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Filme

Hilde - ein Leben auf der Achterbahn

Hildegard Knef durchlebte viele Höhen und Tiefen. Ein Kinofilm zeichnet nun ihre Karriere nach. Heike Makatsch gibt "der Knef" ein Gesicht.

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Heike Makatsch in "Hilde"

Oft wurde sie nach ihrem Nachnamen einfach nur „Die Knef“ genannt. Was bei deutschen Stars sonst nur bei Marlene Dietrich der Fall war. „Die Knef“, das war ein Markenzeichen, das stand für Ruhm und Ehre, für Rampenlicht und Erfolg, aber immer wieder auch für Rückschläge aller Art. Der Regisseur Kai Wessel („Klemperer – Ein Leben in Deutschland“, „Die Flucht“) hat das Leben von Hildegard Knef nun verfilmt.

Wessel hat sich dabei auf die Jahre von 1943 bis 1966 beschränkt. Zwei Jahre vor Kriegsende begann die Karriere, die Konzertournee im Jahre 1966 bedeuteten dann einen tiefen Einschnitt für "Die Knef". Der Film heißt schlicht und einfach „Hilde“. Die Hauptrolle hat Heike Makatsch übernommen, die Hildegard Knef nicht nur äußerlich ähnlich sieht, sondern ihr auch stimmlich sehr nahe kommt. Sie macht ihre Sache gut, ohne zu brillieren, ohne mit dem Vorbild zu verschmelzen. Ob das am Drehbuch liegt, an Makatsch selbst oder an der Inszenierung von Kai Wessel, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich an allem ein wenig.

Szenenbild Hilde Hilde bei Schallplattenaufnahmen

Hilde bei Schallplattenaufnahmen

Gut für so manchen Skandal...

Der Film beginnt 1966 in Berlin. Hildegard Knef kommt am Flughafen an. Wenige Stunden vor ihrem größten Konzert vor deutschem Publikum. Natürlich, sie kann spielen, tanzen, schreiben, auf ihre Art sogar singen. Aber das, was „die Knef“ wirklich ausmacht, ist vor allem ihre direkte Art. Und so legt ihr die Drehbuchautorin Maria von Heland viele kernige Aussprüche in den Mund, für die sie berühmt war.

Pressekonferenzbild Kai Wessel zum Film Hilde undatiert

Regisseur Kai Wessel

So fragen die Reporter sie bei der Ankunft in Berlin, worauf sie ihren Erfolg zurückführe. „Ich bin nie der Meute hinterher galoppiert", sagt sie und: "Deswegen bin ich oft an Orten gewesen, an denen die Meute nie gewesen ist!“ Und nach der Berliner Mauer gefragt: „Über Mauern mache ich mir keine Gedanken. Ich klettere einfach drüber.“ Auf diese Weise ist sie immer gut für eine Schlagzeile und auch für so manchen Skandal.

Anfänge in den Trümmern von Berlin

Ausgehend vom Konzertabend lässt Regisseur Kai Wessel Hildegard Knef auf ihr bisheriges Leben zurückblicken. Allerdings räumt der Film den Kriegsjahren zu viel Platz ein. Denn künstlerisch ist diese Zeit für Hildegard Knef wenig bedeutend. Und ums Überleben haben damals fast alle gekämpft. Interessanter ist da die Nachkriegszeit, in der sie zunächst mit ihrer Vergangenheit ringt.

Szenenbild Der US-Offizier Kurt Hirsch lernt Hildegard Knef in den Trümmern von Berlin kennen.

US-Offizier Kurt Hirsch und die junge Hilde

Ihre Liaison mit Ewald Demandowsky, einer NS-Größe im Babelsberger Studiobetrieb, wird Hildegard Knef fast zum Verhängnis. Als sie sich bei den Alliierten um eine Bühnenlizenz bemüht, lernt sie den Filmproduzenten Erich Pommer kennen. Und Hilde hat Glück: Erich Pommer mag sie, und er wird sogar ihr Mentor, der in entscheidenden Momenten ihres Lebens immer wieder auftaucht und ihr zur Seite steht.

