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Aktuell Afrika

Hilfsorganisationen starten dramatischen Appell zur Lage im Südsudan

In dem vom Bürgerkrieg zerfressenen Land leiden die Bewohner unter Hunger, Durst und menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Zehn internationale Organisationen schlagen Alarm. Eine elfte attackiert das Militär.

Die Situation im Südsudan ist so katastrophal, dass zehn große internationale Hilfsorganisationen möglicherweise schon bald keine Hilfe mehr leisten können. In einem dramatischen Appell haben sich Oxfam, Care, Christian Aid, das Danish Refugee Council, Global Communities, International Rescue Committee, Internews, Jesuit Refugee Service, Mercy Corps und Relief International an die Öffentlichkeit gewandt.

Millionen Menschen können demnach in dem afrikanischen Land aufgrund der Anfang Juli ausgebrochenen erneuten Kämpfe mit mehr als 300 Toten nicht mit den notwendigen Hilfsgütern versorgt werden, teilten die Organisationen in Berlin mit. Viele Helfer aus dem Ausland hätten das Land verlassen, Teams seien auf das absolute Minimum reduziert worden. "Wenn sich die Sicherheitslage noch weiter verschärft, wird es logistisch unmöglich, die Nothilfe aufrechtzuerhalten", sagte der zuständige Oxfam-Landesdirektor Zlatko Gegic.

Appell an Internationale Gemeinschaft

Die Hilfsorganisationen riefen die internationale Staatengemeinschaft auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um eine tragfähige Krisenlösung zu finden. Die Regierung und die im Südsudan stationierte Blauhelmtruppe der Vereinten Nationen (UNMISS) müssten zudem den Helfern ein ausreichendes Sicherheitsumfeld gewähren, um die notleidende Bevölkerung zu erreichen. Derzeit würden Lagerhäuser mit Nahrungs- und Wasservorräten und anderen wichtigen Hilfsgütern immer wieder geplündert.

"Wenn die humanitäre Hilfe wegen der anhaltenden Gewalt die Menschen nun weiterhin nicht erreichen kann, könnten die Konsequenzen verheerend sein", warnte Gegic. In manchen Teilen des Landes hätte nur die humanitäre Hilfe verhindert, dass Hungersnöte ausbrechen. Wegen der Kämpfe könnten jedoch manche Orte nicht mehr mit Nachschub beliefert werden.

Jahrelanger Konflikt

Im Südsudan bekämpfen sich die Armee von Präsident Salva Kiir und Anhänger seines Rivalen Riek Machar, der vor wenigen Tagen als Vizepräsident abgesetzt wurde. Der Konflikt brach Ende 2013 aus. Trotz eines Friedensabkommens, das im August 2015 geschlossen wurde, finden weiter Kämpfe statt. Dadurch werden Tag für Tag Tausende Menschen vertreiben.

Bereits vor Ausbruch der jüngsten Auseinandersetzungen hatten den Angaben der Hilfsorganisationen zufolge fast fünf Millionen Menschen im Südsudan, das ist fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung, nicht ausreichend zu essen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 2,5 Millionen Landesbewohner zu Binnenvertriebenen geworden sind, zu Flüchtlingen im eigenen Land.

Gräueltaten von Soldaten

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den südsudanesischen Streitkräften schwere Kriegsverbrechen in der Provinz Unity State vorgeworfen. "Kriegsverbrechen und andere Missbrauchstaten quer durch das Land sind das Ergebnis anhaltender Straffreiheit", sagte die Krisenberaterin der Organisation, Lama Fakih, in Nairobi mit.

Die von Amnesty dokumentierten Gespräche mit Betroffenen beinhalten Berichte von Massenvergewaltigungen und Entführungen. "Wir haben den Präsidenten gewählt und nun tötet er uns", titiert Amnesty eine Frau, die mitansehen musste, wie sechs Mädchen festgebunden, vergewaltigt und an einen unbekannten Ort gebracht wurden. Tötungen, Vergewaltigungen und Verschleppungen von Zivilisten müssten umgehend, unparteiisch und effizient untersucht werden, so die Forderung der Menschenrechtler.

mak/wl (KNA, epd, dpa)