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Wissen & Umwelt

Highlight im Leben einer Wissenschaftlerin

Die Biologie-Studentin Sophia Wagner ist für zwei Wochen mit Wissenschaftlern des GEOMAR-Instituts für Ozeanforschung auf Forschungsfahrt auf der Ostsee. Was sie dabei erlebt, erzählt sie uns in ihrem täglichen Blog.

26.05.2014: Endspurt

Heute ist unser letzter Tag! Nach dem wir am Samstag einen sonnigen Abend auf Bornholm genießen konnten, ging es Sonntagfrüh direkt wieder los. Zum Abschluss der Fahrt gab es noch mal richtig was zu tun: Tagsüber Fischen und dann Multinetze fahren. Jetzt sind wir alle völlig erledigt, und freuen uns auf zu Hause. Zuerst muss aber noch die gesamte Ausrüstung geputzt und verpackt werden.

Auch das Ölzeug muss geschrubbt werden am Forschungsschiff Alkor (Foto: Sophia Wagner).

Das gehört auch dazu: Ölzeug schrubben

Ich bin ein bisschen traurig. Nach zwei Wochen ist mir unserer Gruppe doch ziemlich ans Herz gewachsen und je besser man sich kennt, desto ausgelassener ist die Stimmung. Jeden Tag zusammen Essen, das gleiche Arbeiten, zusammen todmüde sein - das verbindet. Dazu kommt, dass die Arbeit an Bord zwar mitunter stressig sein kann, man aber weit weg von jeglicher Alltagssorge trotzdem ziemlich tiefenentspannt ist. Für mich war es eine richtig gute Erfahrung! Auch wenn so eine Ausfahrt doch mehr Routine als Abenteuer ist und etwas mehr Wellengang wäre bestimmt auch Mal interessant gewesen. Aber das ist bei dem Bombenwetter, das wir die meiste Zeit hatten, wohl doch Jammern auf hohem Niveau. Fazit: Forschungsfahrten sind nur zu empfehlen!

Sonnenaufgang am Forschungsschiff Alkor in der Ostsee (Foto: Sophia Wagner).

Ein letzter Sonnenaufgang über der Ostsee

23.05.2014: Schichtdienst

Mitten in der Nacht mit eiskaltem Wasser spielen - was könnte es schöneres geben? (Foto: DW/Sophia Wagner)

Mitten in der Nacht mit eiskaltem Wasser spielen - was könnte es schöneres geben?

Mir ist aufgefallen, dass der Inhalt dieses Blogs doch den Anschein erwecken könnte, dass wir hier den ganzen Tag nur schlafen und essen. Das stimmt so nicht, ist aber auch nicht völlig falsch.

Wenn man wie wir im 24-Stunden-Schichtdienst arbeitet, kommt zumindest der Schlaf einfach zu kurz (für Essen ist immer Zeit!), deshalb wird jede kurze Pause für ein Nickerchen genutzt. Heute Abend sind wir, mittlerweile ja schon auf dem Rückweg, noch einmal auf der bereits erwähnten Dauerstation. Das heißt, dass gefühlt tausend Netze im Schneckentempo 100 Meter zum Grund und wieder hochgefahren werden. Immerhin ist man dann aber beschäftigt und läuft weniger Gefahr, in den Pausen zwischen den Stationen einfach einzuschlafen.

Meine Schichtpartnerin Julia und ich haben in den letzten Nächten schon so allerhand versucht, um uns wachzuhalten. Von Disney-Filme schauen über "Bravo Girl" lesen bis hin zu wilden mitternächtlichen Tanzparties zu zweit. Doch das Leiden hat ein Ende: Weil wir so super effektiv gearbeitet haben, machen wir nächste Nacht frei und schieben einen außerplanmäßigen Landgang auf der dänischen Insel Bornholm ein. Party statt Nachtschicht, yes!

Julia will sich beim Fahren der Netze nicht ablenken lassen (Foto: DW/Sophia Wagner)

Julia will sich beim Fahren der Netze nicht ablenken lassen

22.05.2014: Chicken-Nuggets um Mitternacht

Donnerstag ist Seemannssonntag. Das heißt, unser Koch Horst verwöhnt uns mit besonders gutem Essen. Heute gab es leckeren Spargel mit Rindfleisch und Kartöffelchen, und zum Nachmittagskaffee Apfelkuchen und Erdbeersahnetorte. Abgesehen vom Kuchen - denn den gibt es außer Donnerstags nur am richtigen Sonntag - ist das Essen aber immer hervorragend.

