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Nahost

Hilfe für den Nordirak

Noch immer flüchten die Menschen im Nordirak vor der Terrormiliz "Islamischer Staat". Viele sind weiter ohne Schutz und ohne Dach über dem Kopf. Doch wer sich in Sicherheit bringen konnte, braucht nun dringend Hilfe.

Mit Reis und Schüsseln voll Suppe versorgen UN-Helfer die Flüchtlinge am Rande der Stadt Dohuk. Mehr als 80.000 Flüchtlinge leben mittlerweile in der nördlichsten Provinz des Irak. Die Mehrheit gehört zur Religionsgruppe der Jesiden. Über das Sindschargebirge sind sie vor der Terrorbande "Islamischer Staat" geflohen. Der 14-jährige Zidan musste vor zwei Wochen mit seiner Familie aufbrechen.

"Wir haben alles zurückgelassen und sind in die Berge gegangen", erzählt er einem Reporter der Agentur AP. "Wir haben uns unter Bäume zum Schlafen gelegt. Wir hatten keine Kleidung, nichts. Wir hatten gar nichts, bis wir hierher kamen." Auf dem Weg habe er viele Menschen gesehen, die vor Durst zusammengebrochen seien. "Einige haben uns um Wasser angefleht, aber wir hatten nichts."

Schutz in Schulen

Jesiden in Zakho im Nordirak (Photo: Ahmet Izgi - Anadolu Agency)

In der Stadt Zakho hat diese Famile Schutz gefunden

In der Stadt Dohuk haben sie nun zumindest etwas Schutz und Schatten gefunden. Die meisten Flüchtlinge leben im rohen Beton halb fertiger Bauten oder schlafen in Schulen. Neben Dohuk hat auch die Stadt

Zakho

nahe der türkischen Grenze zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen.

"Die Hälfte aller Schulen hier im Gebiet sind von Flüchtlingen bewohnt", sagt Freya von Groote vom Kinderhilfswerk UNICEF im ZDF-Interview. "Das heißt, der reguläre Schulbetrieb ist unterbrochen und wir müssen hier Alternativen schaffen. Denn die Menschen werden wohl länger hierbleiben."

Zuallererst müsse man für sauberes Trinkwasser und funktionierende Toiletten sorgen, so von Groote. An eine baldige Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat nahe der syrischen Grenze sei nicht zu denken. Denn dort herrscht immer noch Gewalt, auch wenn kurdische Kämpfer zuletzt Geländegewinne vermeldeten und die Terrormiliz vom wichtigen Staudamm bei Mossul vertrieben haben.

Luftbrücke aus Jordanien

Und längst nicht alle Flüchtlinge haben bereits sichere Städte erreicht oder auch nur ein Dach über dem Kopf gefunden wie Zidan und seine Familie. Der Strom an Flüchtlingen aus den umkämpften oder von der Terrormiliz eroberten Gebieten reißt nicht ab. Insgesamt sind im Irak mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR will deshalb an diesem Mittwoch eine seiner bislang größten Hilfsaktionen starten.

Peschmerga Kämpfer beim Mossul-Staudamm (Photo: AHMAD AL-RUBAYE/AFP/Getty Images)

Kurdische Kämpfer feiern die Eroberung des Mossul-Staudamms

Aus der jordanischen Stadt Akaba soll eine Luftbrücke nach Erbil im Nordirak aufgebaut werden. Vier Tage lang sollen per Jumbo-Jet Zelte, Plastikplanen und Kochutensilien zu den Flüchtlingen gebracht werden. Mit Lastwagenkonvois aus der Türkei und Jordanien sowie über Dubai und den Iran soll im Anschluss weitere Hilfe eintreffen. 500.000 Menschen sollen so Hilfe erhalten.

"Aus der Luft, auf dem Landweg und über See - wir nutzen alle Möglichkeiten um so schnell wie möglich Hilfsgüter zu liefern", so UNHCR-Sprecher Adrian Edwards in Genf. Die Hilfe solle denjenigen zugute kommen, die sie am nötigsten bräuchten. "Denn nur ein Teil der Menschen lebt bereits in festen Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen. Wir versorgen nun auch diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben."

Medikamente im Gepäck

Dazu sollen bis zu 14 Zeltlager mit Platz für rund 140.000 Menschen aufgebaut werden. Momentan berate das UNHCR mit Vertretern der kurdischen Regionalregierung darüber, welche Orte sich dafür eigneten, so Edwards. Die Hilfsmaßnahmen werden von Dänemark, Deutschland, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern finanziert.

Deutsche Hilfe für Irak (Photo: Michael Kappeler/dpa)

Die Flüchtlinge sind auf Hilfe von außen angewiesen

Am Montag war ein Transportflugzeug mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung aus Deutschland in der nordirakischen Stadt Erbil eingetroffen. Damit könnten 20.000 Menschen für drei Monate medizinisch versorgt werden, so das Auswärtige Amt in Berlin. Mit an Bord war auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer. Er reist drei Tage lang in der autonomen Kurdenregion, um den Bedarf für weitere Hilfsmaßnahmen abzuschätzen. Bereits zu Beginn seiner Reise forderte Strässer eine "schnelle Ausweitung der internationalen Schutzmaßnahmen" sowie "ein umfassendes humanitäres Engagement der internationalen Gemeinschaft". Auch in der Provinz Dohuk wird Strässer mit Vertretern von Hilfsorganisationen zusammentreffen.

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