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Wissen & Umwelt

Hilfe für Ersthelfer - Was tun, wenn das Herz stillsteht?

120.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland durch plötzlichen Herzstillstand. Eine Studie der Charité hat ergeben: Mit der richtigen Ersten Hilfe könnten viele von ihnen gerettet werden. Von Jürgen Schneider

Rettungshubschrauber in der Luft (Foto: DW-TV)

Retter im Einsatz - die richtige Hilfe entscheidet über Leben oder Tod

Wenn das Herz stillsteht, zählt jede Sekunde. Dann gilt nur eines: Notarzt rufen - und den Patienten so schnell wie möglich in die Klinik bringen. "Hier sind seine Überlebenschancen deutlich größer", erklärt Rettungsmediziner Jan Breckwoldt von der Berliner Charité, denn der Patient könne in der Klinik mit allen Möglichkeiten der Intensivmedizin versorgt werden. "Aber wesentlich ist, was vorher passiert ist. Das entscheidet darüber, ob der Patient überhaupt hier ankommt."

Krankenwagen im Einsatz (Foto: dpa)

Herzstillstand - Innerhalb von sieben Minuten muss der Patient Erste Hilfe bekommen. Sonst kann auch der Notarzt nicht mehr helfen.

Nur wenige erkennen, dass es um Leben oder Tod geht

Was in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand passiert, wollte Breckwoldt genauer wissen. Gibt es Helfer? Wissen die, wie sie helfen können? Tun sie das auch? Er hat die Daten aller Einsätze eines Jahres ausgewertet. Ergebnis: Die Zeit, die vergeht, bevor der Rettungswagen da ist, entscheidet über Leben und Tod. "Zwischen Kollaps und professioneller Hilfe entsteht ein Bereich, den haben wir das bystander's window genannt, das Zeitfenster, in dem nur die Umstehenden helfen können. Und das ist mindestens sieben Minuten lang. Wenn in diesem Zeitfenster nichts passiert, dann tritt der Hirntod ein. Eigentlich braucht dann der Rettungsdienst gar nicht mehr anzufangen."

Der Tod unterscheidet nicht zwischen Tag oder Nacht. Der Ort dagegen ist für das Überleben entscheidend. Knapp Dreiviertel aller Fälle von plötzlichem Herztod, so Breckwoldts Studie, passieren in der Wohnung, nur ein Viertel auf der Straße oder am Arbeitsplatz. Je mehr Zeugen es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer von ihnen Erste Hilfe leistet. Nur dann können auch die Rettungssanitäter noch etwas bewirken. "Unter optimalen Bedingungen", so Breckwoldt, "also bei besten Leistungen der Ersthelfer, ist das Überleben sieben mal so gut, als wenn gar nichts gemacht wird."

In der Öffentlichkeit liege der Anteil derjenigen, die Erste Hilfe leisten, bei 50 Prozent. Die andere Hälfte der zufällig Anwesenden bemerke nicht einmal, dass es um Leben oder Tod geht. Zu Hause in der Wohnung ist es noch drastischer: Da passiert es nur in 20 Prozent der Fälle, dass ein Angehöriger oder ein Mitbewohner Rettungsmaßnahmen ergreift.

Nahaufnahme einer Elektrode (Foto: DW-TV)

Erste Hilfe - In der Bevölkerung gibt es bei dem Thema starke Defizite

Stabile Seitenlage, fatale Folgen

Breckwoldt kommt zu dem Schluss, dass es beim Thema Erste Hilfe massive Defizite in der Bevölkerung gibt: "Selbst wenn die Leute erkennen, dass es sich um einen Herzstillstand handelt, haben sie Angst, Fehler zu machen. Und damit die Fehler nicht passieren, drehen sie den Patienten erst mal in die stabile Seitenlage." Das sei das, was ihnen aus dem Erste-Hilfe-Kurs in Erinnerung geblieben sei, "aber das Falscheste, was sie in dem Moment tun können. Denn in der Seitenlage kann man keine Wiederbelebung durchführen."

Dabei ist es gar nicht so schwer, einen Kreislaufstillstand zu erkennen, erklärt Breckwoldt: "Schnappatmung oder Atemstillstand in der Kombination mit Bewusstlosigkeit - dann haben wir einen Kreislaufstillstand. Das passiert sehr plötzlich." Äußeres Kennzeichen: Wer einen Kreislaufstillstand bekommt, der kollabiert und ändert seine Hautfarbe: er wird blau oder grau.

Breckwoldt macht sich nun stark dafür, dass die Erste-Hilfe-Ausbildung verbessert wird. In den meisten Fällen würde es reichen, eine Herzdruckmassage durchzuführen, bis der Rettungswagen kommt: Das sei das Wesentliche, vieles andere dagegen überflüssig. "Die stabile Seitenlage gehört unseres Erachtens nicht in einen kurzen Kurs, weil sie das einzige ist, was hängen bleibt" - und dann offensichtlich die Herzmassage verhindert.

Autor: Jürgen Schneider

Redaktion: Klaus Dartmann

Diesen Beitrag als Video sehen Sie bei Projekt Zukunft, dem Wissenschaftmagazin auf DW-TV.

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