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Aktuell Afrika

Hilferuf für Flüchtlinge aus Mali

Die Krise in Mali zieht ganz Westafrika in Mitleidenschaft. Zehntausende Menschen sind auch durch den Vormarsch der Islamisten auf der Flucht. Die Deutsche Welthungerhilfe weist auf eine drohende Katastrophe hin.

"Die Menschen sind am Hungern", "die Lage ist wirklich dramatisch": Die Welthungerhilfe schlägt Alarm und warnt angesichts der Krise in Mali vor neuem, großen Flüchtlingselend. Und dies nicht nur im von den extremistischen Islamisten beherrschten Norden, so berichtet der für Programme zuständige Vorstand der Hilfsorganisation, Mathias Mogge, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. Das gesamte westafrikanische Land ist bedroht, sämtliche Nachbarländer sind betroffen.

Auch der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, wies eindringlich auf eine sich abzeichnende Katastrophe in der gesamten Region südlich der Sahel-Zone hin. 260.000 Menschen seien aus Mali nach Mauretanien, Niger und Burkina-Faso geflohen, berichtete er in Genf nach der Rückkehr von einer Inspektionsreise. Etwa 200.000 Vertriebene befänden sich noch in Mali selbst, zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen. Schon jetzt litten insgesamt 18 Millionen Menschen in der Sahel-Zone unter Hunger und Unterernährung.

Folgen bis nach Sudan, Somalia und Jemen

Guterres betonte noch einmal, die Bedrohung gehe weit über den Norden Malis hinaus. Ohne ausreichende humanitäre Hilfe und ohne rasche politische Lösungen werde sich der Konflikt mit den Islamisten ausweiten und möglicherweise verschmelzen mit denen im Sudan, Somalia oder gar dem Jemen.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian erklärte unterdessen, sein Land würde eine Militärintervention afrikanischer Staaten in Mali unterstützen. Eine solche Intervention sei zwar erwünscht und unvermeidlich, die Initiative müsse aber von von der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS oder der Afrikanischen Union ausgehen, sagte Le Drian bei einem Besuch in Lorient in der Bretagne.

200.000 Malier leben als Flüchtlinge und Vertriebene im eigenen Land (foto:rtrs)

200.000 Malier leben als Flüchtlinge und Vertriebene im eigenen Land

In Mali hatten nach einem Putsch im März islamische Rebellen und Tuareg-Kämpfer die nördlichen Gebiete erobert. In dieser Region herrschen seither islamistische Fanatiker mit Verbindungen zur Terrororganisation "Al-Kaida im Islamischen Maghreb". Sie wollen einen eigenen Staat auf Grundlage der islamischen Rechtsprechung Scharia einführen. Es gibt Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. In Timbuktu zerstörten die Islamisten historische Heiligtümer.

Mogge von der Welthungerhilfe erläuterte, wie 2011 werde wieder eine schlechte Ernte erwartet. Im Moment notwendig sei die akute Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln, aber auch mit Geld. Sie müssten neben Nahrungsmitteln Saatgut, Dünger und Geräte kaufen können.

Der Experte wird Entwicklungsminister Dirk Niebel ab diesem Montag in die Krisenregion begleiten, neben Sierra Leone auch nach Burkina Faso. Mogge forderte die Bundesregierung auf, ihre Entwicklungszusammenarbeit mit Mali trotz des Chaos nicht aufzukündigen. Deutschland gehöre zu den wichtigsten Partnern des Landes und habe einen besonderen Einfluss, nachdem es die frühere französische Kolonie nach deren Unabhängigkeit als erstes Land anerkannt habe.

SC/fab (dpa, APE,afpe)