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Globale Zusammenarbeit

Hilfe wird zum einträglichen Geschäft

Regierungen und Firmen beraten statt Brunnen zu bohren - nach ihrer Neuausrichtung verbucht die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Rekordumsätze. Ist das eine Kommerzialisierung der Entwicklungshilfe?

Sie bohren Brunnen, betreiben Krankenstationen und bauen Schulen - die gängigen Klischees über Entwicklungshelfer als Weltverbesserer halten sich bis heute hartnäckig. Dabei ist die Entwicklungszusammenarbeit längst ein einträgliches Geschäft. Das beweisen die aktuellen Zahlen der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Im vergangenen Jahr hat sie ihren Umsatz auf 2,1 Milliarden Euro erhöht.

Dieser wirtschaftliche Erfolg sei auf die "strategische Neuausrichtung" der GIZ zurückzuführen, so Vorstandssprecherin Tanja Gönner. Gemeint ist damit die Erschließung von neuen Geschäftsfeldern wie die Beratung der griechischen Regierung in Sachen Gesundheitsreform oder das Engagement in der beruflichen Weiterbildung in den USA, wo die GIZ Ende Juni ein Auslandsbüro eröffnet hat. Und die Beratungsangebote für Unternehmen und ausländische Regierungen sollen weiter ausgebaut werden. "Wenn wir wachsen wollen, dann müssen wir überlegen, was wir zu bieten haben", meint GIZ-Vorstand Gönner.

Kommerzielle Interessen stehen im Vordergrund

GIZ-Vorstand Tanja Gönner - Foto: Michael Kappeler (dpa)

GIZ-Vorstand Gönner: "Strategische Neuausrichtung"

Diese Neuausrichtung sei nichts anderes als die "Kommerzialisierung der Entwicklungshilfe", werfen ehemalige Entwicklungshelfer der GIZ vor. Das bundeseigene Unternehmen war Anfang 2011 aus der Fusion der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Weiterbildungsagentur InWent und der Personalvermittlung Deutscher Entwicklungsdienst (DED) hervorgegangen. Hauptauftraggeber der GIZ ist das Entwicklungsministerium mit drei Vierteln des Auftragsvolumens. Rund elf Prozent stammten aus Aufträgen und Finanzierungen von Privatunternehmen, Stiftungen, Organisationen und ausländischen Regierungen.

"Die alte Form der DED-Arbeit, vor Ort mit Partnern herauszufinden, was zu tun ist und von unten nach oben zu arbeiten verschwindet völlig", beklagt Manfred Dassio vom DED-Freundeskreis. Der Zusammenschluss ehemaliger Entwicklungshelfer strebt die Neugründung eines Entwicklungsdienstes zur Entsendung von Experten an. Dassio kritisiert, dass die GIZ bei der Auswahl der Partnerländer nicht in erster Linie die Unterstützung der Zivilgesellschaft zum Ziel habe. "Die GIZ sagt von sich aus, wir handeln nach kaufmännischen Prinzipien. Alles muss sich rechnen", so Dassio im DW-Interview. "Da ist keine Rede mehr von Solidarität, von gerechteren Strukturen in den Ländern."

Als Beispiel nennt er das Engagement der GIZ in Sierra Leone. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes wird in dem ehemaligen Bürgerkriegsland die Reform von Justiz und Polizei begleitet. Das Entwicklungsministerium finanziert ein Programm zur Beschäftigungsförderung für Jugendliche, vor allem im ländlichen Raum.

Bildung als Schlüssel für Entwicklung

Schule in den Slums von Nairobi - Foto: Photoshot (picture-alliance)

Unterricht in einem Slum in Nairobi: Schulen sind die beste Investition

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit habe sich in ihrer Neuausrichtung auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer eingestellt, sagt GIZ-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Preuß. Die Zahl der Länder, in denen die internationale Entwicklungshilfe noch eine große Rolle spiele, werde immer geringer. "Die erwarten nicht den Brunnenbau, sondern ein System der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung; die erwarten keine Gesundheitsstation, sondern die wollen wissen, wie kann man eine Gesundheitsversicherung aufbauen." Preuß sieht darin einen Beweis für erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit: "Wir haben viel mehr mit qualifizierten Menschen zu tun. Die Bildungsanstrengungen der vergangenen Jahre haben sich gelohnt. Wir treffen auf Gesprächspartner, die sich international sehr gut auskennen."

Ärztin im Labor in einer Klinik in Douala, Kamerun - Foto: H. Fotso (DW)

Kliniklabor in Kamerun: Einheimische Fachkräfte ersetzen die Entwicklungshelfer

Manfred Dassio, früherer DED-Landesdirektor in Kamerun bestätigt das: Viele Berufsfelder, für die früher Entwicklungshelfer entsandt wurden, "sind heute voll abgedeckt durch Menschen aus diesen Ländern selbst. Das ist ja auch ein Ergebnis von 50 Jahren Entwicklungspolitik."

Deutscher Entwicklungsdienst nach US-Vorbild

Der Deutsche Entwicklungsdienst wurde 1963 anlässlich des Kennedy Besuchs nach dem Vorbild des US-amerikanischen "Peace Corps" gegründet. 1964 reisten die ersten 110 Entwicklungshelfer nach Tansania, Libyen, Afghanistan und Indien. Bis 1994 entsandte der DED 10.000. Fachkräfte ins Ausland. Ihren 50. Geburtstag hat die Organisation nicht mehr erlebt. Bis zur Fusion mit der GTZ und InWEnt vor zwei Jahren waren insgesamt 16.000 Entwicklungshelfer im Auftrag des DED in mehr als 70 Partnerländern tätig.

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