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Sport

High Noon für den Gastgeber

Im zweiten Viertelfinalspiel des heutigen Tages stehen sich Gastgeber Brasilien und die starken Kolumbianer gegenüber. Für die Selecao ist es mehr als für jede andere Elf ein Endspiel - schon jetzt.

Und jetzt - Kolumbien. Die Auswahl aus dem Nordwesten Südamerikas gilt als Geheimfavorit, man darf viel von ihnen erwarten. Im Falle der Brasilianer muss es aber heißen: Man befürchtet viel. Schließlich haben die vom erfahrenen Argentinier Jose Pekerman trainierten Kolumbianer einen jungen Mann in ihren Reihen, der schon einige Gegner das Fürchten gelehrt hat: James Rodriguez, kurz James.

Die Gastgeber haben zwar mit Neymar einen vielleicht noch wirkungsvolleren Star in ihren Reihen, aber beim Turnier hat die Selecao noch in keiner Partie überzeugen können. Offenbar sind sie entweder nicht in Form oder schlecht aufgestellt oder, und das ist wohl eher richtig: Sie haben Angst. Angst zu versagen und auszuscheiden, ihren fast 200 Millionen Landsleuten nicht den erhofften sechsten Weltmeistertitel schenken zu können. Und Angst lähmt Hirn und Beine.

Was geschieht in der Wagenburg?

Brasiliens Trainer Felipe Scolari hat seine Spieler in einer mentalen Wagenburg eingesperrt und hofft, damit den Teamgeist zu fördern und Ablenkungen von der Arbeit zu verhindern. Welche Entscheidungen er dort trifft, ist kaum vorherzusagen: Verzichtet er weiterhin auf Paulinho und stürmt wieder der Kraftprotz Hulk? Scolari hatte schon vor dem Turnier vom glücklichen Ausgang des Abenteuers WM 2014 gesprochen: "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen."

Die Kolumbianer, deren Mannschaft nach dem Hauptexportgut des Landes Kaffepflücker (Los Cafeteros) genannt wird, können dagegen dem Spiel relativ entspannt entgegen sehen. Vor allem, weil sie mannschaftlich geschlossener auftreten und nicht so sehr von ihrem Star James abhängig sind wie die Gastgeber von ihrer Nummer Zehn. Coach Pekerman jedenfalls ist guter Dinge und sieht die Chance der Kaffeepflücker bei 50 zu 50: "Ich möchte, dass meine Spieler das Spiel genießen und zeigen, wie viel Qualität in ihnen steckt. So, wie sie es schon das ganze Turnier gemacht haben."

Ein Trauma seit 64 Jahren

Das Viertelfinale findet heute Abend um 22:00 Uhr (MESZ) in Fortaleza statt - am 4. Juli. Für die deutschen Kicker ist der

4. Juli ein denkwürdiger Tag

, genau vor sechzig Jahren haben ihre Vorgänger bei der WM in der Schweiz die für unbesiegbar gehaltenen Ungarn geschlagen und mit diesem als "Wunder von Bern" berühmt gewordenen Sieg ihre erste Weltmeisterschaft errungen.

Vier Jahre davor war das Turnier in Brasilien ausgetragen worden, und Brasilien war der große Favorit gewesen. Der traurige Ausgang ist allen Brasilianern bewusst: Die Niederlage gegen Uruguay vor 200.000 Zuschauern im Maracana von Rio de Janeiro ist ein nationales Trauma, das heute noch wirkt - seit nunmehr 64 Jahren.

Ob die Deutschen sich vom 60-jährigen Titeljubiläum inspirieren lassen, ist eher ungewiss. Aber dass die Brasilianer noch immer gegen das Trauma von 1950 anspielen, hat man bislang jedem ihrer Auftritte anmerken können. Für das Viertelfinale gegen Los Cafeteros kommt es darauf an, wie sie mit dieser Belastung umgehen. Können sie erstmals bei diesem Turnier aus der Erinnerung einen positiven Schluss ziehen, der sie motiviert, dürfte dem Halbfinaleinzug der Gastgeber nichts im Wege stehen

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