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Wissen & Umwelt

Heute schon getestet?

Die Hälfte der HIV-infizierten Menschen in Europa weiß gar nicht, dass sie infiziert sind. Warum lassen wir uns nicht einfach regelmäßig testen um Neuinfektionen zu vermeiden? Ein Kommentar von Marlis Schaum.

Blutprobe wird genommen (Foto: AP)

Ich habe schon dreimal in meinem Leben einen AIDS-Test gemacht. Einmal aus Neugier. Und zweimal, um einfach sicher zu sein. Und ich bin weder homosexuell, noch nehme ich Drogen. Ich habe keine ständig wechselnden Partner, mit denen ich beim "One Night Stand" ohne Kondom über die Bettlaken rolle und ich hatte noch nie eine Bluttransfusion. Trotzdem hatte ich jedes Mal Angst, während ich auf das Ergebnis gewartet habe – dieses kleine, nagende Etwas namens „Was, wenn doch…?“ im Hinterkopf. Bestimmt ein Grund, warum viele Menschen keinen AIDS-Test machen lassen. Diese ungewisse Angst.

Ich liebe ihn – der hat so was nicht

Ich kenne auch Leute, die sagen, dass sie gar nicht wissen wollen, ob sie mit HIV infiziert seien. Sterben müsse man ja irgendwann sowieso. Dann lieber sorglos leben bis zum großen Knall. Und in Kauf nehmen, bis dahin vielleicht noch andere anzustecken. Ich kenne sogar Leute, die wie ich in den 80er Jahren mit den größten AIDS-Aufklärungskampagnen aller Zeiten aufgewachsen sind und ordentlich Grips im Oberstübchen haben und die dann trotzdem "non-safer-Sex" zelebrieren. Begründung: Ich liebe meinen Partner, der hat so etwas nicht.

Dabei ist ein AIDS-Test so einfach. Bei jedem Gesundheitsamt kann man ihn kostenlos und anonym machen lassen - ohne, dass einen die Ärzte misstrauisch beäugen und im Kopf zu den wilden Rumhurern stecken. Bei jedem Hausarzt geht es auch. Aber immer muss man unterschreiben, dass man sich zu dem Test bereit erklärt. Kein Arzt darf den Test gegen den Willen eines Patienten machen und man bekommt anschließend auch kein Zeugnis mit „positiv“ oder „negativ“ drauf. Noch nicht einmal telefonisch darf das Ergebnis mitgeteilt werden, egal, wie es ausgefallen ist. Denn die Folgen im Falle eines positiven Befundes sind gravierend. Die schlimmste von allen ist wohl die soziale Stigmatisierung. AIDS ist immer noch ein Tabu. Nicht wenige glauben, man könne sich schon anstecken, wenn man aus dem Wasserglas eines Infizierten trinkt.

Test ist Tabu

Wahrscheinlich ist das der einzig wahre Grund dafür, dass so wenige Menschen einen AIDS-Test machen lassen, die Angst vor den Folgen. Vor allem vor der sozialen Stigmatisierung. Und die Beruhigung, dass man doch gar nicht zu einer der so genannten Risikogruppen gehöre. Dass Hetero-Männer sich doch sowieso nicht so schnell anstecken können. Dass das Risiko ja generell überhaupt ziemlich klein ist. Ein Pflichttest wäre hier eine Lösung. Aber das will wohl keiner. Noch nicht einmal der neue, junge Gesundheitsminister Philipp Rösler würde sich hinstellen und einen AIDS-Test als Vorsorgemaßnahme fordern. Hat ja auch meistens mit Sex zu tun, dieses AIDS. Wenn man also keinen Pflichttest einführen möchte, um Neuinfektionen zu vermeiden, müssen wir uns selber ein bisschen mehr anstrengen, damit AIDS kein Tabu bleibt. Haben Sie sich schon mal testen lassen?

Autorin: Marlis Schaum

Redaktion: Ursula Kissel