1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Hilfe in Vietnam nur gegen Bares

In einem bisher unveröffentlichten Bericht weist die Organisation Towards Transparency auf zunehmende Korruption im vietnamesischen Gesundheitswesen hin. Gesundheit und Krankheit sind oft eine Frage des Geldes.

Krankenhaus in Vietnam

Korruption sei im vietnamesischen Gesundheitssektor ein "weitverbreitetes Problem", sagt Stephanie Chow, die für die Pressearbeit von Towards Transparency (TT) zuständig ist, dem vietnamesischen Ableger der internationalen Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.

Korruption betrifft alle Ebenen des Gesundheitswesens. "Fast jeder dritte Patient in den Städten ist mit ihr bereits konfrontiert worden", hat eine frühere Studie der NGO Transparency International festgestellt. Die Korruption hat dem Bericht zufolge seit 2007 zugenommen. Eine Trendwende gab es bis heute nicht.

Schwerkranke haben kaum eine Chance

Patienten warten in einem langen Flur(Foto: Vietnam Research and Training Center for Community Development (RTCCD)

Stundenlange Wartezeiten können durch Schmiergeld verkürzt werden

Informelle Zahlungen sind oft Voraussetzung, um überhaupt medizinisch versorgt zu werden oder um die Wartezeiten, die in Krankenhäusern in der Regel fünf bis sechs Stunden betragen, zu verkürzen. Anschließend sind regelmäßige Zahlungen erforderlich, um die Aufmerksamkeit des Personals und den medizinischen Mindeststandard zu erhalten.

Krankenschwestern und Krankenträger lassen sich mit zwei US-Dollar bezahlen, eine Operation kostet zwischen 50 und 150 US-Dollar. Zum Vergleich: Das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt in Vietnam rund 100 US-Dollar. Die Behandlung Schwerverletzter und Schwerkranker sei nochmals teurer, heißt es in dem TT-Bericht.

Große Kapazitätsprobleme

Eine Besonderheit in Vietnam ist, dass trotz des wachsenden Wohlstandes vor allem die Mittelschicht betroffen ist, wie Stefanie Schmitt von Germany Trade & Invest, die in Hanoi eine Expertise für deutsche Unternehmen angefertigt hat, feststellt.

Menschen in einem vietnamesischen Krankenhaus (Foto: Vietnam Research and Training Center for Community Development (RTCCD)

Es fehlt an Ärzten, Betten und Medikamenten - auch das fördert die Korruption

Arme können sich in der Regel gar keine Behandlung leisten und die Reichen fliegen nach Bangkok oder Singapur. So ist es vor allem die Mittelschicht, die sich mit Forderungen nach Zusatzzahlungen an Ärzte und das Pflegepersonal konfrontiert sieht. Aber selbst diejenigen, die eine Behandlung grundsätzlich bezahlen könnten, erhalten oftmals keinen Zugang zu den notwendigen Medikamenten und Therapien. "Grund dafür sind enorme Kapazitätsprobleme", so Stefanie Schmitt. "Es gibt insgesamt zu wenig Betten. Deshalb ist es an der Tagesordnung, dass sich drei oder vier Patienten ein Bett teilen." Die Infrastruktur sei marode, das Personal "chronisch überbelastet" und nicht selten fehle es an Medikamenten.

Interessenkonflikte der Ärzte

Zu einer vergleichbaren Bestandsaufnahme kommt auch die Studie "Korruption im Gesundheitssektor" von Thaveeporn Vasavakul, die 2009 als Regierungsberaterin für den Gesundheitssektor in Hanoi tätig war. Neben den stark begrenzten Kapazitäten nennt die Studie auch das niedrige Gehalt vieler Angestellter als weiteren Grund für Korruption. Hinzu kommen Interessenkonflikte der Ärzte, so Autorin Vasavakul. Viele Ärzte arbeiten nicht nur in staatlichen Kliniken, sondern haben auch eine private Praxis, in die sie Patienten überweisen, um das zum Leben kaum ausreichende Gehalt aufzubessern.

Auch die Haltung vieler Angehöriger der Mittelklasse erschwert die Situation. Sie handeln wie selbstverständlich Leistungen und Gegenleistungen aus. Die Grenzen zwischen Gebühr, Trinkgeld und Bestechung seien deshalb fließend, sagt Stephanie Chow von Towards Transparency. "Es besteht die Gefahr, dass sich Bestechung im Gesundheitssektor zu einer sozialen Norm entwickelt."

"Gewöhn dich dran"

Menschen in einem vietnamesischen Krankenhaus (Foto: Vietnam Research and Training Center for Community Development (RTCCD)

Krankenhäusern müssen zukünftig darauf hinweisen, dass Korruption illegal ist

Verschiedene Initiativen wurden ergriffen, um der Korruption im medizinischen Sektor Herr zu werden: In Krankenhäusern hängen seit Kurzem Hinweistafeln, die Bestechung als illegal ausweisen. Die Betreiber sind vom Staat dazu angehalten, Täter mit Disziplinarmaßnahmen und Geldbußen zu bestrafen. In den größeren Kliniken gibt es eine Art Briefkasten für anonyme Beschwerden.

Alle Initiativen haben bisher allerdings nur wenig Erfolg gehabt, sagt Stephanie Chow. Es gingen kaum Beschwerden ein und die Krankenhäuser zögen ihr Personal nur selten zur Verantwortung. Auf die Probleme angesprochen, hätten viele Betroffene geantwortet: "Get used to it." – "Gewöhn dich dran."

Autor: Rodion Ebbighausen
Reaktion: Ana Lehmann

Die Redaktion empfiehlt