Horst war schließlich früher Personalkoch auf einem großen Kreuzfahrtschiff. Damals hatte er eine Reihe von Hilfsköchen und Stewarts, die ihn unterstützten - bei uns auf der Alkor schmeißt er den Laden alleine. Alle sechs Stunden gibt es eine Mahlzeit, Mitternachtssnack eingeschlossen. Ich mag das Frühstück am liebsten: Waffeln, Pfannkuchen, Rührei und Speck, so einen Aufwand würde ich zu Hause nie betreiben.

Forschungsschiff Alkor, Koch Horst (Foto: DW/Sophia Wagner).

Koch Horst verwöhnt die Crew kulinarisch an Bord

Zurück in der Heimat werden wir uns wohl ganz schön umstellen müssen: Kein ständig voller Kühlschrank, kein ausgewähltes Sortiment gekühlter Getränke, kein durchgängig heißes Wasser aus dem Durchlauferhitzer. Aber zugegeben: Ein wenig hungern nach diesen zwei reichhaltigen Wochen kann sicher nicht schaden - meine Jeans kneift schon.

21.05.2014: Ein kapitaler Dorsch

Heute haben wir zum ersten Mal während unserer gesamten Reise einen halbwegs großen Fisch gefischt - einen über sechzig Zentimeter großen Dorsch! Leider hatte er Parasiten und war deshalb nicht ganz so schön wie er hätte sein können. Ansonsten bestand unser Fang wie immer aus kistenweise Sprotten, ein paar Heringen und einigen Flundern.

60 Zentimeter langer Dorsch-Fisch (Foto: DW/Sophia Wagner).

Endlich ging uns ein riesiger Fisch ins Netz - leider voller Parasiten...

Dass die Ostsee nicht besonders Artenreich ist wusste ich. Wegen ihrer vielen Zuflüsse versüßt sie zusehends und der niedrige Salzwassergehalt macht das Überleben für viele Meeresfische unmöglich. Wie es scheint ist sie aber auch nicht besonders Fischreich, ein leeres Meer. Unsere Fänge würden jeder für sich betrachtet selten mehr als die Besatzung ernähren.

Auch wenn man unsere Forschungsfischerei von den Ausmaßen nicht mit dem kommerziellen Fischfang vergleichen kann, frage ich mich wirklich, wie man heutzutage noch als Fischer überleben kann. Außer Sprotten, eine der häufigsten Fischart in der Ostsee, ist hier nicht viel zu kriegen. Und der einst große Dorschbestand ist längst stark dezimiert. Die Daten, die wir sammeln, sollen deshalb auch für die Entwicklung nachhaltigere Fischereistrategien verwendet werden.

Das GEOMAR-Forschungsschiff Alkor, Netze entleeren an Deck. (Foto: Sophia Wagner).

Netz einholen auf der Alkor: Viel ist in der Ostsee nicht zu holen

19.05. und 20.05.2014: Wieder in Fahrt

Der Landaufenthalt war eine wirklich willkommene Pause in der täglichen Fischereiroutine. Weil die Bars in Karlskrona am Sonntagabend alle geschlossen hatten, begnügten wir uns mit der Umfunktionierung des Computerraumes zur Disco. Ich hatte allerdings Fotoverbot…

Trotz der ausgelassenen Party ging es am nächsten Tag früh los. Das Wetter hatte sich zum Glück wieder gebessert, sodass einer kleinen Wanderung in die Umgebung nichts im Wege stand. Neben der generellen Astrid Lindgren-Atmosphäre löste vor allem die Entdeckung eines Schwanen-Nestes biologische Begeisterungsstürme aus.

Schwan mit frisch geschlüpften Küken (Foto: Foto: DW/Anna Lena Kolze)

Ein Schwan samt frisch geschlüpften Küken: Unser Biologenherz schlägt höher!

Seit heute Morgen acht Uhr sind wir nun wieder am Dampfen (das sagt man wirklich so). Da wir circa zwölf Stunden brauchen, um unser Probengebiet vor Gotland zu erreichen, liegen wir den ganzen Tag schlafend auf dem Peildeck.

Platt ausgestreckt auf dem sonnenwarmen Metallboden lässt sich eine solche Seefahrt doch ausgesprochen genießen. Vor allem wenn man weiß, was auf uns zukommt: Eine Woche knallhartes Schleppnetzfischen.

