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Aktuell Europa

Hilfsorganisationen kritisieren Räumung des "Dschungels" von Calais

Frankreichs Behörden haben den Flüchtlingen in dem Lager am Ärmelkanal eine Frist bis Dienstagabend gesetzt, den südlichen Teil des Geländes zu verlassen. Dann soll gegebenenfalls die Polizei einschreiten.

Der südliche Teil des Dschungels von Calais (Foto: rtr)

Der südliche Teil des "Dschungel" genannten Flüchtlingslagers von Calais

Nachdem im Januar bereits ein direkt an der Zufahrtstraße zum Hafen gelegener Teil des Flüchtlingslagers in Calais geräumt worden war, ist nun der gesamte südliche Abschnitt des "Dschungels" betroffen. Er macht von der Fläche her etwa die Hälfte des Lagers in Nordfrankreich aus. Nach Behördenangaben leben dort 800 bis 1000 Flüchtlinge, Hilfsorganisationen sprechen dagegen von etwa 3450 Menschen. Darunter seien 300 Minderjährige ohne elterliche Begleitung. Etwa 1900 Flüchtlinge leben im nördlichen Teil des "Dschungels".

Verwaltungsgericht Lille angerufen

Den Bewohnern im südlichen Teil wurde bis 20.00 Uhr (MEZ) Zeit gegeben, ihre selbst errichteten Zelte und Plastikbehausungen zu verlassen. Für den Fall, dass die Flüchtlinge nicht freiwillig gehen, drohen die Behörden mit dem Einsatz der Sicherheitskräfte.

Innenminister Bernard Cazeneuve bestätigte nochmals das Vorhaben. Mehr als 3000 Freiwillige sollen bei der Evakuierung helfen. Flüchtlinge und Hilfsorganisationen wollen die Räumung jedoch per einstweiliger Verfügung stoppen. Das Verwaltungsgericht von Lille wird sich damit im Laufe dieses Dienstags befassen.

Probleme werden verlagert

Mitarbeiter mehrerer Organisationen wie der Caritas wiesen darauf hin, dass eine Räumung das Problem nur verlagere, da die Flüchtlinge in anderen Camps der Region Zuflucht suchen würden. Außerdem seien weit mehr Migranten betroffen, als offiziell angegeben.

Unter schlimmsten Bedingungen hausen mehrere tausend Menschen im Lager in Calais (Foto: rtr)

Unter schlimmsten Bedingungen hausen mehrere tausend Menschen im Lager von Calais

Die Flüchtlinge aus dem südlichen Abschnitt sollen entweder in Wohncontainern unterkommen, die am Rande des "Dschungels" aufgestellt wurden, oder zu Aufnahmezentren in andere Landesteile gebracht werden. In den Containern gibt es allerdings nur noch 300 freie Plätze.

Caritas-Mitarbeiter Vincent De Coninck betonte, viele Flüchtlinge wollten nicht in Unterkünfte in anderen Regionen: "Sie haben ihr Vorhaben nicht aufgegeben, nach England zu gelangen." Die von den Behörden vorgeschlagenen Lösungen seien "nicht ausreichend".

Von dort nach Großbritannien

Den französischen Behörden ist das Lager, in dem es kaum sanitäre Einrichtungen gibt und das an einen Slum erinnert, schon lange ein Dorn im Auge - unter anderem, weil Flüchtlinge von dort aus immer wieder versuchen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Dort haben manche Verwandte, viele der Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Sudan oder Irak hoffen auf ein besseres Leben.

Das Camp entstand Anfang 2015 östlich von Calais, direkt neben einer Zubringerstraße zum Hafen. Es ist zum Inbegriff für die Schwierigkeiten Frankreichs im Umgang mit der Flüchtlingskrise geworden. Die Regierung will nun zeigen, dass sie Herr der Lage ist. Die Räumung des südlichen Teils von Calais ist nur eine Etappe: Längerfristig soll der gesamte "Dschungel" verschwinden.

se/ba (afp, kna, dpa)

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