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Welt

Hilfe nach dem Erdbeben

Schwere Erdbeben haben erneut den Iran erschüttert. Obwohl zahlreiche Ortschaften in Trümmern liegen und viele Menschen ohne Obdach sind, will das Land Unterstützung aus dem Ausland nicht annehmen.

Am Samstagnachmittag (11.08.2012) bebte die Erde das erste Mal im Nordwesten des Iran mit einer Stärke von 6,2 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag zwischen Ahar und Varzeghan - rund 500 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Teheran. Elf Minuten später folgte das zweite Beben mit einer Stärke von 6,3. Nach Angaben der Regierung wurden bis Sonntagnachmittag etwa 230 Tote und 1400 Verletzte gezählt. 

Der deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, bot sofort Hilfe an. Deutschland sei bereit, dem Iran "in diesen schweren Stunden zu helfen", schrieb Westerwelle in einem Telegramm an seinen iranischen Kollegen Ali Akbar Salehi. Doch auf solche internationale Unterstützung bei der Suche nach Opfern und der Versorgung der Obdachlosen will der Iran zunächst nicht eingehen.

Deutsche Helfer in Bereitschaft

Beladung des Fliegers mit Hilfsgütern für Pakistan am 17. August 2010 (Foto: DRK)

DRK ist bereit, kurzfristig zu helfen

Auch der Iranische Rote Halbmond verzichtet darauf, bei seinen Schwesterorganisationen Hilfegesuche zu stellen. "Das bedeutet, dass der Rote Halbmond noch in der Lage ist, die Probleme vor Ort selbst zu bewältigen - mit den eigenen Hunden und Ambulanzen", so Dieter Schütz, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), im Gespräch mit der Deutschen Welle.

In der Regel wendet sich im Katastrophenfall die betroffene Landesorganisation an die Zentrale der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften in Genf. Dort wird dann entschieden, aus welchem Land Helfer zur Unterstützung in das Katastrophengebiet geschickt werden und welche Ausrüstung, wie etwa Hunde, Zelte und Medikamente, sie dabei mitnehmen. "Wir könnten innerhalb von ein bis zwei Tagen reagieren. Wir haben ein komplettes Krankenhaus im Logistikzentrum in Berlin", sagt DRK-Sprecher Schütz. Damit könne man ein Gebiet mit bis zu 300.000 Menschen versorgen.

Alles unter Kontrolle?

Menschen bei Räumungsarbeiten in der Stadt Ahar, die von einem Erdbeben erschüttert wurde. (Foto: Reuters)

Viele Häuser liegen in Trümmern

Über das Ausmaß der Erdbebenschäden und die Lage im Nordwestiran gibt es widersprüchliche Meldungen: Agenturen zufolge sind manche Dörfer fast zur Hälfte zerstört. Telefon- und Mobilfunknetze seien teilweise zusammengebrochen. Die Feuerwehr berichtete von großflächigen Stromausfällen. Doch die Lage sei nicht ernst, deswegen wolle man nicht um internationale Unterstützung bitten, sagte Hassan Esfandiar, zuständig für die internationale Zusammenarbeit beim Iranischen Roten Halbmond, im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Wir haben die Situation unter Kontrolle. Etwa 60 Rettungsteams und drei Helikopter sind direkt nach dem ersten Erdbeben in das Einsatzgebiet geschickt worden. Am Sonntagvormittag haben wir die Rettungsmaßnahmen eingestellt. Nun konzentrieren wir uns auf die Hilfestellung für die Opfer", sagt Esfandiar. Auch die Vertreterin des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes in Teheran, Mojgan Mohammad, bestätigte der Deutschen Welle, die lokale Hilfsorganisation meistere die Situation sehr gut.

Dagegen zitierte eine iranische Nachrichtenagentur den Chef des Iranischen Roten Halbmonds, Mahmud Mosafar, es gebe zu mehreren Dörfern keinen Zugang. Ein Verantwortlicher aus Ahar bezifferte die Zahl der betroffenen Dörfer auf etwa 60. Ein Notlager für 16.000 Menschen wurde inzwischen eingerichtet, wie die Nachrichtenagentur Fars meldete. Da die medizinische Versorgung unzureichend ist, hat der Rote Halbmond im Krisengebiet mobile Krankenhäuser aufgebaut. "Viele hat das gerettet, für viele kam es aber zu spät - und das ist sehr traurig", so ein Helfer des Roten Halbmonds.

Forschung noch nicht soweit

Eine mobile krankenstation in Ahar (Foto: Reuters)

Mobile Krankenstationen wurden aufgebaut

Im Iran kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Der Grund: Mehrere tektonische Platten treffen dort aufeinander. Ein besonders schweres Beben ereignete sich im Dezember 2003. Damals kamen in Bam, im Südosten des Landes, 31.000 Menschen ums Leben. Vorhersehen lässt sich ein solches Erdbeben nicht, sagt Rainer Kind, Seismologe am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, im DW-Interview. "Die Methoden werden immer wieder verbessert und man kennt zwar die allgemeinen Ursachen, aber das reicht nicht aus, um den genauen Ort, die Stärke und den Zeitpunkt eines Erdbebens vorhersagen zu können", so der Forscher. Um das Ausmaß eines Bebens begrenzen zu können, sei insbesondere die Bausubstanz der Gebäude entscheidend. "In Ländern wie dem Iran ist oft die Bauweise der Häuser besonders auf den Dörfern sehr schlecht. Diese sind aus luftgetrockneten Tonziegeln gebaut", so der Seismologe. Schon bei leichten Erschütterungen stürzten die Häuser ein.