18.05.2014: Landgang

Nach einer Woche auf See haben wir heute zum ersten Mal wieder Land unter den Füßen. Gegen 14 Uhr sind wir bei strömendem Regen im südschwedischen Karlskrona eingelaufen. Nach drei Tagen Sonnenschein mussten wir ausgerechnet heute Nacht in ein Tiefdruckgebiet kommen, das uns - außer einem deutlich spürbaren Wellengang - auch zum ersten Mal auf unserer Reise wirklich schlechtes Wetter gebracht hat.

Forschungsschiff Alkor, Foto: Sophia Wagner

Nach sieben Tagen legt die Alkor erstmals an, im Hafen von Karlskrona

Nach sieben Tagen bloß Wasser, Wasser und ab und zu Mal ein Frachter (okay, ziemlich viele Frachter, die Ostsee ist befahren wie eine Autobahn) wollten wir aber trotzdem sofort los und die Stadt erkunden, Regen hin oder her. Weil ich allerdings fest von gutem Wetter in Karlskrona ausgegangen war, hatte ich rein gar nichts Wasserfestes eingepackt - und musste deshalb in meinen knallgelben Stahlkappengummistiefeln losziehen.

Karlskrona ist winzig klein. Auf einer Halbinsel gelegen und von Schären umringt gleicht die Stadt einem schwedischen Postkartenidyll. Am meisten Eindruck macht auf mich aber nicht die Stadt an sich, sondern ihr Geruch. Es riecht nach Bäumen, überall. Noch nie in meinem Leben ist mir aufgefallen wie gut und intensiv Pflanzen riechen, verrückt!

17.05.2014: Romantik pur

Heute Mal nur ein Foto: Sonnenuntergang über der Ostsee:

16.05.2014: Auf Kreuzfahrt

Wir schippern immer noch durch Bornholmer Gewässer. Wer sich #link:https://www.marinetraffic.com/de/ais/details/ships/211216570/vessel:ALKOR: unsere Route# angeschaut hat, wird festgestellt haben, dass wir alles andere als geradeaus fahren. Im Raster arbeiten wir die verschiedenen Probenstationen ab. Heute haben wir wieder einen Bongotag und dementsprechend entspannt läuft alles ab. Die verantwortungsvollste Aufgabe hat der Fahrer, also derjenige, der auf dem Echolot die Tiefe überwacht.

Biologie-Studentin Sophia Wagner liegt auf Deck, Foto: Sophia Wagner

Entspannung auf der Alkor

Vor allem das Bongo darf auf keinen Fall in der meterdicken Schlammschicht am Grund der Ostsee landen. Passiert es doch, müssen Netz und Deck in stundenlanger Arbeit von Matsch und Dreck befreit werden, der verantwortliche Fahrer macht sich nicht gerade beliebt. In der Alkor-internen Sprache nennt man ein solches Missgeschick "einen Wal fangen". Da ich auf gar keinen Fall zum Walfänger werden möchte, starre ich beim Fahren immer höchst konzentriert auf die Meteranzeige, das ist aber nicht besonders spannend und bei 100 Metern Tiefe drifte ich gedanklich schon Mal ab. Bisher ist noch nichts Schlimmes passiert, man kann nur hoffen…

15.05.2014: Auf Dauerstation

Nach gefühlten zwei Stunden Schlaf war ich heute Morgen um 5:15 Uhr wirklich alles andere als motiviert aufzustehen. Tatsächlich ist der Tag bisher aber ziemlich gut gelaufen.

Forschung auf Forschungsschiff Alkor Foto: Sophia Wagner

Der Wassersammler hat einen automatischen Mechanismus, der die kreisförmig angeordnet Flaschen nacheinander bei unterschiedlichen Tiefen schließt

Das fing schon mit dem Wetter an: Während wir in den letzten Tagen zwar nur wenig Regen, aber doch starke Bewölkung hatten, scheint heute ausnahmslos die Sonne. Das Meer glitzert geheimnisvoll, die Wellen haben weiße Kämme, und am Horizont sieht man die dänische Insel Bornholm unter strahlend blauem Himmel.