"Die Mörder sind unter uns"

Bald schon erobert Hildegard Knef unter dem großen Theaterregisseur und - intendanten Boleslaw Barlog die Bühne. Und sie dreht 1946 „Die Mörder sind unter uns“ in den Trümmern von Berlin. Dass sie hier im ersten deutschen Nachkriegsfilm überhaupt spielt, dazu noch eine Überlebende eines Konzentrationslagers, wird im Film leider überhaupt nicht thematisiert. Und gern hätte man auch einige Filmausschnitte gesehen. Doch darauf hat Wessel verzichte.

Unmittelbar nach „Die Mörder sind unter uns“ erhält Hildegard Knef ein Angebot von dem Filmproduzenten David O. Selznick aus Hollywood, der unter anderem verantwortlich war für „Vom Winde verweht“. Pommer rät ihr ab, glaubt, dass die Zeit für sie noch nicht reif sei. Doch sie erliegt dem Reiz der Traumfabrik, geht mit ihrem Mann Kurt Hirsch nach Hollywood, erhält dort jedoch in drei Jahren nicht eine Rolle.

Skandalerfolg mit "Die Sünderin"

Szenenbild Hilde und Kurt Hirsch in Hollywood vor den Studios

In Hollywood erfolglos

Frustriert kehrt sie nach Deutschland zurück, wo sie 1950 in „Die Sünderin“ vor der Kamera steht. Eine kurze Nacktaufnahme macht den Film zum Skandal. Aus diesem Ereignis hätte Wessel mehr machen können. Archivmaterial von Demonstrationen gegen die Aufführung des Films hätten verdeutlicht, welche Dimension dieser Skandal in den prüden 1950er Jahren hatte. Doch trotz – oder vielleicht wegen dieser Ereignisse – erhält die Schauspielerin fortan ein Rollenangebot nach dem anderen. Bis Mitte der 1950er Jahre dreht sie in verschiedenen Ländern vierzehn Filme. Darunter „Entscheidung vor Morgengrauen“, „Auf den Straßen von Paris“ und „Alraune“.

Den größten Erfolg feiert sie dann in den USA: Am Broadway spielt sie die Ninotchka, die Hauptrolle in Cole Porters Musical „Silk Stockings“. Zweieinhalb Jahre vor ausverkauftem Haus. Als sie zurück in die Filmwelt kommt, geht es wieder bergab. Sie dreht diverse Filme, erlebt jedoch fast ausschließlich Misserfolge. Irgendwie scheint die Zeit „der Knef“ abgelaufen zu sein. So ist der Versuch, sich als Sängerin zu probieren, eine Art Verzweiflungsakt. Aber ein erfolgreicher! Denn zurück auf der Bühne wird Hilde gefeiert.

Schonungslos im Umgang mit sich selbst

Der Film von Kai Wessel zeigt Hildegard Knef und ihre Anfälle, ihre enorme Kreativität, und er deutet auch ihre spätere Alkohol- und Tablettensucht an. Durchaus gelungen sind die Szenen, in denen die Liebesbeziehungen gezeigt werden, mit ihrem ersten Mann Kurt (Trystan Pütter), einem jüdisch-amerikanischen Offizier, sowie mit dem Engländer David Cameron (Dan Stevens), den sie 1962 heiratete.

Szenenbild Hilde Hilde und ihr zweiter Mann David David Cameron

Sympathisch: Hilde und ihr zweiter Mann David Cameron

Aber dennoch wird sie immer etwas zu sympathisch gezeigt. Vielleicht damit sich der Film besser verkauft, damit die Zuschauer sich mehr mit dem Star identifizieren können. Wer sie kannte, weiß, dass sie sich rüpelhafter benehmen konnte und sich selten zurücknahm. Auch ein anderer Aspekt ihrer Persönlichkeit geht etwas unter: Die Fähigkeit unglaublich kritisch mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Stars war Hildegard Knef nicht nur schonungslos im Umgang mit ihrem Umfeld, sondern auch mit sich selbst. Diesen Aspekt drückt der Film nur in einem Satz von Hilde aus: „Ella Fitzgerald nannte mich die beste Sängerin ohne Stimme“.

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