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Politik

Hilfe vom politischen Feind

Ein Vierteljahrhundert lang hat Teheran die Amerikaner verdammt. Nun bietet "der Feind" in den Trümmern im Erdbebengebiet im Südosten des Landes humanitäre Hilfe an. Zeichnet sich auch politisch ein Tauwetter ab?

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Katastrophenhilfe geht vor

Ein iranischer Revolutionswächter steht neben einem US-Arzt in Bam und schaut auf die Fahne auf dessen Ärmel. "You okay?", fragt der Amerikaner. "Okay", sagt der Iraner und lächelt zurück. Die Bevölkerung von Bam nimmt den Beistand aus dem "Satan-Staat" dankbar an.

"Wir haben kein Problem mit dem amerikanischen Volk, nur mit der amerikanischen Regierung", erklärt ein anderes Mitglied der Revolutionswächter, der geistigen Elite der Islamischen Republik Iran. Ausgerechnet in deren Camp haben die 80 Helfer aus den USA ihr mobiles Krankenhaus aufgebaut.

Die politischen Forderungen bleiben

Die USA haben ihre Sanktionen gegen den Iran teilweise ausgesetzt, um Hilfsaktionen für die Erdbebenopfer in Bam zu erleichtern. Für Lebensmittel- und Sachspenden müssen drei Monate lang keine Sondergenehmigungen mehr eingeholt werden. Im Auftrag der US-Regierung helfen zudem 80 Wiederaufbau-Spezialisten in der Region um Bam. Die amerikanische Hilfe solle nicht politisiert werden, heißt es unisono aus Teheran und Washington.

US-Präsident George W. Bush hat jedoch konkrete Bedingungen für eine weitere Entspannung zwischen beiden Ländern gestellt: Teheran müsse mehr Demokratie gewähren, sein Atomwaffenprogramm beenden und die Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus verbessern. Washington verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag durch den Iran hält die US-Regierung für unzureichend. Sie wirft der Führung in Teheran außerdem vor, islamischen Extremisten Unterschlupf zu gewähren. Bush ordnete den Iran darum auf der "Achse des Bösen" ein.

Teheran lehnt beide Forderungen der USA ab. Die USA sollten, so ist aus dem Iran zu hören, ihre Sanktionen aufheben und aufhören, dem Land Terrorismus und die Produktion von Massenvernichtungswaffen zu unterstellen. Vorher, so Staatspräsident Mohammad Chatami, werde sich wenig an den Feindseligkeiten ändern.

Anzeichen von Veränderung?

Chatamis Vorgänger, Ali Akbar Haschemi-Rafsandschani, sieht hingegen etwas grundsätzlich Positives in den Signalen aus den USA. Sie müssten zumindest analysiert werden, meint der politisch immer noch einflussreiche Rafsandschani. "In dieser Katastrophe haben uns sogar unsere schlimmsten Feinde geholfen", gab Rafsandschani zu. Bei allen Ressentiments gegenüber den Amerikanern - der Freude über den Beistand in der Not kann sich auch Präsident Chatami nicht verschließen. "Wir danken den Amerikanern für ihre großartige humanitäre Hilfe", versicherte er.

Wie die "Washington Post" (2.1.2003) unter Berufung auf hochrangige Regierungsbeamte berichtete, will das Weiße Haus auch Politiker für eine humanitäre Mission in das iranische Erdbebengebiet entsenden. Sie soll den Angaben zufolge von der republikanischen Senatorin Elizabeth Dole und einem nicht namentlich genannten Mitglied der Familie von US-Präsident George W. Bush geleitet werden. Es wäre die erste offizielle US-Delegation in der Islamischen Republik Iran seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern vor mehr als 20 Jahren. Aber die Regierung in Teheran will derzeit nach Angaben des US Außenministeriums keinen offiziellen Besuch einer US-Delegation. Adam Ereli, Sprecher des US-Außenministeriums, sagte am Freitag (2.1.2004) in Washington, die Regierung in Teheran halte es derzeit für besser, einen solchen Besuch "in der Schwebe zu halten".(arn)

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