Dazu kommt: Wir sind auf Dauerstation. Die Station BB23, nordöstlich von Bornholm, wird von April bis August einmal im Monat von Forschungsinstituten an- und mit einer Vielzahl von Geräten befahren (seemännisch für Netz-ins-Wasser-lassen). Trotz der verschiedenen Netze wird aber mal wieder hauptsächlich Plankton gefischt. Das Bornholmer Becken ist einer der Hauptlaichgründe der Dorsche und Plankton das Lieblingsessen der Dorschlarven. Informationen über Plankton liefern dadurch indirekt auch Informationen über den Dorsch, der als beliebter Speisefisch ein wichtiges Studienobjekt der Fischereiforschung ist.

Probenahme auf Forschungsschiff Alkor Foto: Sophia Wagner

Zwei Studenten nehmen Wasserproben. Sie verraten Sauerstoff- und Salzgehalt

Manche Schiffe bleiben hier zwei bis drei Tage liegen und entnehmen immer wieder Proben - daher auch die Bezeichnung Dauerstation. Wir sind mit knapp acht Stunden Verweildauer relativ schnell wieder weg, aber trotzdem wesentlich länger "auf Station" als die üblichen 15 bis 30 Minuten (unsere genaue Schiffsposition kann man übrigens #link:https://www.marinetraffic.com/de/ais/details/ships/211216570/vessel:ALKOR:hier# live mitverfolgen). Trotzdem bleibt während der halbstündigen Netzfahrten genug Zeit, um sich auf dem Peildeck, liebevoll auch das Sonnendeck genannt, in der Wärme zu räkeln. Die Idee, eines der großen Aquarienbecken zum Pool umzufunktionieren, wurde aber leider rigoros abgeschmettert.

Forschung auf Forschungsschiff Alkor Foto: Sophia Wagner

Das Multinetz hat, ähnlich wie der Wassersammler, Netze, die auf unterschiedlichen Wassertiefen aufgehen

14.05.2014: Ein fetter Fang

Heute wurde den ganzen Tag mit dem Schleppnetz gefischt. Das ist spannender, aber auch wesentlich stressiger als Plankton-Bongofischen. Während die Planktonproben nur auf Fischlarven durchgesehen und dann konserviert werden, müssen die Fische nach Art sortiert, vermessen, gewogen und teilweise ausgenommen und eingefroren werden. Trotzdem sind alle begeistert und gespannt, was uns das Netz so hoch bringt. Meistens ist das nicht besonders viel, aber heute haben wir richtig gute Beute gemacht.

Wenn der Fang an Bord kommt, wird er erst einmal sortiert. Dabei muss man teilweise tief in den Fischkisten graben, um größere Arten wie Dorsch und Wittling von der vorherrschenden Masse kleiner Sprotten zu trennen. Es kostet mich am Anfang immer etwas Überwindung, mit den nackten Händen in den glibbrigen Haufen zu fassen.

Stecke ich einmal drin, finde ich es aber jedes Mal wieder interessant, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Arten anfühlen. Am schwierigsten zu halten sind die Plattfische, ihre rundherum laufenden Flossen sind wegen ihrer starken Flossenstrahlen ziemlich pieksig. Die kleinen Sprotten haben dagegen nur feine Widerhaken am Bauch, und Heringe haben sehr lockere Schuppen. Schon bei der kleinsten Berührung fallen sie ab und bleiben glitzernd auf den Händen kleben - Ich sah aus wie die kleine Meerjungfrau. Doch so leicht sich die Schuppen vom Hering lösen, so schwer kriegt man sie leider von den Fingern.

Bei den folgenden Messreihen ist Teamwork gefragt. Kaum ist ein Fang bearbeitet, kommt auch schon der nächste an Bord und zwischendurch möchte natürlich jeder ein Foto mit dem größten Dorsch machen. Nach einem erfolgreichen Fang wie heute sind wir alle erschöpft, aber zufrieden. Noch ein bisschen filetieren in der Abendsonne und auch das morgige Abendbrot ist gesichert!

13.05.2014: Bongofischen

Langsam bekomme ich den Fischgeruch nicht mehr von den Fingern gewaschen...

Es ist Zeit, um etwas ausführlicher über die Arbeit an Bord zu sprechen. Zum Beispiel über das Bongofischen. Was nach einer afrikanischen Trommel klingt, ist ein spezielles Netz in Form einer überdimensionalen Zipfelmütze. In seinen engen Maschen werden vor allem Fischlarven und Plankton gefangen, die für Langzeitmessreihen konserviert werden. An ein dickes Stahlseil gekettet, wird das Netz an einer Winde an der Seite des Schiffs hinab ins Wasser gelassen. Die Winde gibt dabei ein durchdringendes Whiuuu von sich, das man im gesamten Schiff und vor allem im Bett sehr gut hören kann.

