1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

High-Tech-Hilfen für Menschen mit Handicap

Die neuesten Entwicklungen der Medizintechnik rücken das Ziel in Reichweite, verlorene Körper- und Sinnesfunktionen wieder herzustellen oder zu ersetzen - aber die Mühlen des Fortschritts mahlen langsam.

Fingerprothese (Foto: AP)

Der 3.12. ist der "Welttag der Menschen mit Behinderung"

Im Science-Fiction-Film ist die Sache ganz einfach: Der Held verliert seinen Arm im Laserschwert-Duell - und bekommt dann postwendend ein Ersatzteil angepasst, das nicht nur völlig naturgetreu aussieht, sondern auch mindestens so gut funktioniert wie das Original aus Fleisch und Blut.

In der Realität ist die direkte Ankopplung des menschlichen Nervensystems an elektronische Bauteile noch eine äußerst schwierige Angelegenheit - aber sie beginnt zu funktionieren. Und das eröffnet völlig neue Perspektiven, meint Professor Klaus-Peter Hoffmann vom Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert: "Der neue Ansatz ist, dass man eine Prothese braucht, die man auch intuitiv steuern kann." Bislang muss ein armamputierter Patient nämlich das Bewegen seiner Prothese neu erlernen und langwierig trainieren. Das ganz bewusste Anspannen und Entspannen eines verbliebenen Muskels funktioniert dann als eine Art Schalter - die Prothese übersetzt die dabei entstehenden winzigen elektrischen Ströme in einen bestimmten Befehl - zugreifen, drehen oder Hand öffnen zum Beispiel.

Gedankengesteuerte Prothese

Das alles soll mit der intuitiven Steuerung viel einfacher werden, so Klaus-Peter Hoffmann: "Der Patient braucht nur eine Bewegung, wie wir es auch machen, ohne Nachzudenken auszuführen - und dann führt die Prothese diese Bewegung aus." Besonders am Herzen liegt dem Leiter der Abteilung für Medizintechnik und Neuroprothetik aber auch noch ein zweiter Aspekt, der bei den bisherigen Prothesen sehr vernachlässigt worden sei: "Das ist das Sensorische; dass man den Tastsinn wiederherstellt. Wir haben derzeit in der Hand 17.000 Sensoren, wir können Temperatur, Kraft und dergleichen erfassen; ohne hinzusehen wissen wir, wie die Stellung der Finger im Raum ist, und solche Informationen braucht natürlich der Patient oder der Betroffene auch."

Christian Kandlbauer (Foto: dpa)

Der Österreicher Christian Kandlbauer war der erste Träger einer gedankengesteuerten Armprothese. Tragischerweise verunglückte er im Oktober 2010 bei einem Verkehrsunfall mit seinem PKW.

Kunst-Nerven aus Plastik und Platin

Ein möglichst differenziertes Feedback aus der Prothese an das Gehirn wäre das Fernziel - für die nähere Zukunft wäre der Wissenschaftler aber auch schon froh, vielleicht einmal hundert technische Sensoren auf einer Handprothese zu haben und deren Signale an das Nervensystem übertragen zu können. Klaus-Peter Hoffmanns spezieller Beitrag zum Konzept der bionischen Prothese sind die ultradünnen Mikroelektroden, die mit den Nervenfasern verbunden werden und sozusagen die Mensch-Maschine-Schnittstelle bilden. Sie bestehen aus dem Kunststoff Polyimid und aus dem Edelmetall Platin; aber wie sich so ein Implantat langfristig mit dem Körper verträgt, das ist bislang ungeklärt - die Technologie ist schlichtweg zu neu.

Auch Hoffmann sieht hier noch Forschungsbedarf: "Gerade auch Fragen der Biokompatibilität sind wichtig, denn so ein technisches System nimmt am Stoffwechsel nicht teil, es wächst nicht, und da gibt es noch genügend Probleme, um an der Stelle weiter nach vorn zu kommen." Neuroprothetik ist immer noch medizinisches Neuland - und daher dauern auch die Zulassungsverfahren für die klinische Praxis besonders lange.

Autor: Michael Gessat
Redaktion: Christian Walz

WWW-Links