau das hat die Organisation "Help" getan: Sie reagierte bereits Ende letzter Woche und brachte Nahrungsmittel, Trinkwasser, Decken, Windeln und Medikamente in die Katastrophengebiete. "Die Gefahr ist noch nicht vorbei. Die Situation ist nach wie vor kritisch", so Stegelmann, der auch die jüngste Geschichte noch gut vor Augen hat. "Bosnien-Herzegowina hat einen schweren Krieg hinter sich. Viele Bürger, die gerade erst wieder auf die Beine gekommen sind, haben wieder alles verloren", gibt er zu bedenken. Umso wichtiger sei es, so schnell wie möglich zu helfen.

Das ist nun auch das Ziel von Enes Sinanovic und Kasim Hodzic, die sich mit dem Minibus in abgelegene Dörfer in Bosnien wagen. Ob es in den nächsten Tagen weitere Überschwemmungen geben wird, ist unklar. Immerhin gibt es für die beiden Helfer aus Köln und für andere Fahrer, die Hilfsgüter transportieren, eine erste positive Nachricht: Slowenien und Kroatien haben sich bereit erklärt, Fahrzeuge mit Hilfslieferungen für die Flutopfer von Mautzahlungen zu befreien.

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