Obwohl das Bongofischen im Grunde nicht kompliziert ist, gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die man (oder viel mehr ich) dabei durcheinander bringen kann. Besondere Probleme bereiten meinem holländischen Schichtpartner Hank Jan und mir die Probengefäße. Die kleinen Plastikfläschchen müssen passend zum Fang mit diversen Positionen und Daten beschriftet werden. Diese sind wiederum auf diversen Bildschirmen und Zetteln zu finden, die an den Wänden des Nasslabors hängen. Eigentlich einfach, aber irgendwie schaffen wir es immer wieder, uns gegenseitig zu verwirren. Sind wir bei Position 630/H23 oder doch 631/H22? Äh, keine Ahnung? Da kommt es schon mal zu Schweißausbrüchen unter dem orangenen Ölzeug. Aber wir werden besser - noch ein, zwei Tage und wir sind Profis!

Bongo Netz Foto: Sophia Wagner

So wird bongogefischt!

12.05.2014: Safety First!

Forschung ist nichts für Spätaufsteher! Der erste Tag unserer Ausfahrt startete um 7.30h mit dem Beladen der Alkor. Nach zwei Stunden Netze Schleppen und Gerätschaften Aufbauen ging es dann endlich los. Fast hätte ich das Auslaufen verpasst, weil ich in der recht großzügigen Kajüte mit einem recht knapp bemessenen, pinken Laken zu kämpfen hatte. Ein zufälliger Blick aus dem Fenster rettete mich, und ich stürmte nach draußen, um einen letzten Blick auf Kiel zu erhaschen.

Nachdem ich das Bett schließlich mit Hilfe meiner Kajütengenossin Clarissa erfolgreich bezogen hatte, kam gleich die nächste Herausforderung: Finde Ölzeug in deiner Größe. Die wasserfeste Kleidung wird an Bord gestellt. Sie besteht aus einem höchst eleganten orangenen Zweiteiler, der in den Größen groß und extra groß vorrätig ist, sowie Stahlkappen-Gummistiefeln und einem knallgelben Schutzhelm. Klingt furchtbar - und sieht auch furchtbar aus. Tatsächlich ist diese Mode aber unschlagbar, wenn man den Tag damit verbringt, Netze aus dem Wasser zu ziehen, Quallen zu vermessen und Fische zu wiegen.

Planktonmasse Foto: Sophia Wagner

So sieht die Planktonmasse aus, die mit Netzen an Bord kommt. Sie wird durch ein Sieb gewaschen und konserviert

Aber dazu später mehr. Jetzt muss ich mich erstmal einrichten, bevor Clarissa ins Bett geht. Sie hat Nachtschicht und muss schon um 1.00h wieder aufstehen!

09.05.2014:

In drei Tagen (am 12.5.2014) ist es so weit: Ich gehe auf große Fahrt! Zusammen mit elf Biologen und zwölf Mann Besatzung auf hoher See. OK, ein Weltmeer ist die Ostsee nicht, aber auch in der Bornholmer Bucht kann es stürmisch werden. Nicht umsonst stehen auf unserer Packliste warme Unterhosen an erster Stelle. Wasserfeste Kleidung müssen wir nicht mitnehmen, die wird gestellt. Und gebraucht wird sie wohl auch, denn der Auftrag lautet: Daten sammeln im Namen der Wissenschaft - Erhebungen zur Artenvielfalt und Ozeanversauerung. Auf gut Deutsch also: Fische fangen und Proben nehmen.

Ich bin schon ganz aufgeregt, abgesehen von kurzen Fährüberfahrten war ich noch nie wirklich auf einem Schiff. Und jetzt gleich zwei Wochen auf der Alkor, deren blau-weiße sechzig Meter ich bisher nur bewundern konnte, wenn sie gelegentlich an ihrem Heimatpier des #link:http://www.geomar.de/:GEOMAR# lag. Für Nicht-Biologen ist es vielleicht schwer vorstellbar, aber die Plätze auf solchen Forschungsfahrten sind heiß begehrt. Die sogenannte Feldarbeit ist schließlich das Highlight im Leben eines Wissenschaftlers, das Maximum an Spannung und Abenteuer. Zumindest stelle ich mir das so vor. Ob da etwas dran ist, werden wir ab Montag sehen. Hoffentlich werde ich nicht seekrank …

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