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Hetzen, hetzen, hetzen – wir sind so gehetzt!

Wer hasst, der hetzt. Und umgekehrt. Wer hetzt, der wird gejagt. Termine über Termine. Jetzt und sofort. Besser gestern als heute. Am besten gleichzeitig. Wir sind Jäger und Gejagte, Hetzer und Gehetzte.

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Hetzen, hetzen, hetzen – wir sind so gehetzt! – die Folge als MP3

Lässt sich das Wörtchen „jetzt“ steigern? Oder gibt es noch einen deutlicheren Ausdruck für „sofort“ als „sofort“? Rein sprachlich gesehen lautet die Antwort: Nein. Allerdings findet im täglichen Leben längst etwas statt, das diese beiden Temporaladverbien dem Anschein nach überbietet. Die Devise heißt: „Alles zu jeder Zeit, jetzt und sofort.“

Multitasking – eine Hetzerei ohne Ende?

Symbolbild Stress am Arbeitsplatz: Eine Frau sitzt auf einem Stuhl mit ganz vielen Post-it-Zetteln auf ihrem Oberkörper und hält sich den Kopf.

Gehetzt von den vielen zu erledigenden Aufgaben!

Natürlich ist es schier unmöglich, zwei oder gar mehrere Dinge tatsächlich gleichzeitig zu tun. Multitasking – das annähernd gleichzeitige Ablaufen mehrerer Prozesse in Betriebs- systemen – lässt sich normalerweise nicht auf den Menschen übertragen. Gleichwohl gilt es als besondere Qualifikation, so etwas wie Multitasking zu praktizieren.

In der Praxis bedeutet das jedoch meist eine endlose Hetzerei. Was Soziologen und Psychologen so wohlklingend die stets zunehmende „Beschleunigung aller Lebensbereiche“ nennen, ist nichts anderes als die tägliche Hetze von morgens bis abends.

Beschleunigt und getrieben

Was bedeutet das: Hetze, hetzen? Als Synonyme in den Wörterbüchern finden sich „große Hast“ und „übertriebene Eile“. „Übertrieben“ heißt „unangemessen“. Ungezählte Menschen vor allem in den Industrieländern befinden sich nahezu ununterbrochen in diesem „unangemessenen“ Zustand. Sie fühlen sich stets abgehetzt. Niemand wird in Frage stellen, dass dies kein guter Zustand ist – für Körper, Geist und Seele.

Gehetztsein bedeutet Getriebensein. Allerdings nicht aus eigenem Antrieb. Und das ist der springende Punkt. Wer will sich schon selbst hetzen, wenn er etwas erledigen will. Sicher. Man wird sich gegebenenfalls beeilen. Aber sich dafür abhetzen?

Das Zauberwort: Entschleunigung

Ein Geschäftsmann lehnt entspannt an einem Baum

Gehetzte sollten ab und zu mal „die Seele baumeln lassen“

Zwar ist ein voller Terminkalender noch immer so eine Art Prestigedokument. Denn das Image des coolen Überbeschäftigten wird von vielen Menschen – eher Männer als Frauen – als durchaus erstrebenswert angesehen. Aber längst gibt es die warnenden Stimmen von Ärzten und Psychologen, die das anmahnen, was schon zum Schlagwort geworden ist: Entschleunigung.

Also weg von der Hast, von der Rennerei, von dem Tempodiktat, weg von der steten und allgegenwärtigen Hetze. Aber wohin? Vielleicht zu dem, was man „angemesseneres Tempo“ nennen könnte. „Wer langsam geht, kommt auch ans Ziel“, heißt es. Da ist was dran. Wer ständig gehetzt wird – oder sich hetzen lässt –, wird das Ziel in eben diesem Zustand erreichen. Nämlich abgehetzt. Außerdem birgt Hetze Gefahren: unter anderem mehr Fehler zu produzieren oder gesundheitlich schlapp zu machen.

Eine Hetzjagd: von unsichtbaren Verfolgern gehetzt

Hetze ist nicht nur ein Zustand. Sie hat gewissermaßen auch ein Gesicht. Wer gehetzt oder abgehetzt aussieht, sieht nicht gut aus. Da gibt es keinen strahlenden Blick, kein freundliches entspanntes Lächeln. Statt dessen Anspannung. Gehetzte Menschen können nicht stillsitzen, sind rast- und ruhelos, stets auf dem Sprung zum nächsten Ziel.

Nicht ohne Grund gibt es das Wort Hetzjagd auch in übertragener Bedeutung. Vergleichbar dem Wild, das von Hunden gehetzt wird, hecheln die Menschen – wie von unsichtbaren Verfolgern gehetzt – durchs Leben, jagen der Erfüllung von Aufgaben hinterher. Klingt übertrieben? Ist aber so. Nicht immer und überall, aber erschreckend häufig.

Die Hasser: die Hetzer

Interessanterweise hat das Wort „hetzen“ von seiner Wortgeschichte her mit „hassen“ zu tun. Jemanden hetzen bedeutete „jemanden hassen machen“ beziehungsweise „zum Verfolgen bringen“. Die Hetzkampagnen gegen Andersdenkende, gegen Minderheiten, Menschen anderer Religion und Hautfarbe haben Tradition und sind keineswegs Auswüchse nur des modernen Zeitalters.

Hetze und Hass sind zwei Seiten derselben Medaille. Hetzredner und Hassprediger – ganz gleich welcher politischen und/oder religiösen Zugehörigkeit – sehen im Anderen den Gegner, den es zu vernichten gilt. Natürlich lässt sich auch mit anderen Mitteln als der Rede hetzen. Hetzschriften, Hetzplakate, Hetzsendungen in Rundfunk und Fernsehen waren und sind die Medien, über die sich Hetze verbreiten lässt.

„Wie sind doch keine Automaten“

Hetze, die eine wie die andere, tut dem Menschen nicht gut. Trotzdem kann er es nicht lassen mit der Hetze. Zumindest bislang nicht. Aber vielleicht beherzigt die eine oder der andere die Worte des deutschen Rockmusikers Udo Lindenberg: „Wir sind doch keine Automaten / wir sind ein Wunder – du und ich / lass die andern weiterhetzen, weiterhetzen – wir nich' / wir streunen locker durch die Gegend / mal sehn wohin es uns so bringt …“




Arbeitsauftrag
Lest euch den Text des Songs „Das Leben“ von Udo Lindenberg durch: http://bit.ly/1GWoDBm. Verfasst anschließend eine schriftliche Interpretation des Songs. Und was meint ihr: Stimmt das, was er singt?

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